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Der Israelit · 1897-03-08 · Heft 19 (8.3.1897) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 19 (8.3.1897)
Date
1897-03-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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’"aii .JW-üsayi* =^' 357 Keuilletott. Getreu bis in den Tod. Von Maurice Mavon Ö) Aus dem Wagen sprang eine geschmeidige Gestalt, die trotz der großen Sorgfalt, welche sie auf ihre Toilette verwendet hatte, den listigen, kriechenden Diener vornehmer Häuser nicht ganz zu verbergen verstand. Halb französisch, halb russisch erklärte er, ein friedlicher Reisender zu sein, den sehr wichtige Geschäfte noch so spät nach O . . . riesen. Mit selbstgefälligem Lächeln griff er in die Brusttasche und reichte dem Soldaten seine Legitimationspapiere, zwischen denen ein Rubelschein sichtbar wurde. Mit gieriger Hast griff der Soldat nach dem Gelde und wollte die Hand des Gebers küssen. „Sachte, sachte, mein Junge!" hemmte jener mit teuflischem Lächeln den Strom seines Entzückens. „Bedenke, daß ein Dienst Gegendienst fordert, und einen solchen verlange ich Mit Dir. Jedoch will ich die Summe verzehnfachen, wenn Du meinen Wunsch prompt und gut ausführst." Dabei näherte er sich dem Grenzwächter und raunte ihm einige Worte in's Ohr. „Ha! ha! ha!" lachte jener. „Das Väterchen treibt seinen Spaß mit mir! Das — ha! ha! — ist ja eine Kleinigkeit." „Um so bester für Dich, ntein Junge!" Der Schlagbaum wurde geöffnet, der Mann stieg in den Wagen, welcher sich sofort in Bewegung setzte. In sausendem Galopp flog das Gespann durch den Wald; erst als das Gebüsch dichter wurde, befahl der Herr dem Kutscher zu halten. Er öffnete den Schlag und schwang sich aus dem Wagen. „Du fährst laugsam nach O." befahl er dem Kutscher. „Ich will die kurze Strecke zu Fuß zurücklegen und werde früher dort eintreffen, als Du. „Im goldenen Ochsen" wirst Du rnich finden, wo ich alles zum Empfang der Gnädigen vorbereiten muß. Trinke nicht zuviel, Stephanoff, denn mit der Morgendämmerung werden wir O .. . wieder verlaffen, um ihre Gnaden von P ... abzuholen. Verstanden?„ „Jawohl", erwiederte der Kutscher und trieb die Pferde vorwärts. Der Andere bog die Zweige zurück und verschwand im Dickicht. Einige Augenblicke stand er still und lauschte, bis das Rollen des Wagens in der Ferne verhallt war. Dann legte er die Fingerspitzen seiner Rechten an den Mund und stieß einen schrillen Pfiff aus. Ein ähnliches Zeichen antwortete aus nächster Nähe. Gleich darauf raschelte es im Laube und schwerfällige Schritte kamen näher. Die Zweige wurden zurückgebogen, die Riesengestalt eines Mannes von finsterem Aussehen trat auf den Fremden zu und legte die Hand auf dessen Schulter. „Boa Soir, Nepomuk! Sois le bienvenu!“*) — schrie er mit heiserer Stimme und versetzte Nepomuk einen derben Schlag auf die Schulter. „Aber, was ist geschehen? Ist der Teufel in Dich gefahren, daß Du mich zu so später Stunde an diesen Ort des Schreckens bestellt hast? — „Vor allem möchte ich Dich bitten, Etienne", unterbrach ihn Nepomuk ärgerlich, „daß Du Deine Stimme etwas dämpfst. Bist Du denn so sicher, daß wir hier nicht belauscht werden können?" „Bist ja recht vorsichtig geworden, mein Junge!" versetzte Etienne mit höhnischem Lachen. „War sonst nicht Deine Art! — Aber Spaß bei Seite. Was führt Dich hierher? Ist der Graf gestorben? Oder hat die Generalin gar dem Herrn Gemahl ihr Herz eröffnet? „Keins von beiden, Etienne. Aber die Generalin ist auf dem Wege nach O . . . ., um sich mit eigenen Augen von dem Wohlergehen ihres Sprößlings und von seinen Fortschritten in der jüdischen Religion zu überzeugen." „Donner und Doria!" schrie Etienne, „das wird natürlich Dir heiliger Nepomuk, der Du mit großer Gewissenhaftigkeit das für den armen Judenknaben bestimmte Geld in Deine eigene Taschen strichest, herzlich unbequem sein. Meinst Du nicht, mou eher?" Nepomuk runzelte die Stirn. „Allerdings! Aber ich glaube, daß diese Eventualität auch dem Monsieur Etienne, der mit erstaunenswerther Fertigkeit den Empfang der Summen quittirt, Urkunden und Briefe gefälscht hat, nicht weniger unangenehm sein dürfte. Zwar ist ein deutsches Zuchthaus im Vergleich zu dem russischen Sibirien ein Paradies, aber ein freundlicher Aufenthalt ist es doch gerade auch nicht." „Das will ich meinen, aber nun sage mir endlich, Freund Nepomuk, wie die Gencralin so urplötzlich auf den Gedanken verfiel, hierher zu kommen? In meinem letzten Schreiben an Sie habe ich ihrer Gnaden in sehr salbungsvoller Sprache auseinandergesetzt, daß sie vorläufig jeden Gedanken an ein Wiedersehen aus ihrem Mutterherzen verdrängen müffe, wenn sie ihre Vorsätze zur Ausführung bringen will. Das religiöse und das leibliche Wohl meines Zöglings hänge von ihrem Verhalten ab. Wie kam sie nun dazu, plötzlich an meinen weisen Grundsätzen zu zweifeln? Oder sollte gar Deine Nachlässigkeit schuld sein, daß sie von dent veritabeln Rubensohn einen Brief empfangen hatte? Hast Du in letzterer *) Sei gegrüßt.

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