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Der Israelit · 1897-06-16 · Heft 48 (16.6.1897) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 48 (16.6.1897)
Date
1897-06-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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WWWJJI.J1 D- XXXvm Jahrgang. Erste jBrilup;u M 48 ües JtetotUr. Zeitungsnachrichten und Correfpon-enze« Deutschland. KR. Berlin, 13. Jilni. Die heutige Repräsentantensitzung der jüdischen Gemeinde wurde mit der Verlesung eines Gutachtens eröffnet, des Inhalts, daß die Synagoge in der Kaiserstraße gegen Feuersgefahr geschützt ist. Zu größerer Sicherheit jedoch beschließt die Versammlung die Verlegung der Frauentreppe durch Cassirung von 100 Männer- Ntzen und bewilligt hiefür 15,1)00 M. Zur Entsendung von Zöglingen des Neichenheim'schen Waisenhauses in die Feriencolonien werden 500 M. und für die Waisenhauscommission 600 M. genehmigt. Der Miethsvertrag für das Betlokal Beuthstraße 20 wird auf ein Jahr verlängert, desgleichen für das Betlokal unter den Lmden 44 auf Jahre, in der Luckauerstraße 15 wird ein Lokal neu gemiethet. Das Ackerland in Weißensee wird dem alten Pächter weiter überlasien. An den hohen Festtagen wird ein Jugendgottesdienst stattftnden und zwar an beiden Tagen des Neujahrsfestes am Vormittag und am Versöhnungstage Vor- und Nachmittag. Eine Agende ist bereits im Druck. Versuchsweise soll der Trausaal in der neuen Synagoge in die Wochentagssynagoge und die Wochenlagssynagoge in den Trausaal verlegt werden. — Für einen Blitzableiter auf dem Friedhofe Schönhauser-Allee werden 400 M. bewilligt, dem Religionsverein Ahabath Rtzim wird eine Subvention von 2000 M. unter der Bedingung gewährt, daß die Gemeinde das Recht hat ihm Freischüler zu überweisen. De.r Rechnungsabschluß über die diesjährige Mazzothvertheilung wird dechargirt und die Summe von ca. 1850 M. zur Centenarfeier nachbewilligt. Die Versammlung spricht sodann dem Dirigenten der 2. Religionsschule Herr Dr. A p o l a n t ihren Dank für seinen Bericht aus und bittet, daß auch die Dirigenten der arideren Religionsschulen Jahresberichte einsenden möchten. Magdeburg, im Juni. Die Lorbeeren des .Herrn Dr. Vogelstein, bei dessen Amtseinführung in Königsberg der erste Vorsteher sich damit zu brüsten wagte, daß daselbst die Orthodoxie von jeher ein unbekannter Begriff gewesen sei, scheinen den Herrn Dr. Rahmer nicht ruhen zu lassen. Der Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde versendet nämlich soeben ein Rundschreiben, worin er zum Abonnement auf ein neues Gebetbuch einlädt^ In demselben heißt es: In wenigen Monaten werden wir mit Gottes Hülfe in das durch Umbau erweiterte und verschönte Gotteshaus unfern Einzug hatten: aber die schönste Zierde desselben soll der längst ersehnte, durch Kürzung der hebräischen und Einschaltung deutscher Gebete verbesserte (sic! Red.), durch Gesang mit Orgelbegleitung veredelte (!?) Gottesdienst sein, der» nothwendigerweise ein entsprechendes neues Gebetbuch zu Grunde gelegt werden soll. Die Gemcindekörperschaften haben auf Vorschlag der mit der Prüfung und Auswahl beschäftigten Gebctbuchkommission in Uebereinstimmung mit unserem Herrn Rabbiner sich für das von Rabbiner Dr. Joel verfaßte, bereits in mehreren Auflagen erschienene und in vielen großen und mittleren Gemeinden Deutschlands eingesührte Gebetbuch entschieden, das sich allenthalben durch die zu Herzen gehende und gedankenreiche Sprache als ein vorzügliches Mittel zur Andachterweckung und Erbauung bewährt hat. Unser hiesiger Ritus, von unserm Herrn Rabbiner bearbeitet und mit mannigfachen Ergänzungen im „Anhänge" versehen, findet darin die möglichste Berücksichtigung. Wenn das Joel'sche Gebetbuch mit dem Rahmer'- schen Ritus als Anhängsel dieselbe Wirkung wie das Vogelstein'sche Opus erzielt, nämlich die, daß die Gottesfürchtigen in dem betr. Rabbinatsbezirke sich enger aneinander schließen und zu neuer Thatkraft angeregt werden, so kann uns die Einführung dieses Buches nur willkommen sein. Schade nur, daß die Anschaffung desselben citt immerhin etwas kostspieliger Luxus ist; es kostet nämlich ein Exemplar Mk. 7.25, während unsere gute alte Tefillah doch schon für einige Pfennige zu haben ist. ** Schweinfurt, 11. Juni. Anfangs des Jahres kam Herr Uri Seligstein aus Sondershausen — Mitinhaber der Getreidehandlung Seligstein in Sondershausen und Schweinfurt — in München zu dem Abgeordneten S e l l n e r, den er schon lange kannte, und bat ihn, er möge ihn bei dem Direktor des k. Hofbrauhauses vorstellen. Der Wunsch Seligsteins war, wegen Gerstenlieferungen mit dem Direktor ins Benehmen treten zu können. Bis dahin wurde vom Hofbrauhaus noch keine unterfränkische Gerste zur Bierbereitung benutzt. Sellner kannte den Direktor nicht und bat deßhalb seinen Kollegen Burger, dem Wunsche Seligsteins zu entsprechen. Burger erfüllte denn auch die Bitte feines Kollegen in der wohlgemeinten Absicht, der unterfränkischen Gerste ein neues Absatzgebiet zu verschaffen. In der That gelang es der Firma Seligstem, von dem Direktorium des Hofbräuhauses die Lieferung einer größeren Quantität Gerste übertragen zu erhalten, — welcher Auftrag sorgfältig ausgeführt fein soll. Die Thal Burgers erregte nach ihrem Bekanntwerden den ganzen Haß der antisemitischen und bauernbündlerischen Presse (Thüngen'scher Richtung). Zunächst wurde Burger, der bekanntlich der Centrumspartei und dem christlichen Bauernverein angehört, in der „Würzburger Landeszeitung", deren Redakteur Anton Memminger gegenwärtig die mit Antisemitismus durchsetzte bauernbündlensche Richtung Thüngens vertritt, unter

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