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Der Israelit · 1897-02-25 · Heft 16 (25.2.1897) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 16 (25.2.1897)
Date
1897-02-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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316 Oesterr.-Unqar. Monarchie. Wien. (Der neue Vorstand der Cultusgemeinde. — Eine Profanirung des Judenthums und der j üdischenReligion.) Die ersten Schritte des neugewählten Vorstandes der hiesigen israelitischen Cultusgemeinoe haben unter der Wiener Judenschaft große Erregung hervorgerufen. Diese gerechtfertigte Erregung entstand in Folge der ungerechtfertigten Erhöhung der Cultussteuer. Leute, die mit Mühe ihre jährliche Cultusfteuer von zehn Gulden entrichten konnten, wurden mit fünfzig, hundert und noch mehr Gulden bestimm!, so daß sie kaum im Stande sein werden, dieser Anforderung Genüge zu leisten. Und wir befürchten, daß diese unkluge Maßnahme des neuen Vorstandes der Cultusgemeinde nachtheilige Folgen für das Festhalten vieler unserer Glaubensgenoffen an den Glauben ihrer Väter nach sich ziehen würde. Bei der Schwankung der religiösen Ueberzeugung der Heranwachsenden Generation dürfte es doch klar sein, daß die übermäßige Steuererhöhung einen Abfall vieler Juden von ihrem Glauben bewirken kann. Wahr ist es, daß solche Juden, welche einiger Silberlinge wegen das Juoenthum verlassen, dem Juoenthum überhaupt keine Ehre machen, aber Aufgabe des Vorstandes wäre es dennoch, alles zu vermeiden, was diesen schwankenden Juden Anlaß geben könnte, dem Judenthum gänzlich den Rücken zu kehren. Es fragt sich nur, wo war und ist das Rabbinat? Uns will es dünken, daß es die Aufgabe des Rabbinates mar, den Beschluß des Vorstandes aus Steuererhöhung mit allen Mitteln zu Hintertreiben. Aber abgesehen davon, ist die Eultussteuer schon deßhalb zu verwerfen gewesen, weil die materielle Lage der jüdischen Masse Wiens während der letzten Jahre in Folge der antisemitischen Bewegung sich bedeutend verschlechtert hat. Und auch in diesem Sinne glauben wir fragen zu können, wo war das Rabbinat? Daß das Rabbinat nicht auf der Höhe seiner Aufgabe zu stehen scheint, beweist die traurige Geschichte mit der Wahl des Wiener Architekten Wilhelm Fränkel zum Präsidenten des Tempelbau-Vereines für die Bezirke Wieden und Margarethen. Dieser Herr Fränkel, welcher seine Gattin und seine zwei Kinder taufen ließ, erläßt nun als Präsident des Tempelbau-Vereines Aufrufe an die Juden, in denen er „im Namen Gottes und zur Ehre des Judenthums" Gaben für den Tempelbau verlangt. Ist es nicht eine Profanation des Judenthums und eine Entweihung der jüdischen Religion, wenn ein Mann, deffen Frau und Kinder öffentlich ein chriftl. Abzeichen auf der Brust tragen, sich anmaßt, im Namen öer jüdischen Religion und des Judenthums zu sprechen? Ein Ehebrecher predigt Tugend und Moral! Welch bittere Ironie! Und wir glauben, daß auch in diesem Falle das Rabbinat Abhilfe schaffen konnte und mußte. Das Rabbinat hätte einfach die Wahl eines Fränkel zum Präsidenten eines Tempelbau-Vereines nicht zulasten sollen. Wir konstatiren nur Thatsachen, welche, wie wir überzeugt sind, Bände svrechen. Ein Wiener. Vermischtes. Lobsens, 22. Febr. Dezember vorigen Jahres wurde Hierselbst ein Verein unrer dem Namen C’DN msn gegründet. Derselbe verfolgt einen religiösen Zweck, indem er die Mitglieder verpfliciitet hat den Gottesdienst an den Wochentagen regelmäßig abzuhalten und pünktlich im Gotteshause zu erscheinen. Der Verein, der aus 20 Mitgliedern bestehr, hat ein vollständiges Statur entworfen und haben sich fämmtliche Mitglieder, durch Unterschriften verpflichtet, bei Uebertretung obiger Bedingungen, eine Geldstrafe an die Vereinskasse zu zahlen. 'Außerdem bestrebt sich der Verein, neben den religiösen Zwecken, auch Geselligkeit zu pflegen. So hielt derselbe am Sonntag d. 24. v. M. Abends im Vereinslokale (Lewinskis Hottl) feine erste Sitzung verbunden mit gemüthlichem Beisammensein ab, wozu fämmtliche Mitglieder mit ihren Familien und noch andere geladene Gäste vollzählig erschienen. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Wilhelm Alerander, dem eigentlich die Gründung des Verein? zu verdanken ist, begrüßte zunächst die Erschienenen und hielt eine schwungvolle 'Ansprache an dieselben. Ich inöchte folgende zntrest'enden Worte des Redners, besonders bervorheben, er sagte: □•»nnr n2'D s**nr rvD» 72. Alsdann nahm Redner Bezug aus den bevorstehenden Geburtstag Sr. Majestät und klang die Rede in einem mit Begeisterung ausgenommenen Hochruf aus Sr. Majestät den Kaiser aus. Hierauf hielt Herr Lebrer Bernstein einen, mit Beifall ausgenommenen Litterarischen Vortrag. Nun wurden Gesangsvorträge ernsten und heiteren Inhalts abwechselnd von verschiedenen Damen und Herren unter Leitung des Herrn Kantor Baumstein, in wirklich gelungener und vortrefflicher Weise vorgetragen, Nur zu schnell rückte die Mitternachtsstunde heran und fämmtliche Anwesenden verließen voll befriedigt, einen recht geselligen Abend verlebt zu haben, das Vereinslokal. Die allgemeine Stimmung bekundete dem 'Vereine große Zukunft. T. Baumstein. Gprechsaal. Bad Cttis. Den Einsender aus Süddeutschland in Nr. 7 des „Israelit" möchte ich aus meine Annonce die z. Zt. in demselben erscheinen wird, verwaisen. Wenn unter derselben Herr Dr. 'Weingarten als Referenz stehen rvird, dann ist sicherlich Fleisch und Geflügel aus solchen Bezugsquellen entnommen, die volles Vertrauen betreffs nnBO verdienen. Jedoch für einen Bäcker, der am rc2' geschlossen hat, kann weder ich noch jemand anders hier Sorge tragen. B r o m e t. Briefkafteu der Redaetiou I. Levy, Belgard Nicht ein Thurm, sondern eine Kirche wurde an betreffender Stelle gebaut, da man Rabbi Amram als Heiligen verehrte. Es ist die heute noch hier bestehende Einmeranskirche in der Emmeransftraße. Gewünschtes Programm zur Eentenarfeier Kaiser Wilhelm I. finden Sie in unserer jüngsten Donnerstagsvummer. Briefkafteu der Expedition. Tin A. Betrag dankend empfangen. H. W. in D-'- Inserat kostet Mk. 1.50.

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