Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1897)
- Date
- 1897-06-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 49 T*,r^«Jwlä?F?'' XXXVIII. Jahrgang. Ein Der Israelit Aentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr fe^mantt in Üttfiiuf. Montag, de« 21 Juni 5657 (1897). Da mit dent 1. Juli 1897 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1897 eingetragen unter Nr. 3605. Neu eintretende Abonnenten (Postabounenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten unser Blatt bis Ende Juni gratis. Leitender Artikel. Lin Sensationsprozeß. (Von unserem Correspondenten.) Krakau, 13. Juni. In vielen Dingen mögen Sie in Deutschland uns über sein, aber das muß uns selbst der Neid lasten: einen solchen jüdischen Cultusvorstand, wie wir hier in Krakau einen besitzen, haben Sie selbst in Berlin nicht und solche jüdische Skandalblätter, wie sie in der Hauptstadt der ehemaligen polnischen Republik gedeihen, finden sich selbst in Ihrer Reichshauptstadt nicht, auch wenn Sie die neuesten israelitischen Wochenschriften mit einbegreifen. Am 10. d. M. hat vor dem hiesigen Schwurgerichte ein Preßprozeß begonnen, der auch außerhalb des Weichbildes unserer Stadt reges Jntereste erregt. Der Prozeß dürfte erst in 2—3 Tagen zu Ende geführt werden und in gedrängten Zügen wollen wir den Anklageakt und den bisherigen Verlauf der Verhandlung wiedergeben. Das hier seit 2—3 Jahren in einem haarsträubenden Deutsch zweimal im Monat erscheinende Blättchen „Die Gerechtigkeit" überhäufte den Israel. Vorstand systematisch mit Beschimpfungen und an dem Vicepräsidenten, Hirsch Landau, ließ es förmlich kein gutes Haar. Das Präsidium wurde mittelst eines Beschlusses ermächtigt, gegen den Herausgeber und Redacteur des genannten „Gerechtigkeit" betitelten Blättchens die Klage zu überreichen, die, weil durch die Presse begangen, der Competenz einer Jury unterliegt. Die Anklage wurde von Dr. Leon H o r o w i tz, Präsident der isr. Cultusgemeinde und Dr. Seiufeld vertreten, den Angeklagten Eh. Nathan Neichenberg vertheidigt Dr. Peiper. Der Eintritt in den Gerichtssaal, der buchstäblich überfüllt ist, erfolgt gegen Karten, die Verhandlung wird natürlich in polnischer Sprache geführt. Die wesentlichen Punkte der Anklage sind: 1. Reichenberg hat in Nr. 10 seiner Halbmonatschrift, datirt 15. Mai 1896, einen Leitartikel veröffentlicht, der, in der Rückübersetzung, folgende Stelle enthält: „Möge solch ein Vorstand wieviel verleumderische Aussagen vor der k. k. Statthalterei machen, möge er es versuchen, den Redacteur dss. Blattes in den Augen der Landesbehörde auf verleumderische Weise anzuschwärzen, trotzdem sind die Tage des Vorstandes gezählt, denn er beruht nur auf Lug und Trug, diese Schwindeleien wirken korrumpirend, was wir mit Aussage achtbarer Bürger beweisen können . . 2. Daß er unterm 1. August 1896 folgende Antwort im „Briefkasten" brachte: „Sie fragen, was den Redacteur dieses Blattes eigentlich berechtigt, gegen die Betrügereien und Machinationen, die im Schooße des Vorstandes stattfinden, zu Felde zu ziehen . . .!" In späteren Nummern erscheinen noch weitere Artikel ähnlichen Inhaltes und zur Widerlegung all' dieser Verdächtigungen führt die Anklage 21 Zeugen in's Treffen. Im Laufe der Untersuchung hat sich Neichenberg zur incriminirten Artikelserie bekannt und sich anheischig gemacht, den Wahrheitsbeweis zu erbringen, was ihm nach Behauptung der Anklage nicht gelungen sein soll. Die vom Angeklagten geführten Zeugen haben der Anklage nach gar keinen