Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 37 (10.5.1897)
- Date
- 1897-05-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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693 der n*n Verein der Gemeinde Schcarith Jisroel eine herrliche Feier aus Anlaß eines uvc veranstaltet hat, er würde gewiß sein Befremden darüber äußern und die Folgerung daraus ziehen: wie selten ein solches Ereigniß in dem neuen Welttheile sein muß, daß die allgemeine Presse davon Notiz nimmt. Diese Schlußfolgerung ist jedoch nicht ganz zutreffend. Denn seitdem unser allverehrter Herr Rabbiner Dr. S. Schaffer an der Spitze unserer Gemeinde steht und in seinem unermüdlichen Eifer für den angestammten Glauben der Väter jeden Abend im genannten Vereine einen xncv -nrtr vorträgt, seit jener Zeit — es sind dies nahe an 5 Jahren — kann man jedes Jahr einen Bericht über eine glänzend verlaufene cwv-Feier in der Tagespresse finden. So sehr selten ist demnach dies Ereigniß nicht. Warum aber öffnet die Tagespreffe ihm ihre Spalten? In diesem Lande der Kuriositäten ist Nichts auffällig, Nichts befremdend. In gewöhnlichen Zeiten werden hier alle Neuigkeiten, wenn sie nicht „Base Ball“ betreffen, mit einer und derselben gleichgültigen Miene entgegengenommen. Bon weit größerem Jntereffe ist wohl dieser Bericht für die geschätzten Leser des „Israelit", die einer Kunde von dem religiösen Leben ihrer gesetzcstrcuen Brüder jenseits des Ozeans gewiß gerne entgegensehen. Und es ist auch billig, solche Berichte zu ihnen gelangen zu lassen. Warum sollten sie nur betrübende Klagen über den religiösen Verfall und nicht auch ein Mal eine erfreuliche Nachricht vernehmen! So sei denn in dem Folgenden eine nähere Beschreibung des genannten Berichtes gegeben: Wie bereits erwähnt, wurde ein dvd im großen Stile gefeiert. Bei dieser Gelegenheit versammeln sich die Mitglieder des Vereins, 40 an der Zahl, in Gemeinschaft mit vielen Gästen, um eine herrlich geschmückte und reichlich besetzte Tafel — auch an uw Wein ist hier im Lande kein Mangel — wo sie in gehobener Stimmung und heller Begeisterung gewöhnlich weit über Mitternacht hinaus verweilen. Ein kunstvoll gegliederter und formvollendeter pm unseres verehrten Herrn Rabbiners, gehalten im alten Stile, aber in gemeinverständlicher Weise, geistreiche Toaste und heitere Gesänge bilden die Würze der Tafel, rufen in jedem Herzen das reine Gefühl einer wahren to bv hervor und lassen einen tiefen und nachhaltigen Eindruck zurück. Dies geschieht alljährlich. Dieses Mal jedoch übertraf die Feier alle vorhergegangenen. Denn es galt demLnc auf uns *hb und auch der allbekannte und hochverehrte Herr Rabbiner Dr. Klein aus New-2)ork wurde zur Theilnahme am Feste eingeladen. Obwohl der Rabbiner in der Woche vor nvv bekanntlich sehr in Anspruch genommen ist, so scheute doch der genannte Herr in seiner Liebenswürdigkeit nicht den Aufwand der Zeit und kam nach fünfstündiger Reise mit dem Schnellzuge direkt bei Beginn des Festes an. Seine Anwesenheit hat, wie begreiflich, zur Hebung der Festesstimmung wesentlich beigetragen. Nun hatten wir einen doppelten pnn. Der Ausspruch des Weisen mit dem nwn rvvv schließt, daß auch die Frevler in Israel vor dem Feuer des geschützt sind, gab jedem der Herrn Rabb. reichlichen Stoff zum Aufbau eines in seiner Art vortrefflichen, belehrenden und begeisternden p"n. Herr Dr. Klein, der einen Gang durch die weiten Räume der Werkstätte des Geistes unserer Weisen unternommen, langte endlich, gestützt auf andere Aussprüche bei dem Resultate an, daß der Weise nur von solchen Sündern sprach, deren Vergehen eine Folge des Sichgehenlaffens, der Schwäche ist; die gelegentlich sündigen, aber nicht ihre Fehlschritte mit einer Pünktlichkeit wiederholen, etwa wie der Fromme bestrebt ist, die Gebote pünktlich zu erfüllen. Herr Dr. Schaffer, gestützt auf seine gelungene und geistreiche Beweisführung, kam zu dem Schluffe, daß der Weise von solchen Sündern sprach, die sich zwar Gott gegenüber schwer vergehen, doch vor einem Bruche mit der Nation zurückschrecken, die Heiiigthümcr des Volkes nicht antastcn, den Weisen schuldigen Respekt zollen und sich wohl hüten durch ihre Sündhaftigkeit noch Andere zu verstricken. Beide Redner zielten nach derselben Richtung, und ihre Worte sind mit großem Beifall und lebhafter Zustimmung ausgenommen worden. Nach diesen Rednern hielten noch andere Herren ernste und heitere Ansprachen und man blieb zusammen bis Herr Dr. Klein gegen 2 Uhr nach Mitternacht das Lokal verließ, um in einem Schlafwagen die Rückreise anzutreten und Morgens früh auf seinem Posten zu sein. Alle Anwesenden waren höchst befriedigt und jeder äußerte den aufrichtigen Wunsch, daß der Verein wachsen und kräftig gedeihen möge als Schutz und Bollwekk für unsere kostbaren Heiligthümer und unerschöpflichen Schätze. So wirken diese beiden Herrn j der in seinem Kreise nach bestem Wollen und Können zur Befestigung des überlieferten Glaubens'und zur Verbreitung des Studiums der Tpn m Schwer ist ihre Aufgabe, sehr schwer. Ein Rabbiner in Deutschland kann sich gar keine Vorstellung machen, mit welchen Schwierigkeiten ein gesetzestreuer Rabbiner hier zu Lande zu kämpfen hat. Doch sie halten aus die wackeren Kämpen in ihrem Gottvertrauen und wir dürfen hoffen, daß der einmal angefachte Funke stets weiter um sich greifen und noch manches Herz für die heilige Sache erwärmen wird; die Wahrheit muß und wird siegen. Rev. B. W. H. P a l ä st i n a. Jerusalem Der College vom babylonischen Raw (m), der sowohl als Arzt, wie auch als Talmudist und Astronom berühmte Samuel (bwrw) pflegte