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Der Israelit · 1897-03-11 · Heft 20 (11.3.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 20 (11.3.1897)
Date
1897-03-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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373 Absatz der vorliegenden Publikation ein derartiger sein, daß er den Verfasser ermuthigt und in den Stand setzt, auch seine noch im Manuscript vorhandenen, zahlreichen Schriften durch den Druck einem größeren Kreis zugänglich zu machen. Vermischtes. In Pletz (Dberschlesien), wurde, wie seinerzeit mitgcthcilt, der alte Bankier Cohn ermordet. Als Thciter wurden später drei Polen ermittelt und zwei von ihnen in das hicsifle Gefängnis gebracht. Dieser Tage nun hat sich der eine Mörder, Namens Jarzyna, vergiftet. Bor seinem Tode legte er ein umfassendes Geständnis; ab. Danach hatten Jarzpna, Wlodarski und Stacho am W. Nevcmber v. I. nach einander die Wechselstube des Cohn betreten und kleine Geldbeträge eingewechselt Später erschienen alle drei noch einmal in der Stube. Stacho schloß die Thür zu und stellte sich an derselben auf, während die beiden anderen auf Cohn mit den Worten: „Jude her mit dem Geld!" zutratcn. Cohn kam hinter dern Ladentisch hervor und suchte die Thürc zu gewinnen. Nun zog Jarzyna eine Hacke hervor und schlug den Greis auf den Kopf. Als Cohn zu Boden fiel, stach ihn Wlodarski mit einem Messer in den Hals. Die Mörder räumten nun das Gcldsvind aus und theilten daß baare Geld im Stadtpark. Die Werthpapiere und das nntmitgenommenc Silberzeug vergruben sie in der Nähe von Guhrau, wo die Behörden vor einigen Tagen diese Werthsachen auch aufgcfunden haben. Wlodarski, der dritte Mörder ist noch nicht festgenommen worden. Floridsdorf. Zum Rabbiner der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde wurde Dr. Rosenmanu aus Bisenz einstimmig gewählt. Paris. Die Baronin Hirsch stiftete zwei Millionen für ein Hospital für schwindsüchtige englische Kinder. Am Mceresufcr werde bereits ein passender Bauplatz ausgewählt. Feuilleton. Getreu bis in den Tod. Von Maurice Ma^on. '!) Etienne antwortete nicht; regungslos an einen Baum gelehnt, verfiel er in tiefes Sinnen. „Jetzt Hab' ich's!" rief er trinmphirend aus. „Ja, ich hab's! — Weißt Du denn nicht, daß Rubensohn auf den Tod erkrankt ist? Der Arzt, bei dem ich mich heute Morgen nach seinem Befinden erkundigte, giebt ihm höchstens drei Tage Frist. Mag nun die Gräfin kommen —■ der tobte Mund wird uns nimmer verrathen!" „Meinst Du?" fragte Nepomuk mit hohnvoller Ironie. „Ich weiß bestimmt, daß die Gräfin spätestens Morgen Abend in O . . . . eintrifft, dann findet sie keinen todten Mund, sondern eine wohlberedte Zunge, die uns sehr gefährlich werden kann. Aber wenn Du Recht hättest, wenn der Mann noch in dieser Nacht stirbt, werden nicht seine hinterlaffenen Schriften Alles verrathen? — Nein, Etienne, dem Zufall darf man seine persönliche Sicherheit und Freiheit nicht anvertrauen." „Du hast Recht, so geht's nicht!" versetzte Etienne nachdenklich — „So geht's nicht!" Er runzelte die Stirn, und lvilder Zorn blitzte aus seinen Blicken. „Sag' mal heiliger Nepomuk", sprach er nach kurzer Pause. „Ist Deine feige Dienerseele stark genug, um mir bei einer kühnen That bcizustehen?" Aus beit grauen, stechenden Augen Nepomuks sprühten Funken der Zornesgluth. „So feige ist die Dicnerseele denn doch nicht, sollte ich meinen!" versetzte er mit einem süßen Lächeln, während ein dämonisches Leuchten über sein Gesicht flog. „Würde sie so feige sein, wie Du wähnst, dann hätte sie cs sicherlich unterlassen, einen Menschen von Deiner Art in der Waldeinsamkeit aufzusuchen!" „Was das betrifft, so haben wir uns einander sehr wenig vorzuwerfen. Ich glaube sogar, daß Dein Sündenregister bei einer sorgfältigen Prüfung umfangreicher gefunden werden muß, als das meinige — trotz Deiner Messen. Nun ist es gut. Spiele den Beleidigten zu einer andern Zeit, jetzt giebt's ernstere Arbeit! Also höre! — Du mußt mich sofort nach O . . . begleiten. Der Mund des Kranken muß für immer stumm gemacht werden. Auch der Knabe muß auf irgend eine Weise zu unserem Nutzen verwendet werden. Bist Du bereit?" „Zu Allem!" „Wohlan denn! Gehen wir. Den Kranken übernimmst Du — hörst Du? — wirft wohl schon mit ihm fertig werden können, er ist ja dreiviertel todt. Den Knaben werde ich schon zu bezwingen wisien!" „Ho! ho! Etienne. Ich glaube auch mit dem Knaben fertig zu werden!" „Laß's gut sein, Nepomuk, mit solcher kostbaren Beute verstehst Du nicht umzugehen!" Nepomuk preßte die Lippen aufeinander und begleitete schweigend seinen Genosien. Als sie die ersten Häuser von O . . . erreicht hatten, trennten sie sich und jeder von ihnen schlug eine andere Richtung ein, um vor dem Hause des kranken Rubensohn zusammenzutreffen. „Gehe nur, Schurke!" knirschte Nepomuk und ballte die Fäuste, „gehe nur! Wer zuletzt lacht, ist immer der Klügste — und ich werde zuletzt lachen! Du sollst den Nepomuk nicht ungestraft verhöhnen. Er wird schon seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen wissen und statt dessen Deinen aufknüpfen helfen! — Das schöne Geld will ich allein, ganz allein besitzen, ich will ein rielie liomme werden." „Pst, pst! Bist Du es, Nepomuk?" Erschrocken fuhr der Angeredete aus seinem

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