Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1897)
- Date
- 1897-02-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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IXITI1I, Jahrgang. Erste Beilage M M 16 des „lanttlif*. Leitender Artikel Pom Sinai zum Karmel. (Zu Paraschath sK*n ':.) (Schluß.) Mainz, den 22. Februar. Es folgt nun ein Auftritt, der einzig in der an ergreifenden Momenten so reichen Geschichte Israels dasteht, und dem vielleicht nur noch die Offenbarung Gottes am Sinai an die Seite gesetzt werden kann. Es war eine zweite Offenbarung an Israel. Der Verblendung seiner Könige war es gelungen, die Erinnerung an die erste so zu trüben, daß es nur noch siebentausend in Israel gab, deren Knie sich nicht dem Götzendienst gebeugt und deren Mund ihm nicht gehuldigt hatte. Aber am Sinai hatte Gottes Wort selbst die Herzen seines Volkes ergriffen, s e in Blitz hatte den Berg erleuchtet, sein Donner ihn erschüttert und so die Geister und Gemüt her für Gott und sein Gesetz gewonnen. Am Karmel jedoch sollte das Prophetenwort vollbringen, was einst das Gotteswort vollbrachte. Elijahu's Wort sollte das irrgeleitete Volk wieder Gott zuführen, sollte den Betrug der es verführenden Baals- und Ascherapsaffen entlarven und sie zur Verantwortung ziehen. Elijahu's That sollte Priester und Volk, Betrüger und Betrogene, sammt dem zwischen beiden stehenden Könige so voll und ganz von der Nichtigkeit des Götzenthumes, sowie von der Wahrhaftigkeit des Iudcnthums und dem von ihm gelehrten Gott überzeugen, daß alle Ihm sich beugen und seine Huldigung verkünden. Ueber ihren Häuptern glühte der zürnende Himmel, zu ihren Füßen lechzte die schmachtende Erde; Könige, Priester und Volk hingen erwartungsvoll an den Lippen des Propheten, lauschend auf das Wort, das nun den Bann löse, der nun schon im dritten Jahre auf Volk und Land lastete. Tic* bv cr:cs crx 're ry iexi c;*n Sr Sx rr-Sx t”;r uy xS: vinx '2b S-'an ex' vir« ',2b 'xr 'r ex rrvcn ♦ im oyr „Da trat Elijahu zu dem ganzen Volke hin und sprach: Wie lange hinkt ihr noch nach beiden Seiten hin? Wenn Haschem Gott ist, so geht ihm nach, und wenn der Baal, so geht ihm nach; und das Volk antwortete nichts." Erwägt man, das der erste Eindruck, den dieses erste Wort Elijahus bewirkte, entscheidend für alles Folgende sein mußte, so begreift sich die bewunderungswerthe Feinheit und Vorsicht in den hier gewählten Worten. Es heißt hier dj?h Sr Sx wSx twi und nicht wie in den Sätzen vorher S*ob» 'ja Sa. Letztere Fassung würde die Baals- und Ascherahpropheten ausschließen; denn diese zählen für Elijahu nicht mehr zu den Kindern Israel. Elijahu will aber jetzt zu dem gesummten Volke hintreten, will ein und dasselbe Wort an die Verführten und an die Verführer richten und mit diesen Worten jene aufrichten und diese zu Boden schmettern. Was lag nun nicht Tröstliches, Ermuthigendes, ja geradezu Erhebendes für das bethörte Volk in dem Vorwurfe, daß cs nach zwei Seiten hinschwenkt! Sieben Könige hatten von Jerobeam bis Achab ihren ganzen, mächtigen Einfluß aufgeboteu, um dieses Volk von seinem Gott und seinem Gesetze hinweg auf die Seite des Baal zu locken, und zu drohen, und es war ihnen nicht gelungen! So tief hatte doch das Gottesbewußtsein in den Herzen Israels Wurzel geschlagen, daß es niemals gänzlich das von den Vätern überkommene Gotteserbe preisgab, daß, wenn es auch vorübergehend ihm die Treue brach, es dennoch immer wieder zu ihm zurückkehrte und in ihm die Befriedigung suchte und fand, die kein Götzencult gewährte. War es unter einer solchen Versuchung, bei einer so systematisch von den eigenen Königen betriebenen Verführung nicht ein Wunder, daß das Volk nach beiden Seiten schwenkte und sich nicht wie seine Verführer dem entsittlichenden Götzendienste in die Arme geworfen? War unter solchen Verhältnissen nicht das bloße Schwanken eine Mahnung sich für die Seite zu entscheiden, auf der Elijahu stand? Wie ungleich waren doch die Mittel auf beiden Seiten vertheilt.' Auf der einen der König, seine Macht, der Sinne bestrickende Göttercult, die Versorgung der Ministranten an Jsebels Tisch, Köder aller Art für die Gefügigen und auf der anderen Seite Exilirung und Acchtung, Marter und Tod für die Treugeblieoenen; und das Volk schwankte noch! Wer wollte über ein Volk, das unter solchen Verhältnissen nur schwankt, den Stab brechen, es kurzsichtiger Weise der Stupidität, der Verschüchterung zeihen, ihm und seiner Sache eben wegen dieses Schwankens gar die Zukunft absprechen und es für verloren, rettungslos verloren erklären? Es hatte ja Niemanden, der sich der von seinen Königen und Pfaffen verathenen Wahrheit annahm. Niemand war da, der den von kecker Königslaune hingeworfenen Handschuh ausgenommen hätte. Die Hwrophanten des Baal und der Ascherah hatten die öffentliche Meinung getäuscht und gefälscht, die Pro-