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Der Israelit · 1897-03-03 · Heft 17-18 (3.3.1897) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 17-18 (3.3.1897)
Date
1897-03-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXTIII, Jahrgang. Zweite Seil. M M 17 Leitender Artikel. Paris, Braunschweig, Arad. Gin Gährungsprozeß im Kchoohe der M. Reform vom Anfänge dis gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Historisch dargestellt von mr nso p. (Nachdruck verboten.) VI. (Fortsetzung aus Nr. 4.) Das Endresultat der Berathungen und Beschlüsse dieser jüdischen Versammlungen war — eine zentralistische Mißgeburt; jene von den kaiserlichen Kommissaren den Notablen octroytrte mißglückte Konsistorialverfassung, welche von diesen dem Synhedrion unterbreitet und am 17. März 1808 von Napoleon genehmigt wurde. Trotzdem diese schlechte Konsistorialorganisation die Vertreter der Synagoge zu Polizetdienern herabwürdigte und die bisherige Stellung der Juden ziemlich verkümmerte^), urgirte dennoch der eitle und ehrgeizige Israel Jaeovson (geb. 17. Oct. 1768, gest. 14. Sept. 1820)«*), daß auch die Juden des Königreichs Westphalen.eine der französischen ähnliche Organisation erhalten sollen. — Diese mit Eifer betriebene Urgenz, war denn auch bald 60) Gr. p. 302. oi) Ich gebe der Wahrheit die Ehre und will lobend anerkennen, daß Jacobson (Eidam des am Hofe Carl Wilhelm Ferdinand's von Braunschweig sehr geachteten Kammeragenten Herz Samson) durch seinen Einfluß auf mehrere kleinere Höfe deutscher Fürsten, Vieles dazu beigetragen, daß der Leibzoll und das Schutzverhaltnitz der Juden in einigen Staaten aufhörte und die Stellung der Juden, anderen Confessionen gegenüber, ehrenvoller ward. Auch seine Thätigkeit für scientivische Hebung des jüdischen Schulwesens ist bekannt." — Im Jahre 1801 gründete er in Seesen eine zur unentgeltlichen Erziehung armer Juden und Christen bestimmte Schule, und hat ein reiches Kapital zur Erhaltung derselben niedergelegt. — Auerbach a. a. O. p. 149 bemerkt hierzu: „Mag auch Jacobson'S Absicht bei der Gründung dieser Schule eine lobenswerthe gewesen sein — Juden, die da glauben an die Göttlichkeit der Thora und ihre heiligen Gesetze beobachten, sind aus dieser Schule niemals hervorgegangen. Hatte Jacobson wirklich heiße Liebe für das Judenthum, — wie tief gekränkt muß fein Geist jetzt auf feine Nachkommen und die Seefener Pflegbefohlenen herabschauen, von denen viele, selbst die Familie des Direktors, zum Christenthume übergegangen, und selbst die, welche aus Pietät gegen Eltern und Familie sich scheuten dem Taufbecken zu nahen, doch in der That dem Judenthum nicht angehören. Er ist das, wie die Erfahrung lehrt, das LooS aller jüdischen Reformhelden in thesi, wie in hypothesi: ihre Kinder, oder doch ihre Enkel, im Schooße des Christenthums zu erblicken." %i 18 des „Israelit". vom angestrebten Eifolg gekrönt; die Organisation kam zu Stande, wurde am 31. März 1808 von Hieronymus Napoleon unterschrieben und sud No. 62 als köntgl. Dekret auSgegeben.^) Jacobson, der „kein Mann von Talent war," te) dem überhaupt „wissenschaftliche Ausbildung abging, und der selbst der deutschen (seiner Mutter-) Sprache nicht vollkommen mächtig war,"^) dieser Jacobson wurde (wahrscheinlich vermöge seines „fürstlichen ReichthumS" und seiner vornehmen sozialen Stellung) als Präses, an die Spitze des Konsistoriums gestellt. Auf der Höhe dieses Capitols dünkte er sich ein kleiner Gott: Ad summum, sapiens uno minor est Jove, dives, Liber, honoratus, pulcher, rex denique regum; Praecipue sanus, nisi cum pitnita molesta est, wie Horaz diese Gattung so treffend schildert; und „ohne reiflich erwogenen Plan schritt er kühn an's Werk" ") in den Synagogen Westphalens Neuerungen zu inaugurtren.6ß) Nun begann jene verhängntßvolle Sturm- und Drangepoche, welche de« Fortbestand des wahren Judenthums arg bedrohte; die Zeit, in welcher die gefährlichsten Gegner de8 traditionellen Judenthums, diejüdischenReformatoren aus Emancipations-Zwecken zur Blüthe gelangten. Einer der ersten und kühnsten Reformatoren dieser Sorte war Jacobson, zu deffen intimsten Freunden und Rathgebern der „dem flachen Rationalismus und den destruktiven Bestrebungen der 62) Sulamith 3/808. 63) Auerbach a. a. O. 150. 64) , Kayserling, Biblioth. I, 13 f. — dies hinderte jedoch die Lobredner Jacobson'S nicht, diesem sogar den Doctorhut aufzusetzen — s. Sulamith VII 2, p. 39; woselbst mit gleich historischer Genauigkeit der 8. Okt. als dessen Sterbetag angegeben ist. — Im Kal. f. Jsr. (Wesel 1841) p. 86, sowie Zunz MonatSt. und Kayserling a. a. O. geben den 13. Sept. als dessen Sterbetag an. was jedoch unrichtig ist, da er, ilvp ny:nt<0 “ns in der Nacht v. 13. zum 14. Sept. von dannen geschieden; — s. Sulam. I, 427. 65) Kal. a. a. O. 66) S. Sulam. 3, I 8—14. Die betr. Verfügungen sind überhaupt in der vom Konststorialrath David Fränkel (geb. 20. Juli 1779, gest. 18. Mai 1865) redigirten Zeitschrift Sulamith regelmäßig publizirt worden. — Später hat Dr. Jer. Heinemann (gest. 16. Okt. 1855) dieselben wiederholt in seinem „Archiv" rc. veröffentlicht und auch L. Löw hat sich bewogen gefühlt, einige derselben im B. Ch. 295/63 (aus Sulam. a. a. O. 15—20) und „Lebensalter" p. 190 (aus Sulam. ib. 294 f.) „der Vergessenheit zu entreißen." — Ich empfehle bei dieser Gelegenheit^die interessanten Relationen von Auerbach, a. a. O. p. 215—225, und das v. R. Meister Joach. Heinemann (geb. 25. Elul 5507, gest. 19. Elul 5585) im „Archiv d. Judenth." II p. 373—377 veröffentlichte Schreiben an Jacobson zu lesen.

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