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Der Israelit · 1897-04-01 · Heft 26 (1.4.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 26 (1.4.1897)
Date
1897-04-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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492 Wersonakien Schrimm (Unliebsam verspätet.) Schon wieder hat unsere Gemeinde einen schweren Verlust erlitten. Herr Meyer Reisner, Inhaber einer Eisenhandlung Hierselbst, ist nach kaum 8 tägigem schweren Leiden unserer Gemeinde und Stadt durch den Tod entrissen worden. 'Er war einer der achtbarsten Männer hiesiger Stadt, ein treuer Anhänger des Judenthums, beschästigte sich namentlich am p' tP mit Vorliebe mit dem Studium der Thora und zeichnete sich durch strenge Rechtschaffenheit, Wahrheitsliebe und Bcthätigung echter Wohlthätigkeir aus. Sein Familienleben war geradezu musterhaft. Durch seine Intelligenz war er in hervorragender Weise befähigt, Jahre lang verschiedene Ehrenämter in hiesiger Gemeinde und Stadt zu bekleiden. So war er Jahre hindurch Vorstand und Schulvorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde, Stadtverordneter rc. rc. An die Worte des tsniD anknüpfend nc *pn ,71^1/03 hd’ -pn ,Tvjn ne’ -pn mina HS’ "pn mSD3 HD’ "pH ,7ni3N schilderte Herr Rabbiner Dr. Bamberger das Bild des Entschlafenen und^ den großen Verlust, den die Familie, die Gemeinde und ^tadt durch dessen Hintritt erlitten. Möge der Allgüiige die halt geprüfte Familie trösten n"3Sjn Gcheimm Heute feierten die Jacob Schwer senz'schen Eheleute hier das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Zu diesem Ehrentage wurde dem Jubelpaar von Sr. Majestät dem Kaiser uud König die Ehejubiläums-Medaille verliehen. Diese wurde von Herrn Rabbiner Dr. Bamberger nebst einem im allerhöchsten Aufträge von dem geheimen Kabinetsrath ergangenen Glückwunschscdreiben im Aufträge des Kgl Herrn Landraths überreicht. In seiner Ansp ache betonte Herr Dr Bamberger den guten Ruf als Menschen und Israeliten, dessen sich das Jubelpaar allgemein erfreut. H. Hannover. Ein ebenso schönes wie seltenes Fest begeht demnächst die gegenwärtige Vorsteherin des Pensionats Leverson hierselbft. Am 8. April d. I. sind 25 Jahre verflossen, seitdem die in Gott ruhende Frau Dr. Leverson am hiesigen P'atze eine höhere Töchterschule verbunden mit Pensionat in's Leben rief. Gleichzeitig trat Frl. Constance Levy als Lehrerin in das Institut ein, wurde später Mitvorsteherin und ist seit 189 t — dem Tode der verewigten Frau Dr. Leverson — alleinige Inhaberin der Anstalt. In Gemeinschaft mit der Gründerm hat esHrl. Levy verstanden, das Institut nicht nur aus eine ungeahnte Höhe zu bringen, sondern — was noch schwieriger ist — es auf derselben zu erhalten. Das Pensionat Leverson erfreut sich eines Weltrufes dank der ausgezeichneten Organisation und Leitung desselben. Die Zahl der Schülerinnen schwankt zwischen 96—40, gewiß ein Beweis genug für die vortrefflichen Erfolge, welche erzielt wurden und werden. Wohl die meisten Nationalitäten sind hier vertreten, wir finden Schülerinnen aus England, Australien, Nord- und Süd-Amerika, Rußland, Oesterreich-Ungarn. Schweden, Holland, Rumänien, Deutschland, Spanien, Portugal etc. etc. Dabei sind es durchweg die ersten Kreise, die ihre Töchter