Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 41 (24.5.1897)
- Date
- 1897-05-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVIII. Jahrgang. M 4J Ier Israelit. Ein Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum Begründet von Dr in Haini Montag, de« 24. Mai 5657 (1897)« Sü. Eine Mnvkr abonnirt man be^ allen Postanstalten für den Monat -ss< Juni “■ix>2auf den Israelit''. D-efer Pre-S trirt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSfchalter des Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger ausgegeben werden. Die Erpedttion des „Israelit". Leitender Artikel. Ustre Stellung zur KibctKriNtl. Von Dr. H. Sänger. In wenigen Wochen feiert unser Volk wieder dm „Tag der Gesetzgebung." Es sind jetzt 3209 Jahre. Mit dem ersten Auftreten des Volkes Israel empfängt es das Gotteswort, dessen Vertreter, Träger, Erhalter und Verkünder es für alle Zeiten sein soll. Thauroh und Jisroel bilden ein unzertrennbares Ganze. Ohne Jisroel würde das Gottesgesetz der Thauroh nicht geübt; ohne das biblische Gesetz wäre das jüdische Volk nicht denkbar. Der Geist der Thauroh wird nur durch deren Vertreter, und diese nur durch den in der Thauroh ausgedrückten Gedanken erhalten. Der Inhalt des Gottesgesetzcs wäre ohne Jisroel nicht so unverfälscht, so getreu und rein erhalten worden, und ohne die Thauroh wäre Jisroel nicht so standhaft geblieben, hätte sich nicht erhalten können. Jisroel trat und tritt für die Wahrheit und Echtheit der Thauro ein und wiederum die Thauroh für das unveränderte Jisroel. Kein Buch ist bekannter, ist höher geschützt, ist von größerer Bedeutung als die Thauroh. Aber auch kein Buch der Welt ist mehr mit kritischem Auge geprüft und durchforscht worden sowohl nach seiner Form wie nach seinem Inhalte, und kein Buch der Welt wurde mehr angegriffen aber auch mehr vertheidigt, als diese „Fünf Bücher Moses." Es ist ja natürlich und begreiflich; tritt ja die Thauroh als Gottes Wort, Wille und Gesetz für sein Volk auf; spricht ja die Thauroh im Namen Gottes, als des „Schöpfers von Himmel und Erde, des Meeres und Alles, was darin ist." Darum hat dieses Buch höchste Bedeutung auch für die Gesammtmenschheit, die ja auch nach der obersten Wahrheit ringt und forscht. Und wenn auch der Hauptinhalt seiner Gesetze nur für das Volk Israel gegeben und nur dieses verpflichtet, so hat es doch immer noch auch für die übrige Welt höchstes Interesse. Wir sehen ja, daß diese Welt auf die „Zehn Gebote", wenn auch die nicht ohne Ausnahme, als Gottes Gebote anerkennt, ebenso den Schöpfungsbericht als Grundlage der religiösen Erziehung und des Glaubens an Gott annimmt. Wenn man dann den Inhalt der „Bibel" nach seiner Echtheit dennoch prüft, so läßt sich das leicht begreifen. Man will die Logik der Thatsachen nicht anerkennen und — die Geschichte Israels ist nicht zugleich die Geschichte der übrigen Völker. Für uns aber ist die Thauroh das Gottesg e s e tz. Das Zehngebot hat unser ganzes am Sinai versammelte Volk aus Gottes Mund gehört; der übrige Inhalt ist von Moscheh auf Gottes Befehl niedergeschrieben. In dieser Auffassung ist uns die ganze Thauroh Gottes Wort; alle Gebote und Verordnungen darin sind göttlich und darum heilig und unverletzlich. Mit der Thauroh ist unser Volk großgezogen worden, sie ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen, bildete der Inhalt seines ganzen Lebens. Mit ihr zog es in das heilige Land, mit ihr zog es hinaus in die Verbannung, und diese Verbannung hat an