Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 46 (10.6.1897)
- Date
- 1897-06-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448748--44024-2493100- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XXXVIII. Jahrgang. Erste gelingr;u M 46 ües „Israelit“. leitender Artikel. ♦□'«DD"! rrsty Eine wi'senschaftliche Abhandlung von I. Guggenheim, Rabbiner in Saarunion. Eine Systematik -er Vögel im Talmnd. — Bestimmnng -er biblisch unreinen Vögel nach derselben Ich gestalte mir hiermit einen Versuch einer Bearbeitung der biblisch unreinen Vögel nach dem heutigen Standpunkt der Ornithologie vorzulegen. — Von vornherein war meine Absicht nur, nach talmudischen Quellen eine Studie zu verfertigen, mittelst welcher es möglich wäre, die Richtuckeit der gebräuchlichsten Uebersetzungen der Vogelnamen in der Bibel zu prüfen. — Ein weitergehendes Resultat zu erhoffen, schien mir zu gewagt. — Doch unerwartet ergaben sich die Namen einer großen Anzahl noch unbekannter Vögel von selbst. Durch die überraschenden Verhältnisse, besonders durch die deutlich in die Erscheinung tretende Uebereinstimmung der talmudischen Result ite mit den angeführten Vogelnamen der Septuaginta — — in letzterer läßt die Reihenfolge zu wünschen-fand ich mich veranlaßt, in so weit die mir dargebotenen Hilfsmittel reichen, meine Arbeit aus die Bestimmung der Gesammtvögel der Bibel zu erstrecken. Ich wünsche durchaus nicht diese Arbeit und deren Resultate in Allem als allein maßgebend und entscheidend anerkannt zu sehen. — Schon der talmudische Theil mit seinen zahlreichen Commentatoren in der gelehrten Welt unter dem Namen *nw bekannt, bietet bekanntlich ungemeine Schwierigkeiten. Bedeutend größer sind die Hindernisse, welche die in vielen ihrer Theile noch ungeordnete Vogelkunde durch Anhäufung und Durcheinanderwerfen ihres Stoffes bietet. — Zur richtigen und erschöpfenden Behandlung dieser Materie bedarf es vor allem einer genauenKermtnißderLebensweiseund Ernährungsart eines jeden Vogels, wenn auch nur der alten Welt, sowie des Zusammentragens gewisser anatomischer Merkmale, die bei vielen Vögeln noch unzureichend nngegeben sind oder mir unzugänglich waren. Endlich hat die systemathische Eintheilung von Cuvier bis Fürbringer und Brehm, viele Verschiebungen und Veränderungen in Bezug auf Gattung und Art erfahren, so daß man bis heute noch zu keiner festen Grundlage gelangte und dieses besonders war für mich erschwerend und hindernd. Unter diesen Umständen wird man cs begreifen, daß ich diese Arbeit noch nicht als eine abgeschloffene, fertige vorlege, vielmehr dieselbe als eine Basis betrachte, von der aus Andere um so leichter weiter bauen werden. Es wird allgemein angenommen, daß von Aristoteles und einigen fehlgeschlagenen Versuchen der beiden letzten Jahrhunderte abgesehen, Linnaeus der erste war, welcher nach bestimmten Merkmalen, die Thier- und Vogelweit, in Gruppen theilte. Doch weit entfernt. — Die Bibel schon, beim Aufstellen ihrer Gruppen, noch viel mehr bei der Eintheilung derselben in Reine und Unreine, weist uns, indem sie nach bestimmten Merkmalen verfährt, auf eine wiffenschaftlich sehr werthvolle Systematik hin. Der Talmud, diesem Muster nachfolgend, fügt bei jeder einzelnen Gruppe weitere spezielle Merkmale zur Bestimmung der Art, ob rein oder unrein, hinzu. Die Säugethiere, Fische, Heuschrecken, Vögel, Eier u. s. w. werden nach gewissen Merkmalen in Gruppen gesondert. — Der Zweck ist die Reinheitbestimmung, doch verlieren dadurch diese Eintheilungen nichts von ihrem wiffenschaftlichen Werth. — So wäre es z. B. heute noch möglich, an der Hand der sehr genauen talmudischen Aufstellung ihrer Merkmale und der sich streng der Natur anschließenden Behandlung, die biblisch reinen Heuschreckenarten mit Hilfe von guten Abbildungen, aufs genaueste zu bestimmen. Zu der talmudischen Systematik der Vögel übergehend, gestatte ich mir jetzt schon auf deren Vorzüglichkeit und ungemein hohe Bedeutung hinzuweisen. — Eines der interessantesten wiffenschaftlichen Kunstwerke ist die hierbei aufgeführte Boraitha, anw b'kob mett ro>3*iKi (Chulin 6;b), welche in genau vier talmudische Zeilen die 20 biblisch unreinen Vögel anführt und ordnungsmäßig bestimmt, und so unseren Blick auf das Großartige dieses Systems lenkt, welches mit bewundernswerther Kürze eine leichte Faßlichkeit und eine absolute Sicherheit verb.ndet. — Mit welchem Scharfsinn der Talmud diejenigen Vogeltheile herausfinoet, welche die auffallendsten Abweichungen aufweisen und wie mit Hilfe dieser Charaktere, ein kunstvolles Gebäude entsteht, wird sich später zeigen. — Von den modernen Systemen waren die ersten zu schablonenhaft autzgearbeitel, man trachtete darnach, von nur einem oder zwei Vogeltheilen ausgehend jeden Vogel hineinzupaffen. Das neueste System, das von Fürbringer, ist zu unklar, es ist ermüdend all seinen maßgebenden Faktoren nachzufolgen. Von diesen beiden Nachtheilen ist das talmudische System frei, doch scheint es, in Bezug der Vogeleintheilung, oft zu denselben Resultaten zu gelangen, wie dasjenige Fürbringers. Mit Leichtigkeit kann das talmudische System