Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 44-45 (3.6.1897)
- Date
- 1897-06-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XtlTlII. Jahr««,». M 44 & 45 Ein Der Israelit Aenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudentbum. Begründet von Dr. fe^tnantt in mtaitt}. Donnerstag, den 3 Juni 5657(1897). **' L»«."iiLL'A!L. S.» ÄS!“ *'• Leitender Artikel. JUT ifire Wfabe find Arleden -! Fefibrtrachtung von Rabbiner Dr. A. Ackermann, Brandenburg a. H. In der Geschichte Israels, wie in dem großen Entwickelungsgange der Menschheit giebt es kaum einen Monat, der an Erhabenheit und Tragweite demjenigen gleichkäme, dessen Gedächtniß wir in diesen Schabuoth-Tagen festlich begehen. Kein Ereigniß hat denn auch die jüdischen Sänger und Propheten zu so begeisterten Schilderungen hingerissen, wie jenes, da der Ewige sich herabließ, auf dem Sinai und unter Donner und Blitz aus dem Feuer sprach, um kund zu thun Seinen heiligen Willen und vor aller Welt die Tiefen der Weisheit und Wahrheit zu offenbaren. rmsr vpvm irh*» wirr» h bp „Die Stimme des Herrn macht die Eichen erzittern, entblättert die Wälder, und in seinem Weltentempel kündet alles den einen, erhabenen Laut: um „Herrlichkeit!" Alljährlich stehen wir im Geiste am Fuße des Sinai und sind Zeugen des weltgeschichtlichen Schauspiels, und aus der Begeisterung, die von der Betrachtung dieses Bildes auch uns, dem späteren Geschlecht, in die Herzen strömt, aus den stillen Schauern, die bei diesem Gedächtniß unser Inneres erbeben machen, erhebt sich uns erst die wahre Festesftinlmung, in der wir mit all' unserem Wiffen und Forschen so klein, so gering erscheinen neben der Allweisheit des Wellenherrn, in der wir aber auch stolz und aufrecht einherwandeln ob des einzigen Reichthums, der uns zu Theil geworden, der Lehre vom Sinai! Ja, noch mehrt Wir leben nicht nur den erhabenen Moment der Offenbarung mit, sondern — ein Beweis, daß die Menschennatur sich ewig gleichbleibt — es malt sich in unserem Leben auch jenes Bild der Vorbereitung ab, welches in aller Zeit dem Schauspiel der Offenbarung voranging, und wie jenes Israel, das vor Gottes Antlitz stand, nicht mit einem Schlage fähig und würdig war, Empfänger und Träger der Gotteslehre zu werden, so zeigt es sich auch in dem modernen Israel, daß es nicht immer und nicht überall sich als Bewahrer des Gotteswortes geöerdet, sondern gar oft seinen Beruf vergessen hat. Zu dem Verse: prn nmoi ’j'D i2iv inim d^tdib uw im na dp „Sie zogen fort von Rephidim, kamen in die Wüste Sinai und lagerten in der Wüste, und es lagerte daselbst Israel gegenüber dem Berge", fragten schon unsere Alten, weshalb die Zeitwörter in der ersten Hälfte des Verses in der Mehrzahl stehen, während in der zweiten Hälfte, fnu, die Einzahl gebraucht ist. Die Antwort, die sie auf diese Frage ertheilen, es sei dadurch angedeutet, daß Israel, so lange es ferne vom Gottesberg, in der Wüste des Abfalls lagert, ein Bild der Zerklüftung biete, sobald es sich aber am Fuße des Sinai zusammenfinde, wie ein Mann zu halten habe, wie wahr und wie treffend erscheint sie uns auch heute, wenn wir unser Israel betrachten! Ein trauriges Vorspiel hatte die große Thal der Offenbarung eingeleitet. Das Volk war erlöst aus den Banden der egyptischen Knechtschaft, des Ewigen Hand hatte Großes an ihm vollbracht, und im ersten Vollgefühl des überströmenden Dankes hatte es an den Ufern des Schilfmeeres einen brausenden Jubelgesang zu dem allmächtigen Reiter emporgesungen. Aber ach! Schon am 15. Tag des zweiten