Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 29 (12.4.1897)
- Date
- 1897-04-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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553 vor Jahresfrist anläßlich seines Verzichtes auf die Vürgermeisterstelle Versprechungen weder verlangt noch gegeben worden seien. Auch der Appell, welchen Herr Lueger an die freisinnige Minorität richtete, entspricht den Wünschen der Regierung. Es ist bekannt, daß von dieser Seite Anstrengungen gemacht werden, um die freisinnige Minorität zur Annahme einer Viee-Bürgermeisterftelle und einiger Stadtrathsstellen zu bestimmen. Rußland. Petersburg. Nach einem Bericht der Regierung ist es den jüdischen Handelsleuten nicht mehr gestattet, in den Dörfern Handel zu treiben. Auf Grund dieses Berichtes ist es einem Handelsmanne in Zagorze bei Dambrowa in Russisch-Polen untersagt worden, sein Geschäft weiter fortzuführen, und da er nicht Folge leisten wollte, erschien in seiner Behausung der Gmyni-Wojt (Amtsvorsteher) mit einer Anzahl Bauern und räumten das Geschäftslokal, indem er sämmtliche Waaren auf die Straße schaffen ließ. Da der Geschäftsinhaber nicht in der Lage war, sofort für anderweitige Unterbringung der Waaren Sorge zu tragen, so wurde demselben ein großer Theil derselben gestohlen. T ü r k e i. Kottstantinopel. Kürzlich ist hier die erfreuliche 'Nachricht eingelaufen, daß die Baronin von Hirsch vor kurzer Zeit der jüdischen Gemeinde dieser Stadt 50,000 Francs zur Verfügung gestellt hat mit der Bestimmung, dieses Geld für den Bau einer großen Talmud-Thora-Schule zu verwenden. Aber einen noch viel größeren Beweis von Jntereffe hat Smyrna von der hochherzigen Baronin von Hirsch erhalten. Auf die Anregung und die Bitte hin, die Herr G. Aritz, Direktor der Schule der Alliance- JSraelite, präsentirt, hat die freigebige Philantropin beschlossen, in der Umgebung von Smyrna ein ganzes Stadtviertel erbauen zu lassen, da« auf Vorschlag und nach Wunsch der smyrnioter Israeliten den Namen Clara von Hirsch tragen soll. Dieses Viertel wird von den aus Rußland geflüchteten Juden, die stch bereits seit drei Jahren in dortiger Stadt aufhalten, bewohnt werden. Die Zahl dieser Familien beträgt 150. Abgesehen nun von der colossalen Summe, welche die Errichtung dieser Häuser erfordert, hat sich die edle Menschenfreundin noch erboten, allen Mitglieder, dieser kleinen Colonie wirthschaftliche Geräthe und Capitalien zu liefern. Eine Schule und ein Bethaus werden natürlich auch errichtet werden. — Im kurzen Zeiträume von einem Monat sind mehrere Glaubensgenossen der Hauptstadt, vom Sultan ausgezeichnet worden. Herr Josef Bey Navon, oem man die Bahn von Jaffa nach Jerusalem verdankt, ist zum Range eines Geheimraths II. Classe erhoben worden. Herr Jouschi Bey Lövy, Sohn des Großrabbiners der Türkei und Mitglied des Consolatbureaus im auswärtigen Amte, ist zum Regierungsrath I. Classe ernannt worden. Herr Elia Effendi Chaki, Unterchef im Amte der auswärtigen Angelegenheiten, ist von Sr. Majestät dem Sultan durch Ernennung zum Regierungsrath II. Classe ausgezeichnet worden. Es ist dies der Schwiegersohn Sr. Excellenz Aron Effendi de Leon, Herr Jaque« Effendi de Lvon, Sohn Sr. Excellenz Aron Effendi de Läon und zweiter Uebersetzer im Amte der direkten Steuern, ist zum Range eines Rathe« II. Classe erhoben worden. Herr Abraham Effendi Tresco, der seit Jahren Lieferant des Kriegsministeriums ist, wurde zum Geheimrath I. Classe ernannt. Ein junger, verdienstvoller Arzt, Herr Dr. Hoddara Effendi hat die IV. Classe des Medjidije-OrdenS erhalten. Auch die Rettungsmedaille hat ein Jude erhalten. Herr Weiß an der Orientalischen Eisenbahn bedienftet, hat jüngst den Zusammenstoß zweier Züge verhindert. UebrigcnS ist Herr Weiß mit Thaten von Tapferkeit schon längst vertraut. Er trägt die Miliärmedaille, die er im fernen Osten, in Tonking, sich verdient. Herr Jakob Schapirer, Hoflieferant Sr. Majestät des Sultans, hat aus Dankbarkeit für die Ehre, die ihm der Großherr der Türkei erwiesen, 200 vollständige Anzüge dem Krankenhause der kaiserlichen Marine gespendet — ein Akt, der eigentlich geheim gehalten werden sollte, aber eben deßhalb um so mehr das Licht der Oeffentlichkeit verdient, da er noch dazu die allgemeine Anerkennung für sich hat. Amerika. Salt Lake City (Utah). General Frederic Salomon, ein geb. jüd. Deutscher, der im Secessionskriege aus Seiten der nordamerikanischen Union mit großer Auszeichnung gefochten hat, ist gestorben. Im nächsten Monat hätte er das 70. Lebensjahr erreicht. Er bekleidete die Stellung eines Generalvermessers während der letzten drei Bundesadministrationen. Salomon war in der Nähe von Halberstadt in Preußen am 7. April 1828 geboren und erhielt seine Schulbildung auf dem Gymnasium und der Realschule zu Halberstadt. Er wurde dann Geometer und diente als Einjahrig-Freiwilliger in der Artillerie in Preußen. 1848 studirte er in Berlin das Baufach, wanderte aber im Frühjahr 1649 mit seinem älteren Bruder nach Amerika aus, wo er seinen Wohnsitz in Manitowa, im Staate Wiskonsin aufschlug. Beim Ausbruche des Krieges trat er zunächst als Kapitän in das von seinem Bruder, K. E. Salomon, eommandirte 5. Regiment Missouri-Freiwilliger ein und machte den Missouri-Feldzug (Sommer 1861) mit. Im August 1861 wurde er vom Gouverneur