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Der Israelit · 1897-04-12 · Heft 29 (12.4.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 29 (12.4.1897)
Date
1897-04-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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mTlH Jahrgang. .tt- «t-*' s**^r«y.£TN2 JK 99. Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenlhum. Begründet von Dr. fe^mann in Hain}. Montag, den 12. April 5657 (1897). Leitender Artikel. Alk stililk WlriisMM der iWfdjui Kehrnr in feiner Gemkinde. Von I Lebermann, Darmstadt. Die Fortschritte der Bildung und des Wissens, die Entwickelung der Kultur und der sozialen Kämpfe der Gegenwart haben nicht verfehlt, den einzelnen Menschen wie die Gesammtheit öffentlicher Corporationen zur gründlichen Ausbildung ihrer Fähigkeiten, zur Erweiterung ihrer Kenntnisse und Ziele, sowie zu erhöhter Leistungsfähigkeit anzuspornen. Namentlich ist es das soziale Moment, die Rücksichtnahme auf das Wohl und die Bedürfnisse der Allgemeinheit, welches bei allen Faktoren, bei allen Fragen und Bestrebungen bestimmend auftritt und Staat und Kirche, Schulen und Vereine, Familie und Gemeinde, Kapital und Arbeit in gleicher Weise beschäftigt. Auch das Judenthum ist von jeher und besonders seit seinem Eintritt in die Reihe der staatlich anerkannten Religionen, seit der Emanzipation seiner Bekenner bestrebt gewesen, letztere mit der Hingebung für das Gemeinwohl, mit der Gesinnungstüchtigkeit und Humanität zu erfüllen, wie es die Interessen der Gesammtheit erfordern und in dem Wesen einer auf den Grundsätzen edler Nächstenliebe und uneigennützigen Zusammenwirkens aufgebauten Religion von selbst begründet ist. Wenn dies in der heutigen Zeit ganz besonders betont werden muß, so tragen daran die bedauerlichen Erscheinungen finsteren Rassenhasses und unmenschlicher Religionsverfolgung die Schuld, welche, so verwerflich und unwahr sie in ihren Zielen und Mitteln sind, dennoch die Wirkung gezeitigt haben, daß sich die Juden lvieder enger zusammenschließen, um in gegenseitiger Annäherung Glaubensbegeisterung, Kraft und Stärke zu gemeinsamem energischen Kampfe gegen Lüge und Intoleranz zu gewinnen, aber auch andererseits bessernde Hand anzulegen, wo Handel, Verkehr, gesellschaftliche Sitte, Takt und Lebensart eine entschiedene Aenderung in den Beziehungen mancher Klassen unserer Glaubensgenossen zur Oeffentlichkeit erheischen — mit anderen Worten — die jüdische Gesammtheit in sozialer Hinsicht zu heben. Unter den Faktoren, welche zur gesellschaftlichen Förderung der jüdischen Gemeinde berufen sind, nimmt der Lehrer, namentlich auf dem Lande, eine entscheidende Stellung ein, und seine Thätigkeit in dieser Hinsicht würde noch begeisterter und erfolgreicher geübt werden können, wenn verschiedene nothwendige Vorbedingungen in seinem Verhältniß zur Gemeinde und zum Staate erfüllt wären. Ich will von diesem Punkte später sprechen und ohne Rücksicht darauf versuchen, ein Bild von der sozialen Wirksamkeit des jüd. Lehrers zu zeichnen, wie es von der Bedeutung, Heiligkeit und der hohen Aufgabe seines Berufes eigentlich erwartet werden kann. Die Einwirkung des Lehrers in sozialer Hinsicht kann sowohl innerhalb als außerhalb seiner beruflichen Thätigkeit erfolgen. Es ist eine Thatsache, die die Erfahrung uns gelehrt hat, daß das Auftreten eines Menschen und seine Lebensart in gleichem Verhältniß zu seiner geistigen und Gemüthsveranlagung stehen, daß je nach Bildung und Wissen die Anforderungen in gesellschaftlichem Takt bemessen werden, und in gleicher Weise eine Korporation äußerlich respektiert wird, und würdig zu repräsentieren versteht, je mehr dieselbe die Pflege idealer Aufgaben verfolgt. Dieser Erkenntniß entsprechend, ist es selbstverständlich, daß der Lehrer in richtiger Erfassung seiner Aufgabe besonders von der Stätte seiner Wirksamkeit, also in Schule und Synagoge den Grundstein zur Erziehung

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