Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 50 (24.6.1897)
- Date
- 1897-06-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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972 1664 zurück, es ist aber sehr wahrscheinlich, daß sie noch älter ist. Damals gehörte New-Aork unter dem Namen Neu-Amsterdam den Holländern und holländische Israeliten waren die ersten, die sich hier ansiedelten. Während die offiziellen Behörden die Juden nicht gerne in dieser Kolonie sahen, drangen die Direktoren der West-Jndien-Kompagnie auf ihre Zulassung, weil sie erklärten, dieselben im Handel nicht entbehren zu können. Sie setzten auch ihren Willen durch, denn 1856 erhielt Äffer Levy, Bürger in Amsterdam, auch das Bürgerrecht von Neu-Amsterdam. In demselben Jahre erhielt die Gemeinde auch die Erlaubniß einen jüdischen Friedhof anzulegen und die englische Regierung, welche 1664 an Stelle der holländischen trat, setzte die liberalen Traditionen ihrer Vorgängerin fort. So konstituirte sich die Gemeinde formell ca. 16/3 und beschaffte alle Erfordernisse, die von einer solchen verlangt werden. Obwohl die Zahl der Juden noch klein war, entwickelte sich doch schon ein Vereinswesen und eine Gesellschaft „Mezion Teze Thora", welche noch heute besteht, datirt aus dem Jahre 173 l. So wurde die Spanisch- Portugiesische Gemeinde Shearith Israel der Kern, um den sich immer mehr Juden sammelten, bis heul man die Zahl derselben schon auf 300,000 in der Stadt New-Aork schätzen kann. Die Gründer waren die flüchtenden Marannen aus Spanien und Portugal, welche ein Asyl im fernen Westen fanden, und bis auf den heutigen Tag ist New-Aork ein Zufluchtsort für die verfolgten Juden geblieben. Die Nachkommen jener ersten Flüchtlinge aber haben ihr gut Theil dazu beigelragen, den neuen jüdischen Einwanderern ein menschliches Loos zu bereiten und zum Dank dafür wünschen wir, daß auch die neue Synagoge eine Stätte glücklicher Entwickelung für die Gemeinde werde, wie es die alten gewesen sind._ > Vermischtes. Wesel Der Journalist Herr S. Frankfurter hierselbst hat Sr. Majestät dem Könige von Italien zu Allerhöchst dessen Errettung aus Lebensgefahr (22. April d. I.) eine Glückwunschdichtung gewidmet. Hierfür wurde der Verfasser seitens der Königl. Italienischen Botschaft zu Berlin im Namen Sr. Majestät des Königs Humbert durch ein sehr huldvolles Dankschreiben beehrt._ Letzte Nachrichten. London, 22. Juni. Obzwar die politischen Blätter die denkwürdigen Festlichkeiten des heutigen ereignißvollen Jubiläums Ihrer Majestät der Königin Victoria genau berichten, so möchte ich dennoch den werthen Lesern die den Lord Mayor Sir Faudel Philipps — der heute in den erblichen Baronstand erhoben wurde— betreffenden Einzelheiten in Kürze erzählen, da derselbe bekanntlich ein Jude ist. Der Lord-Mayor und seine beiden Sheriffs hatten vorschriftsgemäß zu Pferde bei dem Tempel Bar (der den Eintritt zur City bildet), Ihre Majestät zu empfangen. Als der Lord Mayor, mit dem Hermelin-Mantel bekleidet, durch Cheapside und Fleet Street einherritt, wurde er von der auf den Straßen und allen Fenstern und Hausdächern versammelten Menge mit begeistertem Hurrah! begrüßt. Er überreichte Ihrer Maj -stät, die in dem achtspännigen goldenen Wagen unter donnerndem Jubelruf einzog, das Schwert der City i!Tn schloß sich nach dieser feierlichen Ceremonie dem Festzuge an. An dem Portal des St. Paul's Domes angelangt, verließen nach beendigtem Gottesdienste der Lord Mayor und die Cheriffs den Festzug und begaben sich in das Mansion Honse. Als der Feftzug an das Manston Honse (Ratbhaus) anlangte, hielt der königliche Wagen und die Lady Mayoreß überreichte Ihrer Majestät der Königin ein großes Blumen-Bouquet. Der Gedanke, daß die Dame, welcher dieses große Ehrenamt, der Königin an ihrem Jubiläumstage, in Gegenwart sämmtlicher Vertreter aller auswärtigen Mächte, sämmtlicher Prinzen, in Prachtuniform einherreitend, sämmtliche Prinzessinnen in ihren prachtvollen Galaequipagen — daß diese Dame, welche ehrfurchtsvoll vor den königlichen Staatswagen hintrat und das Bouquet überreichte, eine I ii d i n ist, dieser Gedanke muß jedes jüdische Herz mit Freude und Dankbarkeit gegen Gott und das Herrscherhaus erfüllen! Der Platz vor dem Mansion Honse war derart von Menschenmassen überfüllt, daß die Begrüßung beim Erscheinen der Königin Meilen weit hörbar war, dennoch herrschte während dieser kurzen Ceremonie eine höchst feierliche Stille und nach Beendigung derselben sang das ganze Volk die Nativnal-Hymne. Bad Brückenau. im Juni, ^ritbc m der hiesige Kurort Bahnstation geworden ist <die Linie Jossa-Brückenau ist eine 'chvcigstrecke der Linie Elrn-Gemünden) hat sich die Frcqll'enz des durch seine vorzüglichen Stahlquellen. Moor- und andere Bäder und seine unvergleichlich schöne und höchst gesunde Lage seit sehr langer Zeit beruh.Neu und von den größten ärztlichen Autoritäten gegen Blu armuth. Frauenkrankheiten, Nervenleiden und Rheumatismus einpsohlenen Bades so gehoben, daß fortwährend Reubauten zur Aufnahnre der Hilfesuchenden rröthig sind. Als ganz besonders erfreulich für uns Juden ist es zu begrüßen, daß auch die seit etwa 20 Jahren bestehende best renommtrte, streng koschere Restaurattou Kaufmaur», der bisher zur Speisung der jüd Kurgäste nur ein sehr beschränkter Raum in einein kleinen Hause von der Kurverwaltung pachtweise überlassen war, nun endlich dem Drängen der jüd. Kurgäste nachgcgeben und mit großen Opfern in unmittelbare? Nähe des Bahnhofes und des Kur garteuS eine prachtvolle Billa gebaut hat. Die Billa Kaufman i enthält ca. 25 Fremden zimmer, alle luftig und auf's feinste ausgestattet, einen sehr großen Speisesaal, Berandas und Garten und bietet den dort weilenden jüd. Kurgästen ausgezeichnete Aufnahme, sowie vorzügliche, knrgemLtze von anerkannt orthodoxen Rabbinern empfohlene Kost und Weine zu außerordentlich mäßigen Preisen. Diese Vorzüge sowie das sehr zuvorkommende Verhalten dev Besitzers und des ganzen Personals (Hausdiener zu jedem Zuge an der Bahn) dürften das jüd. Publikum zu reichlichstem Besuche dieses Etablissements veranlassen. (3852