der Vorsteherin anver.rnuen. Es dürfte deshalb von Interesse sein, etwas Näheres über das Institut zn erfahren. Die Lage desselben ist die denkbar günstigste und gesundeste. Zwei geräumige Villen mit zwei großen Gärten nebst Spiel- und Turnplatz, großen luftigen Wohn-, Schul- und Schlafräumen, unmittelbar am Stadtwald Eilenrinde gelegen, geben ein Bild von dem vornehmen Comfort der Anstalt. Sine deutsche, englische und französische Lehrerin stehen der Vorsteherin zur Seite: außerdem unterrichten noch die ersten Professoren hiesiger höherer Schulen an der Anstalt, ebenso sind für Musik und Malerei die besten hiesigen Lehrkräfte thätig. Welch' ausgezeichneten Rufes sich aber das Pensionat und welch' großer Beliebtheit sich Frl. Constance Levy auch in unserer Stadt erfreut, geht daraus! hervor, daß viele hiesige Eltern ihre Töchter dem Institute zur weiteren Ausbildung anoertrauen Alles in Allem genommen, kann die Jubilarin mit Stolz auf die zurückgelegte Zeit blicken. Wohl war es viel der Arbeit und Mühe, allein die Erfolge und Anerkennung sind nicht ausgeblieben und reichlich sind die Früchte, die durch das rastlose Wirken der Jubilarin gezeitigt sind. Einem uns vorliegenden Aufrufe zufolge beabsichtigen die Schülerinnen der Anstalt den 8. April durch Veranstaltung eines Festabends im „Neuen Hause" zu begehen und cs unterliegt keinem Zweifel, daß bei der Beliebtheit derJubilarin dieFeicr eine große und allgemeine wird. Frl. Levy möge es aber vergönnt sein, abermals 25 Jahre in ungetrübter Schaffens- und Arbeitskraft zum Wohle und Heile der weiblichen Jugend wirken zu können. Das walte Gott! Feuilleton. Getreu bis in den Tod. 12) Von Maurice Ma?ou Auf eineln Sessel neben dem Belte saß ein junges Mädchen von wunderbarem Liebreiz. Die schönen braunen Augen hafteten mit ängstlicher Spannung auf jeder Bewegung des Kranken. Jetzt öffnete dieselbe wiederum die Augenlider und ein Aechzen entrang sich ihrer Brust. „Noch immer nicht da?" murmelte sie mit schwacher Stimme. „Nein chere maman!“ antwortete das junge Mädchen. „Papa kann ja noch nicht hier sein, der Zug kommt erst in einer halben Stunde. Ich habe unterdeß zum Arzt geschickt." „Zuin Arzt?" wiederholte die Kranke. Eine leichte Röthe überfluthete ihr Gesicht mit einem rosigen Schein. „Ja, chere maman, zum Doktor Frankenheim. Aber Kaschka bleibt so lange, und ich ängstige mich sehr über Deinen Zustand." „Sei unbesorgt, liebe Edith! Es ist keine körperliche Krankheit, die mich an das Bett feffelt, mein Körper ist gesund; aber mein Herz, meine Seele ist zerrissen' Äch, ich glaube an diesen Wunden wird mein Herz verbluten!" Eoita wurde blaß und ein Beben durchflog ihre Gestalt. „Was fehlt Dir, liebe Mama? Ach theile mir doch mit, was Dich so sehr bedrückt. Ich werde Alles thun, um Deinen Schmerz zu lindern. O bitte, bitte chere maman!" „Laß' gut sein, liebes Kino, solche Mittheilungen sind nicht für ein junges Mädchen in Deinem Alter! Doch, sage mir, nanntest Du nicht den Arzt, zu dem Du Kaschka geschickt hattest, Dr. Frankenheim? Ist er nicht." . . . Eine Blutwelle schoß in Edith's Gesicht und bedeckte es mit Purpurröthe. „Der nämliche, der mein Nervenfieber so erfolgreich bekämpft hatte und dem ich zu großem

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