Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1897)
- Date
- 1897-03-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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für dasÄi- U>rthodoxe MuderrthumÄ l'OAA 0 5 E Sv' 18. März 1897.^ lNr. 3. r AW e n b b o t e. Von M. Koninski-Wettz. }mm mm .<7 ' ' mm i^i^i Der Getreidehändler Jakob Silberberg wickelte den grauen Schlafrock mit den rothen Aufschlägen fester um seine rundliche Gestalt, zog die Troddel mit zornigem Ruck um die wohlgenährte Taille zusammen und wiederholte noch einmal dem mit gesenkten .üopf vor ihm stehenden jungen Manne: „Also, den Appetit lassen Sie sich vergehen. Meine Tochter geb' ich keinen! Handwerker." „Aber wir lieben uns und wollen nicht von einander lassen," sagte gedrückt der junge Mann. Um die vollen Lippen des Herrn Jakob Silberberg zuckte ein kaustisches Lächeln. „Ja, das Hab' ich auch schon emal gelesen, ich glaube in der Gartenlaube. Meine Frau hat bei ihrem Gesund geschworen, ich muß die Geschichte lesen, weil sie so schön ist. Sie hat jedes mal darüber geweint und den Laufburschen vom Buchhändler, der das Heft gebracht hat, schon immer vor der Thür abgefangen. Wenn sie bei ihrem Gesund schwört, muß ich's doch thun, aber das sag ich Ihnen: eine Seite in meinem Hauptbuch ist schöner und lehrreicher zu lesen, wie die ganze Chochme von Roman. Also, wenn Sie mir mit der Liebe kommen, das verstehe ich wohl, weil ich darüber gelesen Hab', aber deswegen geb' ich ich Ihnen meine Tochter doch nicht. Ich mein' gar, sie haben sich damals in der Geschichte auch nicht bekommen," setzte er nach einigem Nachdenken hinzu. „Also was wollen Sie?" Moritz Braun, der junge Uhrmacher, stand niedergedrückt und betreten noch immer vor dem alten Herrn, der nach dem Schluffe seiner Rede seine Pfeife weiterschmauchte. „Wir sind anspruchslos und wollen uns in der erster! Zeit einschränken," versuchte er noch einmal den Alten umzustimmen. „In Grunow ist kein Uhrmacher, dort will ich mich niederlaffen und werde gewiß mit der Zeit mein gutes Auskommen haben." „Von was wollen Sie sich etabliren, wenn man fragen darf?" sagte Herr Silberberg sehr harmlos mit einem schrägen Aufblick zu dem vor ihm stehenden. „Nun, ich denke, Sie geben Ihrer Rosa eine Mitgift," erwiederte offen und unbefangen der Freier. „Aeh —! äh so!" schrie Silberberg triumphirend und sprang voll seinem Stuhle auf. „Jetzt reden Sie erst gut deutsch, wie ich's versteh! Was fangen Sie an bei der Liebe und bleiben stehen bei der Mitgift? Umgekehrt wär's richtiger. Ich seh', Sie sind ein ganz gerissener Jung' und werden's wirklich zu was bringen. Aber warum grad meine Tochter? Ich will Ihnen noch andere Schidduchim Vorschlägen, wo Sie sich etabliren können. Nebenan der Fleischer Bär giebt seiner Aeltesten, was den Buckel hat, sogar Zwanzigtausend mit und will bloß ein' Handwerker. Und in Neustadt kenn ich Einen, der giebt Dreißigtausend mit, denn die Tochter war schon mal im Irrenhaus. Sehen Sie, das wär' ein Geschäft für Sie!" Moritz Braun war bei diesen höhnischen Worten todtenbleich geworden. Die dunklen Augen