Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 17-18 (3.3.1897)
- Date
- 1897-03-03
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ARON <2^- Orthodoxe Muderrtyum^ ——ocwt—*♦- 3. Mär, 1897.] PsllekrrKk. WMrze rm Mr. 5? L 5b. r«» «- Aer letzte Dang Von B. W. Segeß. Der letzte Glockenklang verhallte in der Höhe. Die großen Seitenthüren der Kirche thaten sich auf und die Gäste begannen Herauszuströmen. Damen und Herren blieben auf der breiten Treppe stehen und schüttelten einander die Hände. Bald wurde die Mittelpforte aufgeriffen, auf der Schwelle erschienen zwei große Männergestalten und zwischen beiden die schlanke, fast noch jugendliche Figur eines Dritten. Langsam und bedächtig schritten sie die Treppe herunter; die Anwesenden machten ehrerbietig Platz und viele Hände streckten sich dem Mittleren glückwünschend entgegen. Die Drei waren der Fürst Calowsky und der Präsident der Akademie, die ihr neugetauftes Pathenkind wie einen Sieger in der Mitte führten. Dieser sah aber gar nicht siegerhaft aus. Schlotternd, und wie im Traume wankte er dahin und mußte von seinen Begleitern gestützt werden, so unsicher war sein Schritt. Aus dem todtenbleichen, verstörten Antlitz irrten die Augen trübe und unstät umher, wie die eines Verurtheilten, der zur Richtstätte geführt wird. Unten auf dem Pflaster, wo eine lange Reihe eleganter Wagen wartete, ergriff der Fürst noch ein letztes Mal die Hand seines Pathenkindes und redete leise und eindringlich auf ihn ein. Dieser hörte stumm, wie geistesabwesend zu. Dann nahm ihn der Präsident der Akademie beim Arm und wollte ihn sanft in seinen Wagen, dessen Schlag ein Diener geöffnet hielt, drängen. Er schlug es dankend mit einem Kopfnicken aus. Einen Augenblick später blickte .er sich um, er war auf dem weilen, öden Platze allein. Wankenden Schrittes schleuderte er ziellos von dannen. Brennende Gluth flammte auf seiner Stirn, bleierne Schwere lastete auf seinen Gliedern. Die Schläfen hämurerten, er hatte das Gefühl, als wäre sein innerstes Wesen wie durch einen plötzlichen Riß entzweigegangen. Willenlos überließ er sich den Füßen, die ihn mechanisch trugen, und sah sich plötzlich auf dem Wege, der hinaus in's Freie führte. Es war ein herrlicher, warmer Frühlingsabend. Am westlichen Himmelsrande hing die große, goldene Sonnenkugel und streckte ihre schrägen, langen Strahlen wie schillernde Bänder bis an den östlichen Horizont, wo sie das weite Gebüsch in einen goldenen Staubnebel hüllten. Es war still ringsum, kein Windhauch regte sich, kein Blatt raschelte. Alles schwieg. Nur von der Ferne her drang das Getöse der Stadt, wie ein verhallendes, mächtiges Flüstern. Dem einsamen Wanderer war, als sei ieurand hinter ihm her, und er verdoppelte seine Schritte. Draußen in der abgelegenen Stille hoffte er, werde das zentnerschwere Mißbehagen, das ihm brennend auf der Seele lag, zerfließen und er begann aus allen Kräften zu laufen, um dem peinigenden Geräusch zu entgehen, das hinter ihm her tönte. Weit draußen hielt er inne und holte tief Athem; dann spitzte er die Ohren wie ein gehetztes Wild, dem die Jäger auf der Spur sind. Kein Ton war zu