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Der Israelit · 1897-05-10 · Heft 37 (10.5.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 37 (10.5.1897)
Date
1897-05-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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mTin. Jahrgang. jm 87. Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von Dr. Uehmsnn in fötain}. Montag, de« 10. Mai 5657 (1897)« s°. Eine Mnvk abonnirt man be' allen Postanstalten für den Monat. - 33IH Juni aus den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSschalter des Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger ausgegeben werden. Die Erpeüition des „Israelit". Leitender Artikel. Sprüche der Käl.r. Sechstes Buch. XlV. Mainz, 6. Mai. o-'cx -j-i» Langmut h, Geduld ist ebenfalls ein Mittel, um die Thora sich anzueignen. Wir finden diese Eigenschaft zuerst in der Bibel, Moscheh gebraucht dieselbe von Gott, da Israel sich durch Anfertigung des goldenen Kalbes versündigt hatte, und Gott in seiner Gnade gestattete, daß, nachdem sein Diener die ersten Tafeln zerbrochen, zwei andere gehauen wurden. „Herr, Herr, Gott", rief Moscheh, „barmherzig und gnädig und langmüthig und von großer Gnade und Treue" u. s. w. Wie uns an anderer Stelle unsere Weisen lehren, daß wie Gott barmherzig und gnädig sei, auch wir diese Eigenschaften uns aneignen sollen, so sagen sie uns hier, daß wir uns der dritten von Moscheh genannten Tugend befleißigen sollen und zwar zu dem ausgesprochenen Zwecke uns die Thora zu erwerben. Wie wollen hier nicht auf die oft in diesen Blättern geschilderte Geduld Hilels, der durch seine Langmuth die Heiden bekehrte, näher eingehen, wir wollen auch andere Heldengestalten der jüdischen Geschichte, die sich durch diese vorzügliche Eigenschaft auszeichneten, heute nicht vorführen, wir möchten vielmehr aus der Natur dieser Eigenschaft zu beweisen suchen, wieso deren Besitz die Aneignung der Thora zur Folge hat. Haben wir aus einem früheren Ausspruch unserer Väter bereits gesehen, daß man zwar viel von seinen Lehrern, mehr von seinen Genoffen, am meisten hingegen von seinen Schülern lernen kann, so ist es um das letztere zu erreichen, vor allen Dingen nothwendig, daß man auch viele Schüler heranzuziehen versteht, und dies geschieht hauptsächlich nur dadurch, daß dem Lehrer ein großes Maaß von Langmuth eigen ist. Wer mit Menschen umgehen will, muß die Menschen zu nehmen und behandeln wissen. Erheischt es nun schon im praktischen Leben eine unendliche Geduld, jeden Menschen so zu nehmen, wie es sein Charakter erfordert, welche Geduld, Langmuth und Nachsicht erst ist erforderlich, Schüler, und erst erwachsene Schüler, so zu behandeln, daß sie Vertrauen zu ihrem Lehrer gewinnen und so befähigt werden, von dem Unterricht desselben Gewinn zu ziehen. Scheinbar sind alle Menschen gleich, und doch ist bei näherer Beobachtung von den vielen Millionen Menschen nicht ein einziger genau so wie der andere. Wie anscheinend alle Blätter eines Baumes gleich sind, bei näherer Prüfung es sich aber ergiebt, daß keine zwei Blätter gefunden werden können, die gleich groß, gleich dick sind, ein gleiches Geäder und einen gleich langen Stil besitzen, ebenso ist es mit den Menschen. Mit Bezug auf diese Verschiedenartigkeil in der Schöpfung sagen unsere Weisen: pX X\X “rtif pX Xlpn hx 11'phxv *T!2f px „Kein anderer Bildner kommt Gott dem Schöpfer des Weltalls gleich."

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