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Der Israelit · 1897-03-08 · Heft 19 (8.3.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 19 (8.3.1897)
Date
1897-03-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXT1II Achrgang. M 1® Der Israelit. Ein Kentrak-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr lT*Jjtrnann in Hain}. Montag, fcett<8. März 5657 (1897), Leitender Artikel. Das deutsche Kaiserthum und die jüdischen Weffiashoffnungen. Eine alte Ueberlieferung. Mitgetheilt von Bezirksrabb. Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). Die bevorstehende Feier des Tages, an welchem vor hundert Jahren der Begründer des neuerstandenen deutschen Reiches geboren, wurde, weckt die Erinnerung an eine alte Ueberlieferung, auf die ich schon vor mehreren Jahren aufmerksam machte,*) die aber angesichts dieses allgemein gefeierten Geburtstages von besonderem Interesse ist. Es wird nicht an Leuten fehlen, welche die Zusammenstellung des deutschen Kaiserthums und der jüdischen Messiashoffnungen paradox finden, ja, in ihr geradezu unvereinbare Gegensätze erblicken. Demgegenüber muß zunächst daran erinnert werden, daß sie nicht neu, daß sie viele Jahrhunderte alt ist. Vor genau 400 Jahren schrieb der als Staatsmann und als Gelehrter gleich hoch gefeierte: D o n I i z ch a k A b a r b a n e l: rp-mtr D'rjsivitn amrrn T3 n^p rr •rrtrü Kr nötr rvno’pn ntrio „Es existirt eine Ueberlieferung bei den Juden Deutschlands, daß wenn das Kaiserthum dort seinen Sitz hat, der Messias kommen werd e." Don Jizchak Abarbanel lebte und wirkte von den Juden Deutschlands und seinem Kaisersitz weit entfernt auf der pyrenäischen Halbinsel. Die Notiz findet sich versteckt in einer seiner zahlreichen Schriften, *) In der „Israelitischen Monatsschrift" 1889. Nr. 4. welche den Titel: „Maschinia Jeschua“ führt und die Erklärung verschiedener, von christlichen Bibelerklärern tendenziös gedeuteten Stellen, zum Gegenstand hat. (Offenbacher Ausgabe vom Jahre 5527, Seite 90, Col. 3.) Wie alt diese Ueberlieferung ist, worauf dieselbe zurückgeführt wird, ob derselben noch anderweitig Erwähnung geschieht, ja selbst die Frage nach ihrer inneren Wahrheit und Möglichkeit, alle diese Erwägungen erscheinen irrelevant gegen die Bedeutsamkeit, welche in der bloßen Thatsache einer solchen lleberlieferung liegt. In dem Sinne, in welchem Abarbanel nach dem ganzen Zusammenhänge diese Ueberlieferung auffaßt und verwerthet, entspricht sie sicher nicht den wirklichen Verhältnissen. Derselbe geht zurück auf den römischen Ursprung des Kaiserthums, verfolgt dasselbe bis auf Karl den Großen, der aber noch nicht seinen Sitz in Deutschland gehabt habe, wenn auch Deutschland zu seinem Reiche zählte. Erst als dann die Kaiserwürde auf deutschem Boden sich entfaltete, — wo sie sich heute befindet, wie Abarbanel bemerkt — könne von der Anwendung jener Ueberlieferung die Rede sein. Das deutsche Kaiserthum, unter dem Abarbanel die Verwirklichung jener Ueberlieferung erhoffte, hat seit nun 91 Jahren aufgehört, ohne daß sich die jüdische Messiashoffnung erfüllt hätte. Wer von der Wahrheit jener Ueberlieferung überzeugt ist, wird ihre Verwirklichung unter dem neu erstandenen, gegenwärtigen Kaiserreich vielleicht mit mehr Schein von Recht erhoffen dürfen. — Wie man vom heiligen, römischen Reich sagen kann, daß es weder heilig, noch römisch, noch reich war, so kann man vom deutschen Kaiserthum, wie es zu Abarbanels Zeiten bis zu seiner Auflösung bestanden, behaupten, daß es seinen Schwerpunkt nicht in Deutschland hatte, daß es nur dem Namen nach deutsch war. Ein deutsches Kaiserthum, das mit

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