Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1897)
- Date
- 1897-03-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXYlIl,r Jahrgang. M »» Der Israelit j Ein Gentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhu Begründet von Dr. ITeJrmtfnm in Mrrinr Donnerstag, de« 18. März 56 >7 (1897). Da mit dem 1. April 1897 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu rnachen, datz namentlich bei oer Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1897 eingetragen unter Nr. 3605. Neu einlretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten unser Blatt bis Ende März gratis. Leitender Artikel. Mehr ticht! Von S. B. R., aus Ungarn. Es giebt Sentenzen, so nüchtern und hausbacken, daß man sich darüber ärgern könnte; gleichsam von der Gaffe aufgelesene Splitter einer kleinen Alltagsweisheit, geschmacklosen Gemeinplätzen zum Verzweifeln ähnlich und trotz alledem von einer solchen Unanfechtbarkeit, als ob die Weltordnung auf ihnen ruhte. Und das eben ist das Aergerliche! Wozu brauchen solche kleinlichen Dinge auch so unanfechtbar zu sein? — So sagt man, daß eine Schwalbe keinen Sommer mache, ein Lichtstrahl noch kein Heller Morgenanbruch sei. Höchst trivial — aber auch nicht minder wahr. Und das ist schade, denn sonst könnten wir Orthodoxen Ungarns mit Zuhülfenahme einiger Phantasie — an welcher es uns Halbasiaten ja nicht mangeln soll — uns einbilden, daß es in unseren Gauen allerorten purpurn glühe, daß der sonnige helle Tag sich anschicke, an unserem Himmel heraufzuziehen. Ja, es war ein prächtiges Aufleuchten. Aus der blühenden Alföldstadt Großwardein war die Lichtgarbe ausgeftiegen. — Und in was bestand denn eigentlich das gepriesene Phänomen? Alles in allem in einer drei Zeilen umfassenden Zeitungsnotitz, in welcher die orthodoxe ungarische Zeitung „Zsido hirado" die Meldung brachte, die Cultusgemeinde Großwardein habe anläßlich der Milleniumsseierlichkeitcn des ungarischen Volkes beschloffen, einen gewissen Betrag — ich glaube es war von 10 000 Kronen die Rede — zur Gründung einer orthodoxen Landeslehrerpräparandie zu spenden! — Ein schmerzlich-freudiges: Endlich! — entrang sich meiner Brust. Endlich, sagte ich mir, geht man daran, eine begangene schwere Sünde, uni nicht zu sagen, ein begangenes Verbrechen, zu sühnen; endlich rafft man sich auf, um unserem confessionellen Gebäude den Giebel aufzusetzen. Wenn's auch mit den Steinen geschieht, die richtigerweise das Fundament hätten bilden sollen — was verschlägt das? Der Bann war gebrochen, das erlösende Wort ausgesprochen. Im Geiste blickte ich großen Ereigniffen entgegen. Ich glaubte bereits das Wehen des Begeisterungsturmes zu fühlen, der durch das ganze Land brauste, sah im Geiste bereits, wie durch Zaubermacht hervorgerufen die stolzen Formen des Gebäudes entstehen, aus welchem jüdische, jüdische Jugendbildner hervorgehen sollten! Und nun? .... Wahrlich, wenn ich mit diesen meinen hochgespannten Erwartungen die imponircnde — Mäuschenstille vergleiche, welche durch das ganze Land lauscht, muß ich mir lächelnd sagen, daß ich doch ein recht phantastischer, überspannter Schwärmer sein muffe. Ohne Zweifel — denn wenn dem nicht so wäre, wenn die Sache wirklich jene Wichtigkeit besäße, die ich ihr beilege, wie wäre es denn möglich, daß von der ganzen, großen ungarischen Judenheit — von dem Trosse sowohl, wie von der Elite — Keiner ein Glied für dieselbe rührt? Ja, wenn ich kein moderner Don-Quixote wäre, der mit eingelegter Lanze todesmuthig in den Winomühlenkampf sprengt, was, frage ich, wären dann die „Großen" unter uns? Schrumpften diese „Gedaulim" dann nicht zu so kleinen Wesen zusammen, daß man