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Der Israelit · 1897-06-10 · Heft 46 (10.6.1897) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 46 (10.6.1897)
Date
1897-06-10
Page
– (sequence 20)
Language
German
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904 1 Streichung so vieler jüdischen Wähler aus den Wählerlisten von Algier und Oran bereitet habe. Er dürfte von diesem Lobe nicht sonderlich erbaut gewesen sein, aber er hat es durch seine antijüdischen Maßregeln reichlich verdient. Abyssinien. J. Massauah. Berichte aus der arabischen Hafenstadt Hodeida melden, daß sich mehrere jüdische Kaufleute aus dem Deinen über Aschab nach Adis Abeba, der heutigen Hauptstadt Abyssiniens, begeben haben, um sich dort dem Negus Menelik vorzustellen und von ihm die Erlaubniß zu erbitten, sich in seinem Reiche niederlassen nnd seßhaft machen zu dürfen. Bisher lebten bekanntlich keine Juden in Abyssinien, denn die Falaschas, die sich dort befinden, sind doch eigentlich nur Halbchristen und unterscheiden sich bloß dadurch von den übrigen Abyssiniern, daß sie etwas mehr als diese vom Judenthume angenommen haben. Die Falaschas kennen auch die Propheten und den Talmud nicht und verstehen nicht einmal Hebräisch. Die Bibel besitzen sie in der Landessprache und in dieser verrichten sie auch ihre Gebete. Die arabischen Juden nun wollen dem Negus zugleich eine Denkschrift in ihrer Muttersprache überreichen, in der sie darauf Hinweisen, daß dieser Monarch doch selbst sich rühmt, vom Könige Salomo und der Königin (Bilkis) von Sabah abzustammen. Das Reich dieser Fürstin befand sich bekanntlich in der noch heute gewürzreichen Provinz Deinen. Menelik dürfte daher gegen die Ansiedelung von Leuten in seinem Reiche, die theils Glaubensbrüder des Königs Salomon, theils Landsleute der Königin von Sabah sind, nichts einzuwenden haben. Diese Juden wollen sich nun vor Allem in der handelsreichen Stadt Harrar, dann in der schon genannten Residenzstadt Adis Abeba, die seit einigen Jahren einen täglich größeren Aufschwung nimmt und dann in einer am Nile gelegenen abyssinischen Stadt ansiedeln. Sie wollen sich deßhalb an diesem Flufle ansiedeln, weil sie hoffen, daß nach der bevorstehenden Zertrümmerung des Mahdisten» reiches und der Zurückeroberung des Sudans durch die Engländer, sich ein recht lebhafter Verkehr zwischen diesem Flufle und dem Kongo, dem größten Strome Südafrikas, entwickeln werde. Sollte jedoch Menelik das Gesuch dieser Juden nicht bewilligen, dann wollen sie sich in einigen den Europäern gehörenden abyssinischen Hafenstädten, als: Zeilah, Berberah rc. ansiedeln. > Wersonalien. -f Montabaur, 1. Juni. Heute haben wir einen Mann zu Grabe getragen, dessen Tod eine gewaltige Lücke in seine Gemeinde Mogendorf und in deren ganze Umgegend gerissen hat, nämlich den sel. Herrn Jsaac Hirsch Schloß, den Bruder des hiesigen Vorstehers Herrn G. Schloß. In dem großen Kreise der Freunde des Dahingeschiedenen wird diese Trauerbotschaft innige Theilnahme erregen. Denn Herr I. H. Schloß sel. war ein ■w pnar, ein bm onan im ,vw im wahren Sinne des Wortes. Am 30. Mai beschloß er nach sehr kurzem Leiden im 61. Lebensjahre seine irdische Laufbahn zum großen Schmerze der Seinigen, zum Leidwesen seiner Gemeinde Mogendorf, zum allgemeinen Bedauern seiner zahlreichen Bekannten, Verwandten und Freunde. Und wohl mit Recht trauern sie alle um ihn. Denn die herrlichsten Eigenschaften zeichneten ihn aus; Liebe und Gerechtigkeit, Offenheit und Ehrlichkeit, verbunden mit wahrer Frömmigkeit, waren die Grundzüge seines Charakters. Erfüllt von der Liebe zur naivw min gab er sich um deren Verständniß die größte Mühe und übte alle niste mit Freude, Innigkeit und Hingebung. Dabei wahrte er 'n üv rsh im wahren Sinne; denn nichts lag ihm ferner als Ehrsucht und Scheinheiligkeit. Ebenso war er auch als Wohlthäter den Armen gegenüber bekannt. Besonders groß aber war er als ne» ivn n^os bjn; denn es gab in unserer ganzen Gegend keine einzige Beerdigung, an der er nicht theilnahm, keine einzige mrrc, bei der er nicht mitwirkte. Aus Bescheidenheit hat sich der Dahingeschiedeue jede Grabrede verbeten. Eine unabsehbare Menge aus Nah' und Fern' folgte seiner Bahre, um dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Möge der Allbarmherzige der so schwer betroffenen Wittwe und ihren Kindern, den Geschwistern und Verwandten des Dahingeschiedenen beistehen, daß sie sich trösten über den schweren Verlust, der sie betroffen hat. Sein Andenken wird fortleben und hoch in Ehren gehalten werden von Allen, die ihn kannten. — Er ruhe in Frieden! 8. W. Vermischtes. Alts Bayer«. In dem kleinen, an der bäuerischen Grenze gelegenen Städtchen Zindersbach, bestand seit undenklichen Zeiten eine kleine, aber durch die hervorragendsten jüdischen Tugenden ihrer Mitglieder ausgezeichnete Gemeinde. In Thauro, Awaudo und Gemilus chasodim verdiente diese kleine Gemeinde als Muster für alle umliegenden Gemeinden zu gelten. Allmählich aber sind die jüdischen Bewohner dieses Ortes nach Brückenau, einem in der Nähe befindlichen Badeort, verzogen. Dadurch hat sich die treffliche Gemeinde, die in weiten Kreisen wegen ihres jüdischen Sinnes bekannt war, aufgelöst. Es steht nun zu erwarten, daß die einstigen Mitglieder der.-ir^np rDnp Zindersbach auch in ihrer neuen Heimath die altjüdische Glaubensbegeisterung nnd die eifrige Pflege von Thauro, Tfilo und Zdoko, wie auch ihre sonstigen nachahmungswerthen Sitten bewahren, nach dem Ausspruche unserer Weisen, n?lJ minn nN pW OTW ü'pns cnoy.

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