Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1897)
- Date
- 1897-05-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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7S6 len ernannten Herrn Theodor Roosevelt, der Anwalt Frank Moß ernannt. Moß wurde 1860 in Putnam, New-Iork, als Sohn jüdischer Eltern geboren und war als Advocat sehr bekannt, aber wenig beliebt. Aus Stockholm schreibt man, anknüpfend an diese Notiz: Es wird wohl von Interesse sein zu hören, daß in Stockholm Herr Gemmy Rubenson (ein Jude) schon seit 1876 das Amt eines Polizeipräsidenten bekleidet, nachdem er schon mehrere Jahre vorher den Posten eines Polizei Intendanten bekleidet, und schmückt seine Brust eine große Anzahl in- und ausländischer Orden (darunter auch preußische und andere deutsche Orden). An höchster Stelle ist er persona 8 rata. P a l ä st i n a.?? Sana in Jemen. Die Nachricht, daß unser erlauchter Herrscher, der Khalff Abdul Hamid, sich gezwungen gesehen habe, den Griechen den Krieg zu erklären, hat auch den Patriotismus der In en Jemens angefacht, und sie beeilten sich eine Subscrip-. lion unter sich zu eröffnen, die, wenn auch kein glänzendes — unter den Juden unserer Provinz ist die Armuth sehr verbreitet — so doch ein schönes Resultat ergab. In unserer Gemeinde wird schon längst der Wunsch gehegt, es möge im hiesigen Judenoiertel eine Apotheke (Attarijeh) errichtet werden und zwar von einem Jehudi. Leider hat sich bisher noch kein junger Israelit hier gesunden, der geneigt wäre, nach Konstantinopel oder Bombay zu gehen, um sich dort dem Studium der Pharmacie zu widmen. Auch an einem gehörig promovirten jüdischen Arzt mangelt es immer noch hier. MMtzkilkngk» aus dr» M. ArmMnine» mö fflt dikseldku. (Sürnmtliche jüd. Wandervettelvereine und Kassen für Durchreisende find gebeten, uns Mittheilungen üder Erfahrungen die fie ans dem «ediete ihrer Thütigteit machen, znkommen zu »affen ) Ernsbach, 26. Mai. Die verehrl Vorstände der Vereine für Unterstützung durchreisender Israeliten werden vor einem gewissen Jakob Stein derg aus Kölno gewarnt, da derselbe auch um er dem Flamen Gimpel Kulaska aus Stawiski umherzieht. Derselbe ist 60 Jahre alt und hat rothen Vollbart. Lehrer Rosenberger. vermischtes. Insterburg, 16. Mai. Manschreibt uns: Ich hatte heute Gelegenheit mit einem alten, sehr bewährten Thierarzt zu sprechen. Er sagte mir, daß die Tuberkulose (Lungenschwindsucht) unter den Rindern in den letzten 10 bis 20 Jahren, wohl wegen der Kreuzung mit den» Holländer Vieh in erschreckender Weis« zugenommen hat. Wollten die öffentlichen Schlachthäuser jedes tuberkulöse Thier als ungenießbar zurückweiseu, daun würde die deutsche Landwirthschast ungemein leiden. Daher haben die Eentralbehörden nachgegeben, daß in gewissen Fällen mit Tuberkelgeschwüren behaftete Theile vernichtet werden, im übrigen aber das Thier in den Censum übergehen darf. .Ihre Beamten," so sagte mir der Thierarzt, „würden nach den bestehenden religiösen Vorschriften solche Thiere ganz verwerfen, mithin bietet Ihre jüdische Eontrolle in diesem Falle mehr Garantie für Leben und Gesundheit." Ich theile Ihnen diese? Gespräch mit, wünschend, daß Ihre und andere jüdische Zeitungen davon gebührend Kenntniß nehmen. Anawrazlaw, 21. Mai. Herr Dr. Louis Lewin, seither Rabbiner des hiesigen Beth Hamidrasch und Schüler des Berliner Rabbiner-Seminars, wurde zum Rabbiner der Gemeinde Pinne gewählt. SFeuiUtiott. Getreu bis in den Tod. 26) Von Maurice Ma?on In meinem Zimmer fand ich den Oheim. „Du lvarst bei ihr, bei der Treulosen, mein Sohn?" sragie er mich tonlos. „Es war Alles vergebens? Das hätte ich Dir im Voraus sagen können. Ich flehte sie heute fußfällig an, diese wahnsinnige Liebe aus ihrem Herzen zu reißen, ich drohte ihr mit meinem Fluche, mit Enterbung, wenn sie ihrer Religion treulos würde, aber Alles, Alles war vergebens!" Er brach in ein lautes Schluchzen aus und raufte sich das Haar. „Ach, mein Gott, und daran bin ich und meine Verblendung schuld! . . . ach, wäre ich doch niemals reich geworden. . . . Der Ehrgeiz hätte nie die Herrschaft über mich gewonnen. . . . mein Leben wäre wenigstens von dieser Sünde frei. . . ich hätte nicht nöthig, mein eigen Fleisch und Blut, mein einziges Kind zu verleugnen, zu verstoßen. . . . Heute soll ihre Taufe stattfinden . . in wenigen Stunden wird sie sich von der Religion ihrer Ellern lossagen. Nein, nein!" schrie er wild auf, „ich will, ich werde es nicht dulden! Mein Fluch soll sie geleiten auf diesem Sündenwege . . . Lieber dort todt zu meinen Füßen ... Ach Gott, mein Gott, stehe mir bei — ich will —" Er vollendete den Satz nicht, er ballte die Fäuste und wollte das Zimmer verlassen, aber mit lautem Schmerzensruf sank er zur Erde. Entsetzt stürzte ich auf ihn zu, um ihm emporzuhelfen, er wollte reden, vermochte es jedoch nicht mehr. Er fuhr mit den geballten Händen durch die Luft und schlug wild um sich, als ob er etwas abwehren wollte. Blutrother Schaum trat ihm auf die Lippen, noch einmal stieß er einen jähen, markerschütternden Schrei aus, dann sank er leblos in meine Arme zurück. Der Schrei war gehört worden, und ein Diener stürzte ins Zimmer, der mir half, den Leb-