Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 34 (29.4.1897)
- Date
- 1897-04-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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tllTnl, Jahrgang. Iweitr Beilage M 34 -es „Asmeltt". Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Aus der Provinz Brandenburg, im April. Eine ernste Mahnung gegen Mißbrauch der Publicität möge in Nachfolgendem für Alle, die es angeht, hier zur Sprache gebracht werden. Es hat sich in neuerer Zeit in viele unserer jüdischen Preßorgane eine große Taktlosigkeit oder mindestens Gedankenlosigkeit eingeschlichen, die nicht selten von höchst üblen Folg"n für davon betroffene Personen, daher auch mit allem Ernst und Nachdruck zu rügen und — in der Folge durchaus abzustellen ist. Es zeigt sich diese Taktlosigkeit nämlich darin, daß bei Gelegenheit vorkommender Neuwahlen, zumal in größeren jüdischen Gemeinden, wo ein Rabbinats- oder ähnlicher Amtssitz zum öffentlichen Konkurs ausgeschrieben war, die Berichterstatter unserer jüd. Blätter sich beeilen, von dem stattgehabten Konkurrenzkämpfe alles und jedes der oft nicht gar schönen Vorkoinmniffe mit Nennung der Namen zu berichten, ohne Rücksichtnahme auf deren Träger, welche dabei eine nur negative Rolle gespielt haben. Rücksichtslos tragen sie so, ohne der Würde der Personen oder des gesammten Standes der in Frage kommenden Kandidaten zu achten, die Namen der in der Probe nicht glücklich Gewesenen in die breite Oeff 'lichkeit, sie gleichsam vor den Augen ihrer bisherigen Gemeinden und aller Welt an den Pranger stellend Uno manche unserer Redactionen — onn» ‘rn ms üö® ab: — nehmen solche Berichte ohne weiteres auf, drucken sie gedankenlos ab, als ob es irgendwie im Jntereffe der Allgeineinheit läge, daß man nicht bloß den Namen des für den betr. Posten bei der Wahl endgiltig Durchgekommenen, sondern auch die aller etwaigen Gegenkandidaten, welchebeiderselben„durchgefallen"sind, erfahre. Wenn schon die öffentlichen Konkursausschreibungen für erledigte Rabbinatssitze und ähnliche Amtsftellungen namentlich, wenn es größere Städte betrifft, nicht am Platze sind, und sich schlecht mit der wahren Würde unseres höheren Beamtenstandes vertragen, wenn ferner die Ehr- und Standesgefühle dieser Beamtenkategorie durch die dabei obligaten Schaustellungen mit Probevorträgen, Anstandsvisiten, Parteiprakliken und vetterhaften Schiebungen rc. auf eine harte Probe gestellt werden und oft grade die würdigsten, bescheidensten, verdienstvollsten oder älteren Mitkonkurrenten in solchem ihrer unwürdigen Konkurrenzkämpfe unterliegen — wie es ja überhaupt unter diesen Allen nur für Einen möglich ist, als Sieger aus der Urne hervorzugehen — sollte man doch a posteriori wenigstens so viel Rücksicht, Takt und Anstandsgefühl gegen Alle walten lasten, nur mit dem Endresultate jeder Neuwahl und nur unter Namensnennung desjenigen Kandidaten vor die Oeffentlichkeit zu treten, welcher für den vakanten Posten erwählt worden ist, nicht zugleich oder gar schon vor dem Abschluste der Wahl auch die Namen der Mitkonkurirenden oder zur Probe Berufenen gleichsam statistisch aufzuzählen oder — festzunageln. Denn ein solches Verfahren ist in jedem Betracht ein unschickliches, ja verwerfliches. Abgesehen davon, daß es ein absolut zweckloses, weil vor der Oeffentlichkeit doch vollständig gleichgiltig ist, welche und wie viele der Probekandidaten da oder dort bei der Wahl durchgefallen, läßt auf diese jenes rücksichtslose Verfahren stets ein Odium fallen, das ihnen keineswegs zum Vortheil gereichen kann, das in den meisten Fällen ein ungerechtes, weil unverdientes, in allen Fällen aber sowohl der Ehre, als nicht minder auch der bisherigen Amtsstellung und Autorität der Betroffenen nachtheiliges und schädigendes ist. Charakteristisch hierfür ist, was z. B. einmal einem bei der Wahl durchgefallenen Probekandidaten vor seiner Rückkehr in die Heimathgemeinde von Seiten eines spottsüchtigen Vorstehers nachgewitzelt wurde: „Nun unser Herr Doktor P. P., der ist kein verlorener Mensch; — er wird schon zurückkommen." Also: Videant consules! Mögen die Herren Berichterstatter, wie die hochverehrlichen Redactionen unserer jüdischen Preßorgane, von dieser unleidlichen Praxis in der Berichterstattung abstehen und in Zukunft mehr der weisen Mahnung eingedenk sein: . . . n6a ro:n »db> aanana rinn cuan, R. ": bbnrv ov «xor. Breslau, 28. April Die Errichtnng des lange ersehnten neuen Schlachthauses, welcheso manchen und unerträglich empfundenen Mißftand beseitigte, hat auch, wie der „Jüd. Preste" geschrieben wird, einen energischen Einschnitt in eine alte schwärende Wunde gethan, durch welchen voraussichtlich ein schweres Nebel, an welchem die Kaschruth-Verhältniste unserer Stadt gleich denen anderer Großstädte seit einem Menschenalter kranken, von Grund auf beseitigt werden dürfte. Es handelt sich um die sogenannten „wilden" Koscherschlächter, d. h. Fleischwaarenhändler, welche ohne irgendwelche Rabbinatsaufsicht Schächter nach eigener Wahl anstellen und aus ihrer Tasche besolden und dafür von diesen — sagen wir — eine gewisse moralische Glafticität in Bezug auf Unterscheidung von Koscher und Tresah erwarten und erreichen. Wie trübe es in der mit den Kaschruth-Verhältnisien bei diesen Händlern bestellt ist, das