Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 42 (26.5.1897)
- Date
- 1897-05-26
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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789 noch von unserem früheren, jetzt entlassenen Boten vorgezeigt. Aus unsere abermalige Beschwerde beim Verbands- und Kassenvorftande wurden diese Formulare zwar in etwas rektificirt, jedoch konnte man aus einem hier verbreiteten Circular aus Essen erst recht die Kampfesstimmung des Essener Vorsitzenden erkennen. Als derselbe nun veranlaßt worden war, hierher zu reisen, und auf das Betrübende dieser Vorgänge aufmerksam gemacht wurde, ließ sich Herr Graf sogar zu persönlichen Beleidigungen einiger Vorstandsmitglieder unseres Vereins hinreißen. Selbst dadurch ließ unser Vorstand sich auch nicht um Haaresbreite von dem Wege abbringen, den die Pflicht gegen den Bruderverein und die Gesammtlehrerschaft uns vorschrieb. Wir ließen den Verein das Verhalten seines Vorsitzenden nicht entgelten und sandten die früher in Aussicht gestellten Einigungsvorschläge ein, in welchen die weitgehendste Rücksichtnahme aus den Essener Verein vorgesehen war. Während der Trierer Vorstand sich gerne bereit erklärte, die Vorschläge seinem Vereine zur Annahme zu empfehlen, traf von Herrn Graf das schon genannte ablehnende Schreiben ein, welches zur Kenntnißnahme der Versammlung gebracht wurde. Gespannt hatte die Versammlung der Schilderung! dieser Vorgänge gelauscht, die auch allgemein verurtheilt wurden. Eine längere Debatte reihte sich an, bis der Schriftführer den Antrag einbrachte, die Versammlung wolle den Vorstand ermächtigen, mit dem Trierer Vereine sich zu einigen und al& dann die weiteren Schritte gemeinsam berathen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen und einstimmig war man der Meinung, daß man unter solchen Umständen vorläufig auf eine Weiterführung der Unterhandlungen mit dem Essener Verein verzichten müsse. Herr Dr. Apfel äußerte sein Bedauern, daß die Einigung durch die geschilderten Vorkommnisse in weitere Ferne gerückt sei. Er könne unsere heutige Stellungnahme verstehen, hoffe aber dennoch, daß durch den Zusammenschluß mit dem Trierer Verein der Weg zur Vereinigung aller jüdischen Lehrer in Rheinland und Westfalen offen bliebe. Man möge nur die Sache im Auge halten, Personen aus dem Spiele lassen, dann würden diese beklagenswerthen Zustände, die beide Vereine schwer schädigen, bald aufhören. Er glaube, daß auch der Essener Verein eine Einigung wolle und hoffe, daß diese Frage doch nicht in solche Ferne gerückt sei, wie es gegenwärtig scheine. Im Namen des Vereins dankte der Vorsitzende Herrn Dr. Apfel für sein eifriges Interesse und seine werthvolle Mithilfe an den Bestrebungen unseres Vereins. Die weiteren Punkte der Tagesordnung waren rascher erledigt. Für die Zeit der nächsten Versammlung wurden die Dezemberferien, als Ort Bonn | in Aussicht genommen, da wir hoffen, dieselben gemeinsam mit dem süddeutschen Vereine abzuhalten. Als Vorstandsmitglieder wurden die Kolleg. Ransenberg- Reuwied und Dpier-Wesel, als Rechnungsprüfer pro 97 Cohen-Lechenich und Dr. Heilberg-Cuskirchen, als Delegirte zu den Verbandstagen Salomon Beuel unv Spier-Bocholt gewählt. Hieraus hielt Kollege Ransenberg einen Vortrag über das Thema: „Wie kann das neue Besoldungsgesetz auch von Einfluß auf die Stellung der nicht definitiv angestcllten jüdischen Lehrer sein?" Wir hoffen, daß der Vortragende seine inhaltreiche, mit Humor gewürzte Arbeit vollständig veröffentlicht, da sie manchem unserer Kollegen reichen Stoff zum Nachdenken und zur Arbeit bieten wird. Daher sehen wir hier von einem Auszuge ab. Im Verlaus der sich anschließenden Diskussion wurde rühmend hervorgehoben, daß die Versammlungen unseres Vereins nicht nur theoretische Erörterungen, sondern auch praktische Fingerzeige bieten, wie die schwankende, unsichere Stellung der jüdischen Religionslehrer durch Umwandlung der Neligionsschulen in Volksschulen und der privaten Volksschule in öffentliche gefestigt werden könne. In den freien Besprechungen wurde auf Anregung des Kollegen Dr. Heilberg-Cuskirchen nach dem Anträge des Vorsitzenden beschlossen, der Vorstand möge den Versuch machen, durch Deputationen aus angesehenen Lehrerfreunden und staatlich angestellten Lehrern auf solche Gemeinden einzuwirken, die noch keine öffentliche jüdische Volksschule besitzen. Kollege Abraham-Kettwig regte an, daß die Bezirkskonserenzen wieder häufiger stattfinden sollen. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß es nicht angängig sei, die Konferenzen vom Vorstande aus zu dekretiren, sondern daß die Kollegen aus freiem Antriebe möglichst oft, wenn auch in noch so kleinen Kreisen, Zusammenkommen möchten, um Schul-, Lehrer- und Vereinsangelegenheiten zu besprechen. Möchte die Anregung auf fruchtbaren Boden fallen! — Um 7 Uhr schloß der Vorsitzende die Versammlung, die so viel und jedem etwas geboten hatte, mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Schirmer der deutschen Volksschule, unfern vielgeliebten Landesherrn. Kollege Spier-Bocholt dankte hieraus Namens der Versammlung dem Vorsitzenden für seine umsichtige, unparteiische Leitung der Verhandlungen, und hinaus wunderten die Jugendbildner in die schöne Metropole der Rheinlande, wo man noch fröhlich und heiter in zwangloser Unterhaltung beisammen blieb, bis das Dampfroß die Kollegen wieder an die gewohnte Arbeitsstätte führte. Man schied mit dem herzlichen Wunsche: „Auf ein frohes Wiedersehen in der schönen, rheinischen Musenstadt!" Der Schriftführer: Gut.