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Der Israelit · 1897-06-24 · Heft 50 (24.6.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 50 (24.6.1897)
Date
1897-06-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ein Der Israelit Gentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. fe^munn in Hain}. Donnerstag, den 24 Jnni 5657(1807). Da mit dem 1. Juli 1897 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1897 eingetragen unter Nr. 3605. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Poftquittung) erhalten unser Blatt bis Ende Juni gratis. Leitender Artikel. Sprüche der Jäter. Sechstes Buch. XIX. Mainz, 22. Juni. loipe dk i'vvn Wer seine Stellung kennt. Die Erklärer unserer Boraitha machen hier auf den Unterschied in der Construction aufmerksam. Während die erste Hälfte der dem Studium förderlichen Eigenschaften sich an den Vordersatz anschließt, und es heißt: die Thora wird erworben durch 48 Dinge und folgende sind eö: Durch Lernen, durch Aufmerksamkeit u. s. w., wird von der fünfundzwanzigsten Eigenschaft an, der Thorajünger selbst das Subjekt, zu dem die Aussage „wird die Thora erworben von," zu ergänzen ist. Rabbi Salomo di Usado bemerkt dazu, daß im zweiten Theile der Boraitha die veränderte Form gewählt sei, weil nur äußerst wenig Menschen sich zur Höhe der dort genannten Eigenschaften erheben könnten. Und wahrlich schon bei «ipv rix Tssn der ersten Nummer der zweiten Reihe, muß wohl ein Jeder zugeben, daß diese Eigenschaft nur von einem überaus kleinen Bruchtheil des Menschengeschlecht» erworben wird. Wer seine Stellung kennt! Selbstkenntniß, wie schwer ist sie! Wie wenige Menschen verstehen e», den wahren Werth ihrer Leistungen zu schätzen, unbeirrt durch das verlockende Gerede der Schmeichler und den betäubenden Beifall einer urtheilslosen Menge. Und doch, welche Gefahr liegt besonders für den Mann der Wiffenschaft in der Überschätzung seiner Leistungen. Wie Mancher fühlt sich als Meister, der noch lange dornenvolle Jahre zu Füßen des Lehrers zu sitzen hätte! Und wie wir auch immer das wpv auffassen wollen, ob wir darin die erklommene Stufe im Wissen sehen, oder das Verhältnis zur Umgebung, die Stellung zur Gesellschaft, die Beziehung zur eigenen Vergangenheit, die Beurtheilung der Umgebung; immer werden wir denen zustimmen müssen, die da sagen, daß es äußerst schwer ist, die Fähigkeit zu dieser so unentbehrlichen Selbstbeurtheilung sich zu erwerben. Wenn man an einem schönen Frühlingsmorgen hinauswandert in Wald und Feld und in vollen Zügen die balsamische kräftigende Luft einathmel, wie stark und mächtig fühlt man sich da! Man hat das Gefühl, als könne man jetzt den Kampf aufnehmen mit der gesammten Welt. Doch die Freunde des Lenzes kommen glücklicherweise nicht in Versuchung ihre Stärke zu erproben, bald genug würden sie sonst merken, daß das Gefühl der Gesundheit sie über ihre Schwäche getäuscht. Ein ähnliches, geistiges Kraftgefühl erfüllt denjenigen, der große Gedanken in sich ausgenommen hat, die Andere vor ihm gedacht; mehr noch, wenn es ihm beschieden war, durch eigenes Denken neue Geislesschätze zu fördern. Im Vollgefühl jener hehren Freude, von welcher der Dichter singt „Aus der Wahrheit Feuerspiegel lächelt sie den Forscher an," hält der Denker sich für einen Geistesriesen, vergißt im Glückstaumel seinen Standpunkt, glaubt schon obenan auf der Leiter zu stehen, während sein Ort noch an den unteren Sprossen bei den Schwachen, Kleinen und Zwergen ist. Und je schwerer sein Studium

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