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Der Israelit · 1897-06-10 · Heft 46 (10.6.1897) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 46 (10.6.1897)
Date
1897-06-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXTIH, Jahrgang. Zweite Beilage zu M 46 des „Israelit". Leitender Artikel. Die Änzaßt der allen Keöräer. Wieviel Hebräer gibt es? Dies ist die Frage, die sich stellt und die auch zu beantworten sucht Professor Gantano Ferroylio, ordentlicher Docent der Statistik am Turiner Athenäum. Die Lectüre dieses Studiums, das sich im Aprilheft der „Reforme Sociale", die eine kostbare Fundgrube für statistische, ökonomische und soziologische Daten über das heutige sociale Leben in allen civilisirten Ländern ist, vorfindet, erweckt lebhaftes Interesse. Und das Interesse dieser Forschungen des Professors Ferroglio ist desto größer, weil heute über einen Theil unserer Gesellschaft ein neuer und heftiger Hauch des Antisemitismus weht, von dem man die Resultate erst jüngsthin bei den Wahlen in Oesterreich gesehen hat; ein Antisemitismus, dem sich nicht einmal Italien gänzlich entzieht, wo dieses anachronistische Gefühl genährt wird, nicht blos wie anderswo, von ökonomischen Ursachen allein, sondern von einer wirklichen und eigenthümlichen confesfionellen Propaganda, die wieder die katholische Jntransigenz zur Basis hat. Wie viel Hebräer giebt es? Bevor er den gegenwärtigen Betrag der israelitischen Bevölkerung angiebt, forscht Ferroglio nach, welches war die Anzahl der Hebräer in der alten Zeit, in der Epoche ihrer größten Macht. Diese Untersuchung ist interessant vom demographischen Gesichtspunkte aus und liefert zugleich das Kriterium, um die Expensionskraft einer Rasse zu ermessen, welche, weil sie sich keine fremde Elemente assimilirt hat, weder die numerische Stärke, noch den moralischen Einfluß anderer mehr assimilirenden Völker erreichte, obgleich diese nicht so alt waren, wie das hebräische Volk. Dieser Vergleich wird möglich in seinen allgemeinen Linien, weil das hebräische Volk seit seinem Urbeginne viel Bedeutung dem „Zählen" beilegte, das bald sich auf das ganze Volk erstreckte, bald wieder aus speciellen Motiven auf gewisse bestimmte Kategorien von Personen beschränkt war und wurde überdies (das Zählen) zur Grundlage bei der Verkeilung des Landes genommen, da dessen Ausdehnung verhältnißmäßig von der Anzahl der Personen, dem es zugetheilt ward, abhing. Wir veröffentlichen jetzt blos diesen Theil der Forschungen des Prof. Ferroglio und behalten uns vor, in einer nächsten Nummer das Resultat seiner statistischen Studien über die Juden von heute zu bringen. Das jüdische Volk, obwohl sein Charakter von dem der Römer sehr verschieden war, kannte doch wie dieses die Wichtigkeit des Census. Dieses Volk, das unendliche Schwierigkeiten und große Kämpfe zu besiegen hatte, erreichte es dennoch, Länder zu erobern, die ihm bestimmt waren, und es gelang ihm stets, jedes fremde Element zu eliminiren, da es sich weder mit den Völkern vermengte, die es besiegt hatte, noch mit jenen, von denen es besiegt wurde, es fühlte oft das Bedürfniß die Zahl zu kennen, auf die es sich belief, und besonders jene der streitbaren Männer, die es dem Feinde entgegenstellen konnte. Schon in der Bibel finden wir solche Zählungen erwähnt, deren Resultate in besonderen Registern niedergelegt wurden. In ihrem Steuersysteme war vom mosaischen Gesetze eine eigene Steuer für jede männliche Person, welche das Alter von zwanzig Jahren hatte, die das Alter repräsentirte, in dem die Zählung stattfand, festgesetzt. Sollen wir nun unter diesen Zählungen eine auswählen, die uns am nächsten die vollständige Anzahl des hebräischen Volkes in einer Epoche seiner größten Ausdehnung angiebt, da müssen wir uns an jene halten, die unter David und zwar gegen das Ende seiner glorreichen Regierung, die vierzig Jahre andauerte, und die mit jener seines Sohnes Salomo den Culminationspunkt der althebräischen Geschichte bildet, stattfand. Das Resultat der unter David vorgenommenen Zählung wird von der Bibel in zwei verschiedenen Texten wiedergegeben. Der erste derselben befindet sich in Capitel XXIV des zweiten Buches Samuel und der zweite in Capitel XXI des ersten Buches der Chroniken. Auffallenderweise stimmen diese zwei Texte nicht mit einander überein. Jndeß giebt das Buch Samuel den Vorgang beim Census mit größeren Details wieder, als das Buch der Chroniken. Mit der Vornahme dieses Census wurde Joab sammt einigen Feldherren betraut. Ihre Aufgabe war es zu zählen, wieviel Männer tauglich waren das Schwert zu ziehen, sowohl im Königreiche Israel, als auch im Königreiche Juda. Nach dem Texte von Samuel war das Resultat, das Joab dem Könige David überbrachte, daß es in Israel 800,000, und in Juda wieder 500,000 waffenfähige Männer gab. Ferroglio nun, um aus diesen Ziffern die vollständige Anzahl des hebräischen Volkes zu deduciren, muthmaßt, daß unter den waffenfähigen Männern jene inbegriffen sind, die zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahre standen. Die Altersgruppen nun, d'e sich zwischen 20 und 50 Jahren befinden, bilden im Durchschnitt 40°/0 der Bevölkerung. Auch muß man nach den Lehren der Demographie stets beachten, daß beide Geschlechter sich immer das Gleichgewicht halten.

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