Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 46 (10.6.1897)
- Date
- 1897-06-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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MXTiq Jahrgang. JK 40. Der Israeli!" Ein Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum Begründet von Dr. fefrmann in fttainj* Donnerstag, den 10. Juni 5657 (1607). Abonnements für die Sommerfrische. Wir liefern «ach jeder««- aufzugebenden Adresse in Deutschland und Oesterreich den „Israelit" für 14 Tage Mk 0.60, » 4 Woche« » 1 SO, r 6 » * 1.80 gegen vorherige Einsendung des Betrages in Briefmarke». Rach dem Auslande entsprechend höher. Postabonnenten wollen ev. Ueberweisung nach einem anderen Ort bei ihrem dortigen Postamt veranlasse» Die ErpedULon des Israelit. Leitender Artikel. „L'Antis6mitisme.“ Herr Jules Guerin, Generalbevollmächtiger der französischen Antisenliten-Liga hat in Verfolg einer Vorlesung, welche er im katholischen Institut zu Paris über den Antisemitismus gehalten, eine öffentliche Aufforderung an Herrn Anatole Leroy-Beaulieu gerichtet, in welcher er diesen einlud, an demselben Orte über denselben Gegenstand einen Entgegnungsvortrag (Conference contradictoire) zu halten. Der Akademiker und Geschichtsprofessor an der 6cole libre des Sciences politiques Anatole Leroy- Beaulieu (ein Bruder des berühmten Volkswirthes Paul Leroy-Beaulieu) gehört zu den hervorragendsten Schriftstellern Frankreichs und steht als Gelehrter wie als Politiker in gleich hohem Ansehen. Er hat große Reisen im Orient und in Rußland gemacht und speziell über das Czarenreich einige sehr werthvolle Werke veröffentlicht. Seine Bücher bekunden, daß er durch tiefes Studium und scharfe Beobachtung zu einem gereiften und geläuterten Urtheile über Völker und Nationen gelangt ist und alle die Probleme, die unsere Zeit bewegen, aus ihrer geschichtlichen Entwicklung heraus und in ihrem wahren Wesen zu erfassen weiß. Seitdem die antisemitische Seuche auch Frankreich ergriffen hat, gehört Anatole Leroy-Beaulieu zu den muthigften Bekämpfern dieser häßlichen, der grande nation wahrlich am allerwenigsten würdigen Bewegung. Als Christ, als Franzose, als Gelehrter verurtheilt er in gleicher Weise die ebenso ungerechte, wie unwürdige Hetze. Unsere Leser erinnern sich vielleicht noch seiner vor einigen Jahren erschienenen Streitschrift „Israel chez les nations", welche damals im „Israelit" ausführlich gewürdigt war. Wie jenes Buch ein auf wahrhaft wissenschaftlicher Grundlage aufgebautes, von echt christlichem Geiste durchwehtes Plaidoyer gegen die unsinnige Verfolgung des jüdischen Stammes gewesen, so war auch der Entgegnungsvortrag, welchen Leroy-Beaulieu, der Einladung folgend, am 27. Februar l. I. im katholischen Institut gehalten, eine überaus geistvolle Gruppirung von Argumenten, aus der Geschichte, aus der unverfälschten Religionsidee und aus der unbefangenen Beobachtung der wirthschaftlichen Kämpfe der Völker geholt.*) Leroy-Beaulieu prüft die antisemitische Bewegung aus drei Gesichtspunkten: aus religiösem, nationalem und wirtschaftlichem Gesichtspunkte. Er gibt zunächst zu, daß ein Theil der Beschwerden der französischen Antisemiten begründet sei. Wenn diese beispielsweise die Unduldsamkeit gewisser Freidenker bekämpfen, welche an die Stelle der ehemaligen Staatsreligionen eine Art Staats-Irreligiosität setzen wollen, so sind sie in ihrem Recht. Weiter billigt er ihren Feldzug gegen den Kosmopolitismus, Internationalismus, gegen die Uebermacht des Geldes, gegen die finanzielle und parlamentarische Korruption. Er selbst hat diese Auswüchse oft genug in Wort und Schrift bekämpft. Der Unterschied *j Der Vortrag ist im Verlage von Calmann Leoy in Paris im Druck erschienen. Das Buch führt den Titel „I/avtisßwitiswe» und kostet nur einen Franc.