Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 25 (29.3.1897)
- Date
- 1897-03-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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481 im Bericht des Centratbureaus des schweizerischen Metzgermeisterverbandes, daß die Einführung des Schächtverbotes eine kleine Mehreinfuhr von geschlachtetem Fleisch zwar bewirkt habe, daß aber von einem Einfluß auf die allgemeinen Verhältnisse nicht gesprochen werden könne; es scheine, daß die Israeliten sich mehr und mehr den Gewohnheiten des Landes anpassen. Hierauf ging dieser Zeitung eine Correspondenz unterzeichneit S. D. R. nachstehenden Inhalts zu: Die Bemerkung, tvelche Sie dem Bericht des Centralbureaus des schweizerischen Metzgermeisterverbandes betreffend die Wirkung des Schächtverbotes entnahmen, daß nämlich die Israeliten sich mehr und mehr den Gewohnheiten des Landes anpassen, entspricht der Wirklichkeit durchaus nicht. Dieses gegen die Gewissens- und Religionsfreiheit erlassene Verbot verursacht vielmehr den Israeliten allein außerordentliche Einrichtungen und bedeutende materielle Opfer, welche das Gegentheil obiger Behauptung beweisen. Solange dieses intolerante Verbot gehandhabt wird, werden diese Opfer nicht aufhören. Rußland. Lodz, 18. März. Die hiesigen Karl Eifert' scheu Erben haben zum Andenken an ihre verstorbenen Eltern 10.500 Rubel für wohlthätige Zwecke gespendet. Darunter wurden unsere Glaubensgenossen mit 2000 Rubel bedacht, und zwar 1000 Rubel für die Dalmud- Dhora- und jüdische Handivcrkei schule, an deren Spitze der geehrte Herr Moritz Fränkl steht, und l ooo Rubel für verschiedene jüdische Wohlthätigkeitsinstitnte. Es ist dies ein Beweis, wie wenig das antisemitische Gift in bcu gebildeten Bürgerkreisen Rußlands um sich gegriffen. Earl Eifert sen. war ein sehr liebenswürdiger Mensch und hat stets den regsten Antheil genommen an dem Gedeihen jüdischer Wohlthätigkeitsanstalten. England. London. Unter den Wirren in Kreta haben natürlich auch die dortigen Juden zu leiden gehabt, obwohl sie weder von Mohemedanern oder Christen direkt belästigt wurden. Nichtsdestoweniger ist ein großer Dheil von ihnen aus Furcht vor den bevorstehenden Drangsalen geflüchtet, und haben sich in Smyrna, Saloniki unb Alexandrien ein zeitweiliges Asyl gesucht. Sehr wenige sind zurückgeblieben, natürlich gerade die Aermsten. Erfreulicher Weise nimmt sich die englische Regierung ihrer sehr warm an. Obwohl die Synagogen alle geschlossen sind, ist doch der Rabbiner Ehacham Eblagon in Kanäa zurückgeblieben und hat sich um Unterstützung an die Anglo Jewish Association gewendet, welche ihm auch telegraphisch 100o Mk. zur Vertheilung angewiesen hat. Holland. Amsterdam Dr. Dünner, der Oberrabbiner unserer Stadt, ist in dem Streik der Piamantcnschleifer in das Schiedsgericht gewählt worden, welches den Streit zwischen den Arbeitern und den Fabrikanten schlichten soll. Bekanntlich besteht reichlich die Hälfte aller Arbeiter in den Diamantschleifcreien aus Juden. Vermischtes. Würzburg. Nach der „Tribüne" sind Verhandlungen zwischen Baucrnbündlern und Antisemiten im Gange, bei den nächstjährigen Reichstagswahlen in ganz Bayern ein Kompromiß abzuschließen. Für den Wahlkreis Würzburg soll der Pakt schon fertig und ein Kandidat von auswärts erwählt sein. Wieselburg. Von dem echtjndischen Sinne der sich noch hier in unserer Gemeinde bis auf den heutigen Tag erhalten hat, zeigt die vor 0 Monaten erfolgte Errichtung einer m'H “noTn, die von 50 Schülern besucht wird. Wien. Seine k. u. k. Majestät haben geruht den Professoren an der deutschen Prager Universität Dr. Horaz Krasnapolsky und Regierungsrath Dr. Alfred Pribram den Hofrathstitcl zu verleihen. — Unter den neuernannten Mitgliedern des Herrenhauses befindet sich Professor Grünhnt (Fsraelit). In Malakka fand das Leichenbegängniß des in weitesten Kreisen wegen seiner vielgeübten Humanitätsacte be liebten Gutsbesitzers Simon Spitzer unter sehr großer Betheiligung der Stadt und Umgebung statt. Er hat der Gemeinde auf eigene Kosten eine Synagoge bauen und vollständig einrichten lassen, ein nachahmenswerthes Beispiel. Ehre seinem Andenken!_ Berichtigung. In der Auflösung des Preisräthsels von Rr. 17 u 1* hat sich ein Fehler cingefchlichen. Es muß nämlich Nti'jD stattheißen. Briefkasten der Redaetiorr. L. W. in r Wenden Sie sich doch einmal an unseren Eollegcn, Herrn Redakteur Eh. R-, Reichenberg, Eigenthümer der Zeitung: „Die Gerechtigkeit", Krakau, Krakauergasse 7. Sollte dieser Schritt erfolglos bleiben, so bitten wir um nochmalige Rachricht. I. in R Beim "Bezug von Paniermehl kann man nicht vorsichtig genug sein. Bekanntlich wird das Paniermehl aus den altgewordenen Rcstbeständen der Bäckerläden hergestellt. Da den Bäckern Milchbrödchen und mürbes Gebäck ebenso liegen bleiben wie Wasscrseminel, so besteht das Paniermehl im Allgemeinen zur Hälfte aus Resten dieser Backwaaren. Da diese Backwaaren von "Richlinden mit streng verbotenem Fette und Milch hergeftellt werden, ist solches Paniermehl vollkommen tresah. Beim Panieren von Fleisch tritt 3?rQ "U03 niD’N hinzu. Wenn man keine Bezugsquelle hat, die in religiöser Beziehung vollkommen einwandsfrei und durchaus vertrauenswürdig ist. muß man sich die Wassersemmel zum Paniermehl selbst reiben. Die vielen uns zugegangenen Berichte über stattgehabtc Eentenarfeiern in Synagogen und Schulen können wir, aus Mangel an Raum, nicht jitm Abdruck bringen. Briefkasten der Expedition. Herr S. G. in T.: Brief, sowie Betrag von M. 16.— dankend empfangen.