Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 30-31 (15.4.1897)
- Date
- 1897-04-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXY1II, Jahrgang. i^/iH?yj‘ M 30 & 31 Der Israelit. Ern Eentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudentßum. Begründet von Dr Hermann in Utainj. Donnerstag, de« 15* April 5657 (1897)» Wr^f" itnfere nächste Nummer, wiederum eine Doppelnummer, erscheint des heiligen Pesachfestes wegen, Montag den S6. April. Leitender Artikel. Kagaday schel Gefach. Elfte Serie. Mainz, 11. April. IV. .— 'in nb'bn 'xrc m pa: — 1:1 nanB” Langsam nähert sich der Seder seinem Ende. Schon längst hat der Vater dem göttlichen Gebote Genüge geleistet und seinen Kindern von dem Auszuge aus Egypten und den dabei stattgehabten Wundern erzählt. Die müden Augen der jüngsten Lieblinge haben sich längst geschlossen und im Traume umfangen sie noch die herrlichen Bilder von dem vielen Schönen und Wunderbaren, was sie heute gesehen und gehört haben. Auch die Erwachsenen haben bereits, nachdem die Kinder zur Ruhe gebracht, sich gegenseitig viel und lange erzählt, damit die Erinnerung an die Befreiung Israels aus dem Sklavenjoche und die Erwählung der Nachkommen Israels zum Gottesvolke stets frisch und lebendig erhalten werde. Wir haben das Festesmahl bereits eingenommen, das Tischgebet verrichtet und herrliche Dankeslieder zum Preise des Herrn angestimmt. Wir sprechen nunmehr noch den Segensspruch „Jischtabach", in welchem wir fünfmal der Königswürde Gottes gedenken, entsprechend dem im 24. Psalm fünfmal vorkommenden Ausdruck „König der Ehre". Wir wenden ferner darin fünfzehn Ausdrücke des Lobes an (nimm -,x in r») entsprechend den fünfzehn Stufengesängen, die der Psalmistfür die fünfzehn Stufen im Heiligthum gedichtet, die man hinaufstieg von der Esrath Naschim zur Esrath Jisroel und auf denen die Leviten zum Gesänge standen. Auch an die fünfzehn Buchstaben des Segensspruches der Priester sollen uns die fünfzehn Lobesbezeugungen gemahnen und wie der Heilige, gelobt sei Er, uns durch den fünfzehnfachen Segensspruch segnet, so preisen auch wir Ihn durch fünfzehn verschiedene Lobeswörter. Jetzt stimmen wir den Festgesang an, dessen Refrain bildet .nb-bn 'ifna vm „Es war in der Mitte der Nacht." — Nacht! Welche Empfindungen ruft dieses Wort in des Menschen Brust hervor! Will der Dichter Tod und Schrecken, Muthlosigkeit und Angst schildern, so wählt er sich eine dunkle, sternenlose Nacht, in der die grausigen Dinge, die er erzählen will, geschehen sind. Blitze erhellen grell die Nacht, um dann das Dunkel derselben desto trauriger den Menschen empfinden zu lassen. Ein Bild des Nichts, des Todesreichs, der Vergänglichkeit und Gruft ist dem Menschen die Nacht und bleiche Gespenster schrecken oft seine Träume. Aber auch die Schönheiten und Wonnen der Nacht weiß der Mensch zu würdigen und die Lieder, die die lauen Frühlingsnächte besingen, die von der Nacht erzählen, die des Tages Wunden heilt und die müden Wanderer zur Ruhe lädt, gehören zu den besten Erzeugnissen der Lyrik aller Nationen. Wenn sich die Thränen, die der Tag gewaltsam zurückgehalten in mächtigem Laufe lösen, wenn der bittere Gram sich still zur Wehmuth läutert, wenn der Schlaf, der wie ein reines Glück ungerufen und ungebeten sich einstellt und Kummer und Gram vom Lager scheucht und Alles was bei Tage dem armen Sterblichen das Herze bricht — völlig vergessen läßt — dann möchte der Mensch aufgehen in der einen Bitte — erwecket mich nicht zu neuer Sorge und zu neuem Kummer —