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Der Israelit · 1897-03-11 · Heft 20 (11.3.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 20 (11.3.1897)
Date
1897-03-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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377 Erhaltung und Befestigung des Besitzes, suchte dem fieberhaften Erwerbssinn die Thüren zuzuschließcn. begünstigte ein stilles, befriedigtes, gesichertes und mäßiges Leben, suchte dem Versinken der Masse in Noth zu steuern. Die vielgepriesenen Gesetzgebungen eines Lykurg und Salon halten weder, was Weisheit noch was wahre Humanität betrifft, einen Ve>gleich mit der mosaischen Gesetzgebung auch nur von ferne aus. Auch heutzutage könnten unsere Politiker nichts Besseres thun, als bei diesem Meisterwerke in die Schule zu gehen. So schließt Pastor Albrecht Nomann e neu Aufsatz über „die sociale Weisheit des alten Testaments" in der „Allgemeinen conservativen Monatsschrift für das christliche Deutschland". Beiläufig wird in demselben als wünschensverth bezeichnet, zu erfahren, wie denn der Talmud sich zu diesen Fragen stelle. Nun, der Talmud lehrt zunächst, daß es ehrenvoll, im Schweiße des Angesichts von der Hände Arbeit zu leben. Kidduschin 30 b liest man: Wie der Vater verpflichtet ist, seinen Sohn im religiösen Gesetze zu unterrichten, so ist er auch verpflichtet, ihn ein Handwerk lernen zu lasten." Das erinnert an die schöne Sitte in unserem Hohenzollernhause, daß jeder Prinz als Knabe irgend ein Handwerk erlernt. — Aboth JI, 10: „Liebe die Arbeit und wolle nicht hochgestellt sein". — Berachoth 8 a: „Der Gottesfürchtige, der von seiner Hände Arbeit lebt, hat es doppelt gut, er ist glücklich in diesem und jenem Leben". — Jebamoth 63 a: „Säe Dir selbst deine Frucht und kaufe sie nicht; kommen Dir auch beide gleich theuer, das Selbstgesäete ist gesegneter". Und die Lehrer des Talmud gingen selbst mit gutem Beispiele voran, über hundert von ihnen waren Handwerker: Böttcher, Ofensetzer, Schmiede, Zimmerleute, ja Holzhauer. Die Hinneigung zum Handel verdanken die Israeliten bekanntlich erst dem Mittelalter. Das ist eine von den — um mit Heinrich von Treischke zu reden — „Narben, welche vielhundertjährige christliche Tyrannei ihnen sehr tief eingedrückt hat." Solche alten Narben verschwinden aber nicht so schnell. Der Talmud verpflichtet ferner zu liebevoller und freundlicher Behandlung der Dienstboten und Arbeiter. Das israelitische Dienstbotengesetz (Sifra zu 3. Moscs XXV, 39 und 40; Kidduschin 20 a) lautet: „Wer einen Knecht oder eine Magd aufnimmt, soll nicht vergessen, daß er mit ihnen verkehren muß nach Art eines Bruders oder einer Schwester; er muß sie gleichstellen sich selber in Bezug auf Esten, Trinken, Kleidung und Wohnung, dergestalt, daß es nicht gestaltet ist, wenn der Herr feines Brot verzehrt, dem Knechte schwarzes vorzulegcn; wenn der Herr guten alten Wein trinkt, dem Knechte schlechteren hinzustellen; wenn der Herr auf weichen Belten und Polstern schläft, dem Knecht bloß einen Strohsack hinzulegen oder ihn in ähnlicher Weise in der Wohnung zu benachtheiligen." Schon das mosäischr Gesetz (3. Moses XIX, 13. und 5. Moses XXIV, 14 und 15) verbietet, dem Arbeitet seinen Lohn auch nur über Nacht vorzuenthalten. Der Talmud erzählt öaba mezia 83 a): Einem Weinhändler hatten Arbeiter ein volles Weinfaß zerbrochen und er pfändete ihnen den Rock wegen des erlittenen Schadens. Die Arbeiter führten Beschwerde bei dem Richter, und dieser verurthcilte den Kaufmann zur sofortigen Herausgabe der Kleider. Erstaunt fragte der Kaufmann den Richter: „Lautet so das Gesetz?" „Jawohl", war die Antwort, „das Gesetz der Menschlichkeit". Allein die Arbeiter waren damit nicht befriedigt; sie hatten durch den Streit einen Arbeitstag verloren und brauchten nun Geld für Brot. Sie forderten daher den Tageslohn. Und wieder entschied der Richter zu ihren Gunsten. „Ist das auch ein Gesetz?" fragte der Kaufmann höhnisch. „Allerdings, das Gesetz der Menschlichkeit und der Frömmigkeit", antwortete der Richter und verwies auf die Sätze der Heiligen Schrift, welche Billigkeit und Barmherzigkeit einschärfen. Diese Pflichten gelten nicht etwa nur gegen Israeliten. „Ein Nicht-Israelit, der den von der Bibel gelehrten Gott des Himmels und der Erde erkennt und die allgenleinen Menschenpflichten, das Verbot des Mordes, des Raubes, der Unkeuschheit u. s. w., im ganzen sieben, beobachtet, steht dem Hohenpriester gleich (Aborta sara 3 a und Sanbetlrin 50 n). Besonders nachdrücklich predigt ein talmudischer Weiser (Tana (lebe, Elia zu Richter IV, 4): Himmel und Erde rufe ich zu Zeugen, es sei Richt-Jsraeltit oder Israelit, Mann oder Weib, Knecht oder Magd, je nach seinen Werken ruht heiliger Geist auf ihm." — Man soll die heidnischen Armen unterstützen, die heidnischen Kranken pflegen, die heidnischen Todten bestatten" (Gittin 61 a). Als es noch keinen christlichen Sonntag gab, gebot das mosaische Gesetz (2. Moses XX, 10 und XXIII, 12; 5. Moses V, 14) die Sabbatfeier selbst für den heidnischen Sklaven eines Israeliten. Was daraus folgt, ist klar. Briefkasten der Expedition. Vorschriften für Pesach Sonderabzügc der im Vorjahre in diesen Blättern veröffentlichten Artikel sind noch einige vorhanden und können gegen Einsendung von 50 Pfg. in Briefmarken von uns bezogen werden. P. L. in R.: Inserat kostet Mk. 3.50. 7 Meter Sommerstoff f. 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