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Der Israelit · 1897-02-22 · Heft 15 (22.2.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 15 (22.2.1897)
Date
1897-02-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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289 sen Erziehung der Schuljugend ihre Aufmerksamkeit angedeihen lassen. Sollten diese Zeilen die Gemeinden aus ihrer Lethargie aufrütteln und manches Wort auf fruchtbaren Boden fallen, dann hat der Schreiber seinen Zweck erfüllt. Vergangene Woche verschied in Mähr.-Weißkirchen der Cultusvorsteher Noe Stroß. Derselbe bekleidete sein Amt mehrere Jahrzehnte hindurch und erwies sich mährend dieses langen Zeitraumes als treuer Anhänger des Judenthums. In dem Bezirksschulrath, in welchen er durch das Vertrauen seiner Glaubensgenossen entsendet wurde, zeigte er sich als unerschrockener Verfechter des Rechtes, als ein muthiger Vertheistiger der jüdischen Interessen. Er erreichte ein Alter von 75 Jahren. rrrrrr. Iewiker. Vermischtes Lemvcrg. . Unter den vom Landcsausschuß nusgearbei: tetcu, in dieser Zession des Landtages zur Verhandlung bestimmten Gesetzentwürfen befindet sich auch der Entwurf der Eröffnung eines Specialkurscs beim Lehrerseminar in Lemberg, in welchem Kurs jüdische Ncligionslehrer für Volks¬ und Mittelschulen hcrangebildet werden sollen Der Landesnusschuß hat das Projekt der Gründung eines spcciellen Religionslehrer-Leminars fallen gelassen. Feuilleton. Getrerl bis in den Tod. Voll Maurice Ma< on „Beruhige Dich, lieber Alfred!" — sagte der Kranke mit schwacher, lallender Stimme. — „Wie oft soll ich es Dir wiederholen, daß Du Phantasiegebilden nachjagest. . . Wer die Ehre Deiner Mutter anzutasten wagt, der ist ein Lügner und Verleumder! . . . Deine Mutter war ein edles Weib. . . Rur einen Jrrthnm . . . einen Jrrthum . . . von trauriger Tragweite . . . hat sie begangen!" Alfred lauschte mit athemloser Spannung und verschlang jeden Lallt, der sich von den bleichen Lippen des Kranken rang. Als er die letzten Worte vernahm, verdüsterte sich seine Stirn, das Bild siel ihm aus der Hand, lutb das Glas zerbrach in tausend Stücke „Also doch", kreischte er in wilder Verzweiflung auf, und Leichenblässe flog über feine Züge. Plötzlich aber schoß eine heiße Blutwelle in sein Gesicht und färbte es purpurroth. Als schäme er sich seines Zweifels, bückte er sich, hob das Bild auf imd bedeckte es mit heißen Küssen. Dann warf er den Kopf stolz in den Nacken und rief: „Nein, Vater! Das will, das kann ich nicht glauben! Du bist zu hart in Deinem Urtheile gegen nlcine arme Mlltter. Erzähle mir mehr von ihr, danlit ich Deine Allklage entkräften und ihre geschmähte Ehre vertheidigen kann!" „Ja, mein Sohil, Du Haft Riecht. Die Zeit ist gekommen, in welcher ich Dir über Vater und Mutter Auskunft geben will." „Wie", stammelte Alfred und namenlose Bestürzung malte sich in seinen Zügen „Auskunft über nreinen. . . Vater? Bist denn nicht Du meiil Vater? D mein Gott, was werde ich noch hören müssen?" Seine Lippen zuckten, und die thränenurnflorten Angen schauten in stummein Flehen auf den Kranken, als wolle er aus seinen Mienen die Bestätigung lesen, daß er ihn nicht recht verstanden habe. Der Kranke athmete einige Male schwer und röchelnd auf, damr erwiedertc er mit sichtlicher Anstrengung. „Nein, liebes Kind! Dein Vater bin ich nicht, .... aber seit Deiner zartesten Kindheit vertrat ich dessen . . . Pflichten an Dir. Du lvarst drei Jahre alt . . . als ich es übernahm, Dich §u erziehen, . . . für Dich zu sorgen." Mit steigender Unruhe hatte der Knabe die Erklärung des Mannes angehört, der mit grausamer Hand seinen bisherigen kindlichen Glauben zertrümmerte. Wie von jähem Blitze getroffen, fuhr er zusammen, bedeckte sein Antlitz mit den zuckenden Händen und schluchzte. „Du nicht lnein Vater? Ach, und ich habe Dich so innig geliebt!" „Du hast mich geliebt?" fragte der Leidende lilit schmerzlicher Betonung. — „Nein, mein Kind, diese Liebe, hoffe ich, wirst Du mir immer bewahren, auch wellll ich nicht mehr unter ben Lebenden weile. Nicht wahr, liebes Kind?" Alfred nickte stumm mit den: Haupte und sah den Kranken mit einem Blicke an, der mehr besagte, als sich in Worten wiedergeben ließ. „Erzähle, erzähle, lieber Vater!" — bat der Knabe und fuhr mit der Hand liebkosend über die Wangen des Kranken. — „Erzähle mir von meinen Eltern. Ach jedes Wesen kennt seinen Ursprung, die Stätte, wo es zuerst das Licht der Welt erblickt! Warum soll es mir versagt sein? Erzähle mir Alles, was Du von meinen Eltern weißt! Verschweige mir Nichts, wenn es auch noch so entsetzlich ist! Ich werde es leichter ertragen können, als diese marternde Ungewißheit. Sag', lieber Vater, warum verließen mich meine Eltern? Warum überließen sie Fremden die Sorge meiner Erziehung?" „Fremden?", wiederholte der Leidende mit leiser, kaum vernehmlicher Stimme. „Nein, liebes Kind! Von Fremden bist Du nicht erzogen worden. Deine Mutter ist die Tochter meines verstorbenen Oheims

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