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Der Israelit · 1897-05-13 · Heft 38 (13.5.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 38 (13.5.1897)
Date
1897-05-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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WMWM1 KH,«pp»pP!tyj. "''"" XXXVIII. Jahrgang. W SW'JJiWlIÜVi.M-’^Wf.l'V ’IWiM MZ8S. Her Israelit. Ein Kentrat-Argan für das orthodoXe Iudenthum. Begründet von Dr. Xe&ttiaun in Mainz Donnerstage de« Km Eine Mnek abonnirt man hei allen Postanstalten für den Monat - 5*< Juni auf den „Israelit“. Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSfchalter des Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die ErpeLilion des „Israelit". Leitender Artikel. Sprüche der Mater. Sechstes Buch. XV. Mainz, 10. Mai. Auch durch ans 2b ein gutes Herz eignet man sich die Thora an. Von dem guten Herzen war in den Sprüchen der Väter bereits früher die Rede. In dem zweiten Buche, in der dreizehnten Mischnah, finden wir die Frage Rabbon Jochanan den Sackai's an seine fünf Schüler: „Gehet hin und sehet, welches der gerade Weg ist, dem der Mensch anhaften soll?" Rabbi Elieser sagte: ein wohlwollendes Auge. Rabbi Josua sagte: ein guter Genosie. Rabbi Jose sagte: ein guter Nachbar. Rabbi Schimeon sagte: wer sieht, was in Zukunft daraus entsteht. Rabbi Elasar sagte: ein gutes Herz. Darauf sprach er zu ihnen: Ich gebe den Worten Elasars ben Arach den Vorzug vor euren Worten, denn in seinen Worten, sind eure Worte inbegriffen." Dieser Ausspruch zeigt uns, welchen hohen Werth 13. Mal 5657 (1897). unsere Weisen auf den Besitz eines guten Herzens legen und wie es dort als das all die anderen Vorzüge in sich fassende Mittel bezeichnet wird, um dem geraden Weg anzuhaften, so wird es hier als Mittel zur Aneignung der Thora empfohlen. Wir wollen hier nicht Alles wiederholen, was bereits oben über die Eigenschaften des guten Herzens gesagt ist, es wurden da die 58 Thätigkeiten und Eigenschaften des Herzens nach dem Midrasch Koheleth angeführt, sowie die wesentlichen von den 65, welche Rabbi Jacob Emden in seinem Buche „Mtgdol Os" xufzählt, wir wollen nur «»führen, wieso gerade einem guten Herzen der Erwerb der Thora ermöglicht ist. Gemeinhin ist die Anficht vorherrschend, daß nur Geist und immer wieder Geist und was die einzelnen Fähigkeiten des Geistes sind Verstand, Scharfsinn, Klugheit, Gedächtniß u. s. w. das einzige Mittel ist, nicht nur Thora, sondern alle und jede Kenntniß sich anzueignen; die Herzensgüte, die Herzensbildung, wenn auch stets im Munde Aller, steht bei unserem heutigen Geschlechts gar niedrig im Kurse. Der Kampf ums Dasein, die zugespitzten Bedingungen, die jede hochentwickelte Cultur dem einzelnen Individuum für die Erringung und Erhaltung seiner Existenz stellen, sie lasten die herrliche Blüthe der Herzensweichheit und -Zarthe t, die ihre ganze Umgebung mit köstlichem Dufte erfüllt, nicht aufkommen, sie wird zertreten in dem heißen Kampfe und dem wilden Ringen nach Erwerb und Genuß und kann nur noch in wellentlegenen Erdenwinkeln auf einsamer Höh' sich entfalten und gedeihen. Ja, wir sind so weit gekommen, das; den Worten gut, gemüthlich, Gemüth, der Beigeschmack des Spottes anhaftet. Unter einem guten, gerniiihlichen Menschen verstehen wir vielfach einen solchen, der bei der heutigen Hetzjagd, die wir Leben nennen, nicht mitkommen kann, „gemüthlich" hinterdrein marschirt, und vor besten geistigen Eigenschaften wir wenig Hochachtung haben. Man läuft sogar Gefahr in den Ruf eines unklugen

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