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Der Israelit · 1897-05-13 · Heft 38 (13.5.1897) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 38 (13.5.1897)
Date
1897-05-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XJLXY1II Jahrgang. Iwritr Beilage ju M 38 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Csrrefponderrzen. Deutschland. Berlin, 10. Mai. Eine schreckliche Entdeckung haben die Antisemiten gemacht. Hierselbst hat eine Schülerstatistik ergeben, daß aus den höheren Schulen der Prozentsatz der jüdischen Schüler 16,7 betrug, während die jüdischen Einwohner nur 5,1 Prozent der Gesammteinwohnerschaft Berlins betrugen, daß also — man schaudere — das Judenthum in den höheren Schulen dreimal so stark vertreten sei, als ihm zukomme. Die „Staatsb.-Ztg." sieht daraus schon das antisemitische Deutschthum gefährdet und ruft ihr „videant consules" aus, d. h. sie möchte am liebsten den Juden den Zugang zu den höheren Schulen ganz versperren oder prozentuell beschränken, lins wundert nur, daß die antisemitische Presse nicht ichon längst einen Schritt weitergegangen ist und eine Kontingentirung der jüdischen Kinderzahl gefordert hat. Frankfurt a. M. (Israelitischer Almosen k a st e n.) Der Almosenkasten der israelitischen Gemeinde hat im Jahre 1896 insgesammt Mk. 87,413 auSgegeben. Dem standen an Einnahmen gegenüber: Spenden zur Verkeilung Mk. 44,8.52, Mitgliederbeiträge Mk. 15,237, Zuschuß aus dem Zinserträgniß Mk. 18,326; der Rest von Mk. 8998 mußte aus den zu Beginn des Jahres in den Händen der Pfleger gebliebenen Beträgen gedeckt werden. Unterstützt wurden aus obiger Summe 558 Familien und Alleinstehende. Dem Gg. Speyer'schen Ertrareservesonds wurden von dem Stifter wieder Mk. 5000 hinzugesügt. Osthofen bei Worms, 6. Mai. Die Sucht, in's jüdische Gotteshaus Reformen zu bringen, nimmt die Gestalt der Karrikaturen an, wie solches die aus 15 bis 16 Mitgliedern zählende hiesige Gemeinde beweist und zum diesmaligen Pesachfeste es sich gezeigt hat. — Es wurde nämlich seitens des Vorstandes ein altes und verstimmtes Harmonium für 75 Mk. angeschafft, das den Zweck haben soll den Gottesdienst zu verschönern. Nun dürfte man annehmen, daß das Gotteshaus jeden Tag in vorgeschriebener Art und Weise der Tradition gemäß benützt wird. Ja weit gefehlt! Nicht einen Tag, außer Samstags, wird es geöffnet und dann noch hält es schwer Minjan zu bekommen. Vom Brennen des ewigen Lichtes ist keine Rede, und daß die paar vorhandenen Sforim „poßel" sind, das kümmert keinen Menschen. Wen trifft nun, ist die berechtigte Frage, die Schuld, daß solche Zustände in solch kleiner Gemeinde einreißen können? Wohl keinen als die Herren Bezirksrabbiner, die sich von ihrem Wohnsitz aus um die kleineren Gemeinden ihres Bezirks gar nicht kümmern und fünf grade sein lassen. — Im ferneren die sogenannten Religionstehrer, die den Lehrer, Ehasen, Schochet, Schammes :c. spielen und bei ihrem kargen &efyatt auf Bporteln sehen müssen, die ihnen nicht werden möchten, wenn sie nicht nach der Pfeife der Herren von der Verwaltung tanzten und sagen müßten, ich gehe mit euch! — Daß der Religionsunterricht dabei im Argen liegt, daß das Koschere bei den jüdischen Metzgern noch mehr als trefe ist, daß den jüdischen Frauen ungeporschtes Hinterviertel als koscher Fleisch verabfolgt wird, das stört keinen Menschen, und daß nun das oben gedachte Harnlonium von jüdischen Händen an Feiertagen bearbeitet wird, wird selbst von solch einem Lehrer gutgeheißen. Daß bei solcher Handlungsweise unsere Tradition ganz und gar vergeffen wird, und daß Lieder in anderer Sprache alcin der jüdischen in der Synagoge zu Gehör gebracht werden, hat zur Folge, daß die Beffergesinnten mit der Zeit solchem Gebühren fern bleiben und die leerstehenden Synagogen sich noch vermehren werden. Um dem vorzubeugen, wäre es in der Thal am Platze, wenn die Herren Bezirksrabbiner von Seiten des Staates angewiesen würden, ihren Bezirk wenigstens 4 Mal im Jahre zu bereisen, um nach dem Rechten zu sehen, wenn für die Religionsschule Stunden und Lehrpläne festgesetzt würden, nach welchen die Lehrer zu unterrichten hätten, und den Herren Bezirksrabbinern müßte ins Gewissen geredet werden, diese Reisen zu machen, ohne das Verlangen nach Diäten zu stellen. Unterbleibt aber der richtige Religionsunterricht und dessen Revisionen, dann ist zu befürchten, daß das Judenthum für die jüngeren Geschlechter verloren geht. Oe st er r. -Ungar. Monarchie. Wien. Der antisemitische Kinderkreuzzug richtet sich gegen Kinder der armen Juden. Wie wir erfahren, sind jene armen israelitischen Schüler des Leopoldstädter Communal-, Real- und Obergymnasiums, welche für das laufende Semester um die Schulgeldbefreiung eingeschritten waren, vom Stadtrathe abgewiesen worden, trotzdem die Mittellosiigkeit ihrer Eltern nachgewiesen und das Gesuch um die Schulgeldbesreiung vom Lehrkörper wärmstens befürwortet worden war. Recht so! das ist einmal ein Schuß in's Schwarte. Der Nagel ist auf den Kopf getroffen, der Judennagel, und daß es der Kops unschuldiger, harmloser Kinder ist, das giebt der Sache noch eine besondere,

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