Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1897)
- Date
- 1897-06-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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•■dtt.ns.v 'M. IW '•-1*.U'llMJ*P'H* XXXTHI. Jahrgang. LeUage M M 49 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Posen, im Juni. Obwohl wie überall auch in unserer Gemeinde die religiösen Ansichten weit anseinandcrgehen und sich demnach auch die Lebensweise verschiedenartig gestaltet, so haben doch die Anhänger beider Richtungen in dieser Woche sich als eins gefühlt, nämlich in Beweisen der Hochachtung Mid Verehrung für den Rabbiner unserer Gemeinde, Herrn Dr. Feilchenfeld, aus Anlaß seines siebzigsten Geburtstages, am 15. Sivan, der zugleich mit seinem 25jährigen Amtsjubiläum gefeiert wurde. Schon einige Wochen vorher traten die Gemeindebehörden in Berathung über die Art der Feier, und welche Ehrungen dem Jubilar zu Theil werden sollen. Man hatte keine Opposition zu bekämpfen. Religiöse und neologe Mitglieder beider Körperschaften, des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung, waren darin eins, den Tag würdevoll zu begehen. Denn Herr Dr. Feilchenfeld hat es verstanden, durch die Macht seiner Persönlichkeit, seines Wortes, seiner ungehcuchelten Frömmigkeit und Ueberzeugungstreue auch den Gegnern seiner streng-religiösen Richtung die höchste Achtung abzunöthig.en und ihre Herzen zu gewinnen. Hierdurch gelang es ihm, nicht nur die alten Institutionen der Gemeinde in ihrem ganzen Umfange aufrecht zu erhalten, sondern auch manche derselben zu reorganisiren und zu erweitern. Gemeindebehörden und Rabbiner gehen daher einmüthrg Hand in feanb nnd das Wort des Rabbiners wird immer gehört, wenn er im Interesse der Religion für nöthig hält, irgend eine Einrichtung zu treffen. Doch nicht nur die Gemeindebehörden rüsteten sich, die Doppelfeier zu begehen, auch die hier bestehenden zahlreichen religiösen Vereine ließen es sich nicht nehmen, bei dieser Gelegenheit dem Herrn Rabbiner ihre Anhänglichkeit und Verehrung zu erkennen zu geben. Den Reigen der ehrenden Veranstaltungen eröffnete am vergangenen Sabbat der Kreis derer, die die allsabbatliche neapn beim Rabbiner zu besuchen pstegen. Sie verehrten ihm einen Baer'schen mrs in kostbarem Einband. Am Sonntag Nachmittag veranstaltete die Neligionsschule unter Leitung ihrer Lehrer eine Feier im Kaiter'schen Saale, zu der außer dem Herrn Rabbiner und dessen Familie auch das Kuratorium der Schule und der Gemeindevorftaud erschienen waren. Eingeleitet wurde die Feier durch einen Gesang der Mädchenklaffen. Darauf folgte die Ansprache eines Lehrers an den Rabbiner, der Vortrag eines hebräischen Gedichtes durch einen Schüler der Anstalt und alsdann die Aufführung eines von einem früheren Schüler gedichteten Festspiels durch drei Schüler. Dieses kleine Drama führte die Unterhaltung einiger früheren Schüler vor, die ihre Erinnerungen und Betrachtungen über die liebevolle und gewissenhafte Leitung der Religionsschule austauschten und mit Danksagungen und Segenswünschen für den Leiter derselben schloffen. Hieraus folgte die Aufführung des Festspiels: „Die Geburtstagsfee" und mit einem abermaligen Chorgesange der Schülerinnen und der Ueberreichung zweier stattlichen Palmen an den Herrn Rabbiner schloß die Feier, worauf der Jubilar seinen Dank und herzliche Segenswünsche für die Kinder und deren Eltern aussprach. Am Montag Abend veranstaltete die man dtph dem Rabbiner zu Ehren ein Festmahl. Sie hatten den alljährlich während der man ns* mpbe» stattfindenden dpd auf dtp zu Ehren des Rabbiners auf den Vorabend seines Geburtstages verlegt und selbstverständlich eine größere Solennität dabei entfaltet. An dem Festmahl betheiligten sich außer den vollzählig erschienenen Mitgliedern und dem Herrn Rabbiner, auch dessen aus der Ferne herbeigekommenen Söhne und die Rabbiner Herren Dr. Auerbach aus Halberstadt und Dr. Silberberg ausGraetz. Nach dem nirngebet war man o"vv, wobei der Herr Rabbiner einige Worte über den Ausspruch notor njipn ':a av sprach. Während des Mahles nahm der pn Herr Krause das Wort, brachte ein talmudischeS Thema zur Sprache und schloß daran die Ueberreichung einer von der man gestifteten Adresse an den Rabbiner. Der Text derselben war ein schwungvolles, von dem als Hebräisten bekannten Herrn Abraham Cohn, einem Mitglieds der man, verfaßtes hebräisches Gedicht, das die Verdienste des Herrn Rabbiners im Allgemeinen und für die man im Speziellen feierte. Dieses Gedicht war von Herrn Pickarerczk, ebenfalls einem Mitglieds der man, kunstvoll geschrieben, von einem geschickten Zeichner mit geschmackvollen Malereien verziert und in einem kostbaren reich verzierten Etui überreicht. Der Herr Rabbiner war freudig überrascht und dankte mit bewegten Worten. Herr Dr. Auerbach erging sich darauf in längerer Rede über den Werth des Thora- Studiums, wobei er ebenfalls den Ausspruch nnni cp ^aa rrsbn zu Grunde legte. Auch Dr. Silberberg, ein Schüler des Jubilars, nahm nun das Wort, nachdem er die Entschuldigung vorausgeschickt hatte, daß er, obwohl er als Schüler, der einem Sohne