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Der Israelit · 1897-03-11 · Heft 20 (11.3.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 20 (11.3.1897)
Date
1897-03-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVIII. Jahrgang. M £0 Jer Israelit. Ein Gentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von Dr. Wvftmann in Msinz Donnerstag, den 1t. März 5657 (1897). Leitender Artikel. Sainfon Riptzaei Hirsch nnit die IsrokMsche Reiisionsgesklischllst nJftanlifatl o.M. Von Director Dr. Mendel Hirsch. XXVI. Es dürfte nämlich nicht überflüssig sein, hier noch mit einigen Worten eines Zauberwortes zu gedenken, mit dem man leider nicht ohne Erfolg bemüht gewesen ist, die Forschung Samson Raphael Hirsch's zu discreditiren und sie dein ernsten Studium derjenigen Kreise zu entziehen, für die ein Eindringen in sie von allerhöchster Wichtigkeit, ja geradezu von vitaler Bedeutung gewesen wäre. Dieses verdächtigende Wort heißt: „It »Wissenschaftlichkeit." Es übt in unserer Zeit auf die wissenschaftlichen Kreise eine mächtigere Wirkung aus, als der kräftigste Bann in früheren Zeiten. Es genügte, um gerade die in erster Linie Berufenen von jedem ernsten Versuche der Vertiefung in die Darlegungen dieser Forschung und ihrer Ergebnisie als einer überflüssigen Mühe zurückzuhallen. Allerdings, wem Leugnung der Göttlichkeit der Thora und der gleichzeitigen vom Sinai stammenden mündlichen Lehre als Vorbedingung einer wissenschaftlichen Forschung gilt, der mag der Forschung S. R. H.'s, wie einer jeden auf positivem Boden stehenden Forschung, diesen Charakter absprechen. Allein auch diese Behauptung wäre selbst auf diesem Standvunkte eine wissenschaftlich sehr wohl anfechtbare. Denn es würde sich dann eben um die wissenschaftliche Erforschung des Judenthums auf dem Standpunkte handeln, der von dessen Göttlichkeit ausgeht. Eine unbefangene Beurtheiluna nämlich würde sehr wohl die streng wissenschaftliche Methode und das kritisch besonnene Vorgehen anerkennen, selbst wenn der Beurtheiler diesen Standpunkt nicht theilt. Ohnehin ist es mit der angeblichen Voraussetzungslosigkeit des entgegengesetzten Standpunktes eine eigene Sache. Genau genommen, geht ja auch der radikal kritische Beurtheiler keineswegs voraussetzungslos an die Forschung. Die Leugnung der Göttlichkeit ist ja nicht das Ergebniß, sondern die Voraussetzung seiner Forschung, ganz so wie für uns deren Anerkennung die für uns auf dem festen Grunde geschichtlicher Erfahrung beruhende Voraussetzung bildet. Die Allüren vornehmer Uebetlegenheit dieser angeblich voraussetzungslosen Forschung imponiren uns deshalb keineswegs. Der Inhalt des Gotteswortes und die Erhaltung seines Trägers, des jüdischen Volkes, bilden für sie ein Räthsel, dessen Lösung sie auch mit den kühnsten Hypothesen ihrer Conjecturalkritik und den schönsten Produkten ihrer phantasiereichen Geschichtsconftruetion nicht um Haaresbreite näher kommen. Jedoch nicht diese haben wir im Auge. Mögen sie immer von ihrem Standpunkt aus, wie sie die Offenbarung verwerfen, so auch der Objektivität entbehren, der höchsten Forscherleistung auf dem Offenbarungsstandpunkte gerecht zu werden. So bedauerlich dies im Interesse der Erkenntniß des Judenthums auch immerhin ist, denn mit einem Schlage würde eine Reihe von Vorurtheilen schwinden, die sich bis jetzt als eiserner Bestand von Geschlecht zu Geschlecht auch in der gelehrten Welt vererben, so ist es doch noch viel bedauerlicher, daß auch Kreise, die den Offenbarungsstandpunkt theilen, dem von gegnerischer Seite — wir hatten ja bei unseren Darlegungen wiederholt Gelegenheit, darauf hinzuweisen, wie dies wider besseres Wissen zu ganz bestimmten Zwecken geschah — ausgegebenen Schlagworte ohne eigene Prüfung vielfach blindgläubig gefolgt sind.

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