Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 32-33 (27.4.1897)
- Date
- 1897-04-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVIII. Jahrgang. M »9 & 88 Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von Dr. Xefittramt in IW«ini. Dienstag, den 27. April 5657(1897). Die vorliegende Nummer konnte, der Feiertage halber, erst heute zur Ausgabe gelangen. Die nächste Nummer (Doppelnummer) erscheint Montag,^ 3. Mai. Für Bum LMelvK abonnirt man bei allen Postanstalten für die Monate <<S< Mai und Juni auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSfchalter des Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Eipeüttion ües „Israelit". Leitender Artikel. Ordre de bataille. Mainz, 26. April. Selbst bedeutende Männer entgehen oft nach ihrem Tode nicht dem Geschick mißverstanden, wenn nicht gar verkannt zu werden. Hat ein großer Mann einmal auf das äußerste gereizt in heiligem Zorne seiner Empörung freien Lauf gelassen, gewettert und gedonnert und von edler Leidenschaft entflammt den Feinden der von ihm vertretenen Sache hart zugesetzt, so meinen die kleinen Nachahmer, wenn sie nicht immer in Ertase sich befinden, nicht anhaltend klopfen und schreien, sie seien ihres großen Meisters nicht würdig. Sie vergessen nur Eines dabei. Derjenige, dessen Beispiel sie nacheifern wollen, hat nicht immer gewettert. Nur in seltenen Fällen, in Zeiten der Gefahr, ließ er die Zügel schießen, gab seinem Rosse die Sporen, um die heranrückende Phalanx der Gegner zu durchbrechen und so den Sieg an seine Fersen zu heften. Der mächtige Eindruck, den das plötzliche Aufleuchten solch heiliger Begeisterung hervorruft, geht vollständig verloren, wenn immerwährend gepoltert und wenn gemerkt wird, wie der Gegner in kleinlichem Gezanke und Geplänkel seine Kraft aufreibt. Auch das Wirken des Begründers dieser Blätter hat man in dieser Beziehung vielfach verkannt. Als wir heute vor sieben Jahren die der müden Hand des Meisters entfallene Feder aufnahmen, um das von ihm begründete Werk zu erhalten und fortzuführen, da glaubte Mancher, daß wir um die Nachfolgerschaft Dr. Lehmanns zu dokumentiren, nunmehr einen frischfröhlichen Krieg gegen die „Reform" beginnen würden, wie er zur Zeit der heißen Kämpfe vor fünfundzwanzig und dreißig Jahren ausgefochten wurde. Man übersah aber dabei, daß diese Zeiten des heißen Kampfes Gottlob vorüber sind. Niemand denkt heute mehr daran dem wirklichen Judenthume seine Existenzberechtigung abzusprechen und das Poltern und Wettern würde seinen Zweck verfehlen. Wohl erhebt sich noch hie und da einer oder der andere der alten Hasser, aber Niemand hört mehr auf sie. Niemand nimmt sie mehr ernst. Es genügt, wenn man ihnen in jener maßvollen Weise entgegentritt, die das Bewußtsein der Kraft verleiht und die den Begründer dieser Blätter so sehr auszeichnete, daß sie mit einer der Ursachen seiner großen Erfolge gewesen. Sind nun die Gefahren, die das gesetzestreue Iudenthum in seiner Wurzel erfaßten, glücklich beseitigt, so sind diejenigen, die den Baum und die einzelnen Zweige desselben bedrohen, um so größer geworden. Kein Reformheld würde es heute mehr wagen die Anhänger des gesetzestrenen Judenthums mit jener Lauge giftigen Spottes zu übergießen, mit welchen man uns vor einem Vierteljahrhundert zu besudeln versuchte, dagegen verschmäht es heute der selbst Alles negirende Stammesgenoffe nicht, mit dem conservativen „Bruder", demselben „altmodischen"