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Der Israelit · 1897-03-03 · Heft 17-18 (3.3.1897) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 17-18 (3.3.1897)
Date
1897-03-03
Page
– (sequence 21)
Language
German
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369 tt ago Q e76) und hier sah man zuerst einen Prediger nämlich Jacobson in der Tracht der protestantischen Geistlichen die jüdische Kanzel besteigen.^) — Die Gäste bezeichnten diese Feier als Reformationsfest der Juden") und ein Domprediger aus Halberstadt verherrlichte diese mit gutgemeinten Versen: „Mit Roms und Augsburgs Glaubenssöhnen „Weilt Aarons Enkel Hand in Hand." In diesem Tempel konnte Jacobson den Hohenpriester^) spielen, seiner Eitelkeit fröhnen, die Sucht befriedigen es in Allem und Jedem den Christen gleichzuthun. — Hier konnte er predigen7»), neue Schlagwörter Vorbringen: „Aufklärung, Zeitgeist, Fallen der Scheidewände zwischen Christen und Juden." ^o) — Doch während er mit der einen Hand an der Niederreißung oder Verdünnung solcher Scheidewände arbeitete, hat er mit der anderen Hand neue Scheidewände aufgeführt, welche Juden von Juden trennten; — und während er um die Verbesserung der äußeren Lage der Juden seines engeren Heimathlandes sich verdient gemacht, ist das Judenthum in seinem Innern durch ihn zerklüftet und diese traurige Kluft immer mehr erweitert worden. — Die wefiphälifchen Juden verhielten sich diesen sich die Reihen der Synagoge, die „andächtigen Zuhörer" verdufteten successive, bis der Tempeldiener die unheimliche Wahrnehmung machte, daß er allein das Auditorium repräsentire. — Der Herr „Redner" leierte ungenirt die wohlmemorirte „Predigt" weiter ab, doch dem Tempeldiener ward's zu bunt, sich „a. Z." tituliren zu lagen; rasch entschlossen, nahm er den Schlüssel, übergab ihn dem Herrn „Redner" mit den Worten: „Wenn Sie die Predigt beendigt haben werden, wollen Sie Tttid sein und die Synagogenthüre absperren!!"—) 75) Gr. p. 413; Sulam. a. a. O. 300. 761 Gr. p. 307. — Jacobson, der auch früher seinen „Gläubigen" vorgepredigt, hat von nun ab gar oft in den Talar sich gehüllt, um „salbungsvolle Predigten" abzuhalten. — Natürlich stehen wir da vor einem psychologischen Räthsel, indem wir bereits erfahren, (s. ob. Note 63—64), daß Herrn Jacobson die zur Ausarbeitung einer Rede erforderlichen Kenntnisse und entsprechende Bildung entschieden abgegangen. — Dr. B. H. Auerbach (a. a. O. p. 150) löst jedoch dieses Räthsel, indem er daS Geheimniß lüftet: daß der schon damals antzerhald des JndenthnmS gestandene Sch .. der Verfasser der von Jacobs on's Lippen geflossenen Reden war." — Das hält jedoch die Reformpresse nicht ab, Jacobson als einen „Prediger, der mit hinreißender Begeisterung aus dem Stegreife deutsche Reden gehalten", zu glorifizieren! (s. Gallerre der ausgezeichneten (!) Israeliten iO. Nicht wahr, eS giebt doch nichts über die erhabene Wahrheitsliebe und Verläßlichkeit der jüd. Reformpresse?!! 77) Letteris (Dr. Max, geb. 1800, gest. 10. Mai 1871) Wiener Vierteljhrschr. 41/853. 78) Sulama. a. O. 301. 79) Respect. die von dem Renegaten Sch ... ihm in den Mund gelegten Predigten ableiern. 80) Gr. 413. „im eigenen Hause" tnscenirten Neuerungen gegenüber ruhig, doch als Jacobson in seinem Fanatismus daran ging, sein eigener anspruchsvolles Nichts aus Kosten der allgemeinen relig. Wohlfahrt pomphaft in Scene zu setzen, mittelst seiner Autorität die Reformen in das jüdische Gemeinde- und Synagogenleben legislatorisch etnzuführen und zwar unter der kühnen Androhung, die Synagogen, welche sich seinen Anordnungen nicht fügen wollten, schließen zu lassen,") da vermochten die Gläubigen nicht mehr ihren moralischen Schmerz zu unterdrücken, da erhob sich ein Sturm des Unwillens gegen Jacobson und das Konsistorium. — Diesem versuchten GewiffenSzwange, setzten die Frommen heftigen Widerstand entgegen und ließen es an ernsten Ermahnungen nicht fehlen. — Der despotische Jacobson scheint aber an diese sich nicht gekehrt zu haben, denn der König verwies ihm seine eigenmächtigen Eingriffe in Gewtffenssachen und seine Reformsucht.") — Das westphälische Königreich zerfiel und mit ihm das Konsistorium und das hierarchische Rivelliren. Es zerfiel, als es gerade den verletzendsten Absolutismus ausführen wollte. Es befahl dem würdigen Rabbiner Aktba Eger (zu Halberstadt, gest. 1824) die bereits seit 1703 daselbst bestandene Klaussynagoge zu schließen, weil es beschlossen habe,83) in keiner Gemeinde zwei Synagogen zu dulden. Der ungefügige Rabbi hielt nach wie vor, den uralten Statuten der Klausstiftung gemäß, seinen Gottesdienst in der Klaussynagoge, unbekümmert um die von Zeit zn Zeit erfolgten Strafdrohungs-Rescripte des Konsistoriums. Endlich wurde auf Requisition desselben die Polizeibehörde beauftragt, dem Rabbi aufzugeben, binnen 8 Tagen den Schlüssel der Klaussynagoge auf der Mairie (Bürgermeisteramt) abzugeben, widrigenfalls Gewaltmaßregeln gegen ihn angewendet werden würden. Mit betrübtem Herzen und thränendem Auge ging er auf die Mairie und übergab den Schlüssel der Synagoge dem Sekretär. „Nehmen Sie in Gottes Namen den Schlüffe! wieder mit nach Hause," rief der Maire dem Rabbi zu, „vor einer Stunde sind hier die Ruffen etngerückt und die Kasseler Gesetze und die der jüdischen Hierarchie find ststirt." 84) 81) ibid. — S. a. das energische Zirkul.-Schreiben in Steins JSr. BolkSbl. 76/852. 82) Gr. 414. 83) Sulam. a. a. O. p. 368 die sub Nr. 2732, ddto. Kassel 24. Sept. 1810 herausgegebenen „Verfügung des kön. Konsistoriums der Israeliten." 8 l. 84) Auerbach a. a. O. 140.

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