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Der Israelit · 1897-04-15 · Heft 30-31 (15.4.1897) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 30-31 (15.4.1897)
Date
1897-04-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXVm. Jahrgang. <krkr iril )U M 30 & 31 des „Israelit". Leitender Artikel. Freiheit! Eine Fc ft b e t r a ch1u n g von Robb. Dr. A. Ackermann, zu Brandenburg a.H. Wiederum nahet uns eines Festes heilige Berufung! Nissan, der Frühlingsmonat ist heraufgezogen, gleich einem Lichtbolen Erlösung kündend! O, cs ist nicht nur draußen auf Feld und Flur und Rain und Wald, wo es sproßt und keimt und treibt, wo die tobte Au sich mit neuem Grün bedeckt und frische Säfte in t>te kahlen Reste steigen, es ist nicht nur draußen, auf Markt und Straßen, wo die junge Sonne ihre goldenen Strahlen über Hütten und Paläste gießt und ihren schimmernden Glanz lächelnd spielen läßt auf Zinnen und Dächern — in unserem Herzen auch steigen neue Hoffnungen sprossend und keimend hervor, ein belebender Strahl fällt weckend und wärmend in seine Tiefen und ruft all seine Triebe nach langem Winterbanne zu neuer Vlüthe! z'zxi L'-n — Der Monat der Aehrenreife ist da — und cs reifen Entschlüsse und Pläne, und sie drängen zum Lichte und wogend erfüllen sie unseres Herzens Felder, w enn — Der Monat des Glanzes ist da — und es glänzt uns ein Panier entgegen, daß es tagt in allen Finsternissen und hell wird in allen dunklen Tiefen, und auf dem glänzenden Paniere pranget in leuchtenden Lettern die goldene Inschrift: „Freiheit!" Nun wird es wieder erklingen, das „neue Lied", das wir anstimmen vor dem Allhern, nun werden sie wieder tönen, die Hallelujah, und mit ihrem Jubel die Herzen füllen und die Seele erzittern machen in Ehrfurcht! Nun werden sie wieder vor uns aufsteigen, die erhabenen Lehren, die das Fest der Erlösung uns zeiget in deutlichen, frommen, altehrwürdigen Bildern! Uns ist, als stiegen wir hinab in einen tiefen, tiefen Schacht, gleich einem Bergmanne, in den unergründlich tiefen Pesachschacht, um aus seinem kostbaren Gestein den werthvollsten, den glänzendsten Demant hervorzuholen.-Da thun sich uns zahllose Windungen und Gänge auf, geheime Thüren öffnen sich wie von einer Zaubermacht, wir blicken in eine Wirrniß von Räumen und Wegen und überall glitzert und sprüht es von leuchtendem Edclgestein, seltsame Gebilde fesseln unser Auge, schlanke Säulen und breite Bänke, spitze Zacken und riesenhafte Fetsblöcke — 'b znt jncjr n*:is tee Eipe — „Der Saphir nistet im Gestein und Staub des Goldes glüht auf." -nre cipc nr«‘ «ion pxs nonnm — „Wo aber lagert in diesem Schachte die Weisheit," die Weisheit, die uns belehre und erziehe und zu besseren Menschen mache? Wo lagert die Einsicht, die Erkcnntniß, die uns erleuchtet und erquickt, die nimmer veraltet und vergeht? Wir stehen verwirrt und können nicht wählen in all der Pracht und Kostbarkeit! Sieh' hier eine Tafel aus schwarzem Granit. Auf ihr sind eingegraben die Worte: .E'itt: pixe 7wn tsj? 2 msr „Gedenke, daß du ein Knecht gewesen im Lande Aegypten Sb wir uns diese Tafel mitnehmen, auf daß wir nimmer im Glücke uns überhcben oder im Wohlsein der Noth vergessen? Auf daß wir im Besitze spenden und im Reichthum Gutes thun für Jene, die noch in Knechtschaft schmachten? Dort ein steinernes Schwert, mächtig und zweischneidig, in seiner Mitte lesen wir die drei Worte: nb'vn VT! „Es war um Mitternacht!" Sb wir das Schwert uns aneignen zum Gedächtuiß dessen, daß Gott der Feinde Starrheit mit gewaltiger Waffe löst und die Mächte des Hasses mit seines Zornes Grimm darniederschlägt? Hier eine steinerne Kugel, umschrieben von dem Spruche: .jtve '2p nenn: ~cnn ™? Ep 2 bx Pxvtr br,' „Israel harre auf Gott, denn bei Gott ist Liebe und Erlösung bei Ihm!" Sb wir die Kugel aufheben und mit ihr diese herrliche Lehre, von der all unser Denken ausgeht und in die all unser Denken mündet! Dort eine steinerne Fahne mit der Inschrift: .1127! zb'vb '2 2!U ’2 X „Danket dem Herrn, denn er ist gütig. Ewig währet seine Liebe!" Ob wir die Fahne emporheben und uns das Herz anfüllen mit jenem unauslöschlichen Dankgefühl, das des Menschen Herz zu einem Jubelsang gestaltet, des Menschen Wort zu einem innigen Gebet? Doch halt —!-dort — dort oben strahlt ein Edelstein — in herrlicher Farbenpracht leuchtet er hernieder — er ist'S, den wir suchen — weit oben haftet er, aber wir recken uns empor und mit kühnem Griff und festem Finger brechen wir ihn heraus aus seiner Enge — jubelnd halten wir ihn empor' — steigen wir mit ihm herauf an das Licht unseres Festes und jubelnd lesen wir auf ihm die zwei Worte: .ruin; rrtrn „D ie Freiheit ist gegeben!" Ja, Freiheit! Das ist ja der alles übertönende

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