Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 36 (6.5.1897)
- Date
- 1897-05-06
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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680 unterricht ertheilt wurde, mußte sich nothwendiger Weise der Unterricht in der biblischen Geschichte daran schließen. Aber auch schon ältere Schulbücher schließen nicht mit Esra, sondern mit der Zerstörung des 2. Tempels. Da mit dem Aufhören der nationalen Selbstständigkeit nicht die Geschichte der Juden beendet, ist es seit der wissenschaftlichen Behandlung der jüdischen Geschichte nicht mehr zweifelhaft, daß auch sie gelebrt werden müsse. In Oesterreich befahl es die Regierung seit Jahrzehnten für die Oberklaffen der Gymnasien und Seminare. Auch in den mittleren Klassen unserer Schulen sei sie zu lehren. Für die Nothwendigkeit sprechen folgende Gründe: 1. Sie weist nach, wie aus dem biblischen Judenthum das talmudische entstanden und sie ist auch in gewissem Sinne eine Geschichte der göttlichen Offenbarung. 2. Sie führt uns Zeiten und Verhältnisse vor, die den unsrigen näher liegen, als die biblischen; wir erfahren, wie treu unsere Ahnen den Glauben bewahrten, wie Glaubensgenoffen hohe Stellungen bekleideten, ohne ihr Judenthum auszugeben. Sie ist deßhalb Sporn und Mahnung für uns. 3. Sie erfüllt die Jugend mit Begeisterung und lehrt das Martyrium ertragen. Da sie auch Geschichte des geistigen Schaffens ist, wird sie um so mehr begeistern, denn sie zeigt, unter welch' schwierigen Bedingungen Männer groß wurden. — Die Einführung des Lehrstoffes in den Religionsschulen des Landes sei vom 12.—14. Jahre zu empfehlen, obwohl es schwierig sei, denn den Kindern ist die allgemeine Geschichte noch wenig bekannt. Um doch etwas zu erreichen, sei die Königsgeschichte aufs Nothwendigste zu beschränken. Noch schwieriger gestalte sich die Darstellung der geistigen Thätigkeit im Judenthum. — Bei der Ausbildung der Lehrer ist die gründliche Kenntniß der nachbibl. Geschichte zu fordern. Autodidakten mögen sich aus den Werken von Brann, Bäck, Kayserling, Grätz (kl. Ausg.) Belehrung schaffen. Für den Unterricht selbst muß der oberste Grundsatz sein: „Aus dem Wichtigen nur das allerwichtigste." In der Beschränkung zeige sich auch hierbei der Meister. Die biographische Form ist die beste, denn eine Anzahl Persönlichkeiten vereinigen in sich nlle Strömungen der Zeit. — Referent gab noch eine Stoffauswahl zur Kenntniß und schloß mit der Mahnung, stets die Wahrheit im Unterricht hochzuhalten. — Nachdem der Vorsitzende für den übersichtlichen Vortrag den Dank der Versammlung ausgesprochen, trat man in die Debatte ein. Dr. Seligkowitz erklärte sich auS psychologischen Gründen gegen nachbiblischen Geschichtsunterricht auf der Mittelstufe; die Kenntniß derselben sei erst in reiferen Jahren anzueignen. Dr. Freudenthal hielt die weitgehenste Einführung im Jntereffe unserer ganzen Zukunft für geboten. Es liege darin ein feffetnder Ersatz für minder wichtige Stoffe. — Nachdem sich noch Bedenken gegen die Stoffauswahl zeigten, übernahm es Rose—Gröbzig, eine solche im nächsten Jahre zu liefern. — Rach der Mittagspause referirte Hör Witz—Dessau, über „Die Frage im Unterricht." Nachdem er eingehend über die Vortragende Lehrweife berichtet, ihre Vorzüge und Mängel geschildert, den Lehrern Fingerzeige zur Erreichung guter Vortragsweise gegeben und das Studium guter volksthümlicher Schriften empfohlen, wandte er sich der fragenden Lehrform zu. Er erwähnte, wie der Volksmund gute und schlechte Frage kennzeichne, schied die andern Fragen (rhetorisch u. s. w.) aus und legte das Hauptgewicht auf die Unterrichts frage. Der psychologische Hergang wurde erläutert und die Bedeutung der Frage für Schüler und Lehrer feftgestelt, wie auch die an eine gute Lehrfrage zu stellenden Forderungen. Folgende Leitsätze stellte er zur Besprechung: 1. Zur Erzielung eines fruchtbringenden Unterrichts ist die Unterrichtsfrage eines der besten Mittel. 2. Dem Lehrer beweist die Frage, ob die Schüler mit Verständniß seinem Unterricht gefolgt sind. 3. Dem Schüler dient sie zur Entwickelung geistiger Kräfte. 4. Der Fragende hat stets das Frageziel oder den Fragckern im Auge zu halten. 5. Die Frage muß allen pädagogischen Anforderungen entsprechen. Nachdem der Vorsitzende für das Referat im Namen der Versammlung gedankt, bemerkte er, daß es zweckentsprechender wäre, wenn Referent an Beispielen die gute und schlechte Frage erörtert hätte, H. widerlegte dahin, es sei seine Absicht gewesen, Privatstudien in der Methodik und Dialektik zu veranlassen. Da im Referate die Antwort nicht behandelt, rekapitulierte H. die richtige Beschaffenheit derselben und vervollständigte so sein Thema. — Die Leitsätze wurden angenommen. — Böhm— Bernburg hielt nun seinen Vortrag über: „Wie muß der Unterricht in der biblischen Geschichte beschaffen sein, wenn er nach jeder Richtung hin erfolgreich sein fott?" — Bei den verschiedenen Richtungen der Leiter von Religionsschulen wird diese Frage verschiedene Antwort erfahren. Während auf der einen Seite das Hauptgewicht auf das historische Moment gelegt wird, fordern die andern bei möglichster Kürze die ethische Seite ganz besonders berücksichtigt zu sehen; wiederum andere verknüpfen damit die Glaubens¬ und Pslichtenlehre. Alle diese Forderungen seren berechtigt. Da aber den Religionsfchulen nicht die gehörige Zeit zur Verfügung steht, muß man, um allen gerecht zu werden, die goldene Mittelstraße gehen und von dem Guten nur das Beste wählen. Referent zeigt es an vielen Beispielen, wie man auf