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Der Israelit · 1897-04-15 · Heft 30-31 (15.4.1897) · page 31

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 30-31 (15.4.1897)
Date
1897-04-15
Page
– (sequence 31)
Language
German
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589 Essens erkundigte er sich bei seinem Wirthe nach den Verhältnissender Cultusgemeinde und hörte, daß dieselbe aus einer kleinen Zahl von Mitgliedern bestehe, von denen durch den Krieg noch mehrere fehlten, die theils als Solvaten, theils als Lieferanten abwesend feien. Insbesondere sagte der Kaufmann, fehlt uns ein Mitglied, welches stets den Vorbeter abzulösen pflegte und müsse dessen Funktion von einem wenig dazu geeigneten übernommen werden, da man trotz aller Mühe einen HilfSvorbeter nicht erlangen konnte. Der Arzt entgegnete, daß er nöthigenfalls eines der Gebete übernehmen könne und bat seinen Wirth dem Cultusvorstand hievon Mittheilung zu machen. Als die Zeit zum Abendgottesdienst herannahte, entnahm der Arzt seinem Koffer, TaliS und Machsor und begab sich mit seinem freundlichen Wirthe zur Synagoge, wo er wahrend des mehrere Stunden währenden Gottesdienstes in tiefster Andacht verharrte. Des andern Morgens fand er sich schon in aller Frühe im Gotteshause ein und verließ während des ganzen Tages keinen Augenblick seinen Platz. Nach dem Minchagebet entstand eine längere Pause, da es noch ziemlich früh am Tage war und endlich stellte es sich heraus, daß Niemand vorhanden war, der das Milagebet vortragen konnte; denn das Gemeindemitqlied, das sich vor einigen Tagen dazu bereit erklärt hatte, fühlte sich durch das Fasten zu sehr entkräftet. Es entstand einige Verwirrung und ein der Andacht wenig förderliches Hin- und Herreden. Da trat der Cultusvorstand zu dem Fremden und sprach: „Mein Herr! Ihr Wirth Herr K. sagte mir eben, daß Sie die Güte haben würden, das Neilagebet vorzutragen und wir acceptiren dankend Ihr Anerbieten; wäre ich früher hiervon unterrichtet gewesen so hätte ich Sie zur Thora rufen lassen, doch dazu ist es jetzt zu spät. Nachdem die vor dem Nöilagebet leise zu verrichtenden einleitenden Gebete gesprochen waren, betrat Dr. Stark, denn das war unser Gast, lden Omed. Mit kräftiger und doch melodischer Stimme begann er den bekannten Milakadisch. Kaum waren die ersten Töne erklungen, vernahm man aus der Frauenabtheilung einen leisen Schrei, dem ein dumpfer Fall folgte, eine Frau war ohnmächtig geworden. Das ist an einem so strengen Fasttage und bei langem Verweilen in meistens schlecht ventilirten Räumen nichts Seltenes und schon nach kurzer Zeit, da die inzwischen wieder zu sich gekommene Dame die Synagoge verlassen zu haben schien, nahm der Gottesdienst seinen ungestörten Fortgang. Mit tiefer Innigkeit betete Dr. Stark vor und Alles war ergriffen von dem hohen Verständnisse und der vollendeten Vortragsweise, der an und für sich schon so rührenden Gebetsstücke. Nach Vollendung derselben nahten sich ihm alle Theilnehmer, beglückwünschten den unerwarteten Helfer und dankten ihm aufs herzlichste. Als einer der Letzten verließ er das Gotteshaus und als er den schwach erhellte» Vorplatz desselben betrat, da stürzte ihm ein blasses Weib entgegen; sie wäre ihm zu Füßen gefallen, hätte er sie nicht in seinen Armen aufgefangen. „Heinrich, teuerster Mann, vergieb" mehr vermochte sie vor Schluchzen nicht zu sprechen. Auch Heinrich war vor Erstaunen fassungslos und hielt sie einige Augenblicke wortlos umfangen. Dann sprach er in seiner milden Weise: „Wir haben Beide gefehlt und gebüßt, möge der heutige BersöhnungStag uns für das ganze Leben versöhnen." Die Feder ist zu schwach, um die Gefühle zu beschreiben, mit welchen die Beiden, die sich nun endlich wieder gefunden hatten, das Gotteshaus verließen. Sie begaben sich in die Wohnung von Hedwig's treuer Freundin und wurden von ihr und deren Familienangehörigen jubelnd begrüßt.Z Die Helden unsrer Erzählung leben heute noch in einer großen Stadt Süddeutschlands, von Kindern und Enkeln umgeben, geliebt und hochgeachtet, ob ihrer Tugend, Frömmigkeit und Wohlthätigkeit. Anzeigen. "WW Für deu folgenden Theil ist die Redaktion nicht verantwortlich /Lin Sohn achtbarer Eltern, V* welcher Lust hat, daL Klempneru. Installation-» Geschäft zu erlerne«, findet zu Mai ordentliche Stellung bei «. Jakob-, (2240 Klempnerei u. Installation, Heil-genhauS, Bez. Düsseldorf. Samstag« wird nicht gearbeitet. süchtige religiöse Köchin für größere- HauSwesen Rheinlands gegen hohes Salair gesucht Off. u. 2177 an die Geschäftsstelle dsS. Blattes. Großes Lager in Chumoschim Machsor i in, Schulbücher Gebetbücher mit und ohne liebe rsetzung in einfachen bis zu den "feinsten Einbände«. Billigste U hebräische Buchhandlung, Frankfurt a. M. Allerheiligenfiraße 87. (1136 Großes Lager in Wollenen und seidene« Talesim, Zizis, Tefillin, M68U808, sowie in fämmtlichen Ritualien. Bezugsquelle für Wiederverküuser /Lin ordl. Müdch. für kl. Vs Haushalt, w. feldstst. kochen kann, gesucht per I. Mai. Lohnanspr. erbet. Dienstmagd vorhanden. (2227 Frau 9R. «rüuebaum, Wattenscheid. iLuche per sofort einen tüchtigen v Metzgergehülseu. welch, selbstständig einer Metzgerei vorstehen kann. Gefl. Off. mit Zeugniß-Abschriften unter Nr. 2210 an die Geschäftsstelle dfs. Blattes.

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