Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 48 (16.6.1897)
- Date
- 1897-06-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXYIII, Jahrgang. M 4S, Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von Dr in Mainz Mittwoch, de« 16. Juni 5657 (1867). Abonnements für die Sommerfrische. Wir liefern nach jeder uns aufzugebenden Adresse in Deutschland und Oesterreich den „Israelit" für 14 Tage Mt 0.60, „ 4 Wochen * 1.20, » « - * 180 gegen vorherige Einsendung des Betrages in Briefmarken. Nach dem AuSlande entsprechend höher. Postabonuenten wollen ev. Ueberweisung nach einem anderen Ort bei ihrem dortigen Postamt veranlassen- Dir Gtpeüilio» des Israrlil. Sprüche der Jäter. Sechstes Buch. xvin. Mainz, 15. Juni. Die Thora wird erworben durch o"osn nmv. Wir gelangen zur Kenntniß des heiligen Gesetzes, wir werden es nur dann vollkommen und richtig bethätigen können, wenn wir Vertrauen schenken denjenigen Männern, die uits als Lehrer persönlich gegenüberstehen. und denen vor Allem, die unser ganzes Volk als seine Weisen und Lehrer verehrt. Das Vertrauen, welches wir den Uebermittlern des Gesetzes schenken, soll ein zweifaches sein. Vertrauen gegenüber ihren persönlichen Eigenschaften, ihrer Charakterfestigkeit, ihrer Unbestechlichkeit und Tilgend, Vertrauen wiederunl in ihre Fähigkeiten, in ihr Wissen, ihre Verstandesschärfe und Urteilskraft. Wer die Worte der Thora in sich aufnehmen will, wer sich bemüht, dieselben richtig zu erfassen, der hat seinen ganzen Geist dazu nöthig. Die Nacht ist zum Lernen geschaffen, sagen unsere Weisen. Schon das Geräusch und die unvermeidlichen Sorgen des Lebens am Tage, stören den Jünger der Thora. Wie erst, wemr er befangen dem Lehrer gegenübersteht, bei jedem Worte des Meisters sich fragt, ob derselbe bei seinen Mittheilungen keine Hintergedanken habe, ob er nicht seinen eigenen Neigungen und Wünschen zu liebe diesem oder jenem Satz eine veränderte, falsche Prägung gebe. Und kann der Schüler Früchte bei seinen Studien sehen, der sich selbst mehr Geist und Urtheil, als seinem Lehrer zuspricht, der, bevor er noch das Wort des Lehrers richtig vernommen und verstanden hat, sich fragt, ob es denn das Wahre und Richtige ist, was er da hört; ob der Vortragende nicht zu beschränkt, zu urtheilslos ist, um das, was er selbst einst vernommen, unverändert und ungeschmälert wiederzugeben? Es ist kein Zweifel, daß hier von allen Seiten die gleichlautende Antwort gegeben wird: Unbegrenztes Vertrauen zunr Rabbi, fester Glaube an seine Redlichkeit und sein Wiffen, ist für den unentbehrlich, der zu seinen Füßen sitzt, und der die Stunden des Hörens und Lernens nicht umsonst verbracht haben will. Welche Antwort jedoch erhalten wir, wenn wir nach der Emunah fragen, nach dem allseitigen Vertrauen, das wir unseren alten Lehrern schenken sollen, den Chachamim der Mischna und Gemara, den Gaonen und allen jenen großen Männern des Mittelalters und der Neuzeit, welche die unverletzte Thora durch ihr Wort und ihre Einrichtungen auf unsere Tage hinübergerettet haben? O, da werden gar Viele, selbst von denen, die sich eine Führerrolle in Israel anmaßen, nur ein höhnisches Lächeln haben. Bei Manchen wird die Verlegenheit des Zweiflers, die Unsicherheit desjenigen, der sich noch nicht recht geprüft, die Antwort ersticken. Wenige nur, so traurig es klingt, in unseren Gegenden besonders, werden wir nur von Wenigen die richtige Antwort erhalten.* In erster Linie ist mit vn-n nrett die vüdffaltloU Anerkennung jener großen Männer gemeint, die bis