Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 42 (26.5.1897)
- Date
- 1897-05-26
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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788 des Kassenvorftandes, eine Mark als Kosten der Zugehörigkeit zu dem Verbände zu entrichten, nicht nachzukommen brauchen, da unsere Vereinskasse bereits die Kosten für alle Herren Mltalieder bestritten hat. Der Rechnungsprüfer pro 96, Kollege Cohen— Rees, beantragte hierauf, dem Rendanten Entlastung zu ertheilen, was auch einstimmig geschah. Alsdann begrüßte der Vorsitzende der Religionsschul-Kommission der Synagogengemeinde Köln, Herr M. Wildberg, in herzlichen Worten die Lehrer und sprach denselben, sowie ihren Bestrebungen feine vollen Sympathien aus. Auf Antrag des Kollegen Spier—Bocholt schloß sich an die Dechargeertheilung Punkt 6 der Tagesordnung »Festsetzung einer Summe für Unterstützungen pro 97 und wurden auf Antrag des ebengenannten Kollegen 500 Mk. als Beitritt in Unterstützungkassen und 200 M. für Krankheitsfälle bestimmt. Eine längere Debatte entspann sich bei der Berathung. auf welche Weise die Unterstützungen gewährt werden sollen. Während der Schriftführer den Standpunkt vertrat, die Mitglieder sollen sich verpflichten, für je erhaltene fünf Mark Beihilfe ein Jahr dem Vereine anzugehören, glaubte der Vorsitzende, der Verein könne auf eine schriftliche Verpflichtung verzichten und sich mit der moralischen begnügen, da man von einem Lebeer wohl nicht erwarte, daß er nach erhaltener Beihülfe dem Vereine oen Rücken kehren weroe. Die Versammlung schloß sich den Ausführungen des Vorsitzenden an. Da die Beihilfen also nunmehr ohne jede schriftliche Verpflichtung gewährt werden, ist wohl zu erwarten, daß allmählich sämmtliche Vereinsmitglieder unter Beihilfe des Vereins durch Eintritt in Unterstützunskassen sich zeitig wenigstens in etwa vor späterer Roth schützen. Der Schriftführer knüpfte hieran die Mahnung, daß bei solch gesteigerter Inanspruchnahme unserer Vereinskasse jedes Mitglied auch die Pflicht hat, für die Erhöhung unser finanziellen Leistungsfähigkeit dadurch zu wirken, daß in seiner Gemeinde außerordentliche und in den Reihen der benachbarten Kollegen ordentliche Mitglieder unserem Vereine zugeführt «erden. Möchten den Worten nur bald die Thaten folgen, dann wird der strebsame Verein immer mehr blühen und gedeihen. Als Delegirter des D.-J. G.-B. erschien nun der in unserem Vereine stets gern gesehene Lehrerfreund, Herr Dr. med. Apfel—Köln, der sich bei seiner ausgebreiteten Berufsthätigkeit doch noch ein Stündchen abzuringen weiß, um mitzurathen — und zu thaten, wo es sich um das Wohl der jüdischen Lehrerschaft handelt. In kernigen Worten empfahl Herr Dr. Apfel den Vereinsmitgliedern, das Pflichtgefühl und das Selbstbewußtsein als unentbehrliche Tugenden stets hochzuhalten und im Zusammenschluß Kraft und Stärke zu gewinnen. Auf Antrag des Schriftführers trat die Versammlung nun in Punkt 7 der Tagesordnung ein „Bericht über das Einigungswerk." Der Vorsitzende referirte über die Bemühungen unseres Vorstandes, aus den jüdischen Lehrervereinen in Rheinland und Westfalen einen einzigen großen Verein zu bilden. Da die in einer gemeinschaftlichen Kommissionssitzung in Elberfeld, bei welcher unser Verein leider nur durch den jetzigen Vorsitzenden vertreten war, von Herrn Kollege Liepma nsohn— Minden aufgestellten Vorschläge seitens unserer Generalversammlung in Barmen abgelehnt worden waren, hatte der geschäftsführende Ausschuß im Aufträge unseres Vereins andere Vorschläge ausgearbeitet, dieselben dem Essener und Trierer Vorstände mit dem Ersuchen zugestellt, in den Halbfeiertagen des Peßachfestes eine Kommissionssitzung anzuberaumen. Während der Trierer Vorstand sich hierzu bereit erklärte, lehnten die Essener Mitglieder der Einigungskommission unsere Vorschläge ab mit dem Wunsche, unser Verein möge sich einfach dem alten Essener Verein anschließen und einen Bezirk dieses Vereines bilden. — Unterdessen war die Mittagsstunde herangenaht; um 1j22 Uhr brach man die Verhandlungen ab, um sie 3 Uhr fortzusetzen. Beim Beginne dieser Nachmittagssitzung wies der Vorsitzende darauf hin, daß unser Verein nicht, wie oft leichthin behauptet wird, die Essener Kasse geschädigt, daß diese vielmehr, wie aus den Jahresberichten ersichtlich ist, seit der Gründung unseres Vereins Fortschritte gemacht habe. Während früher das ganze Jahr hindurch mit Ausnahme der zwei Pfingsttage eine unheimliche Stille auf dem Gebiete des Vereinslebens der jüdischen Lehrer unserer beiden Provinzen herrschte, pulsirt nunmehr ein eifriges, zielbewußtes Leben und Weben in den Kreisen der jüdischen Lehrerschaft. Trotz alledem haben sich leider unsere Beziehungen zu dem Vorsitzenden der Essener Kasse, Herrn Hauptlehrer Graf-Essen, verschlechtert. Wir haben keine Veranlassung mehr, die unliebsamen Vorgänge, die sich in letzter Zeit abspielten, unsern Kollegen noch ferner zu verschweigen. Schon früher waren wir gezwungen, uns beschwerdeführend an den Verbandsvorstand zu wenden, daß Herr Graf in seinen Veröffentlichungen den Titel seines Vereins nicht genau führe und dadurch zu Jrrthümern und Weiterungen Anlaß gebe. Der Verbandsvorstand ersuchte hierauf den Essener Vorsitzenden, den Titel so zu führen, wie er im § 38 des Kassenstatuts bestimmt ist. Tratzdem wurden in letzter Zeit hier in Köln Beiträge zur Essener Kasse auf Quittungen hin erhoben, die den Titel abermals ungenau angaben, sogar „Köln" als Vordruck zeigten, während Essen darunter geschrieben war. Diese Quittungen wurden dazu