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Der Israelit · 1897-02-15 · Heft 13 (15.2.1897) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 13 (15.2.1897)
Date
1897-02-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXflll. Jahrgang. KeilriM M M 13 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, VI. Febr. Die radikalen Antisemiten sind, nachdem sie mit ihren Führern Ahlmardt und Böckel gerade nicht die besten Erfahrungen gemacht haben, auf ein ziemlich kleines Häuflein unter der Bezeichnung „Germanischer Volksbnnd" zusammengeschmolzen. Der Bund zählt nach zehnwöchentlichem Bestehen 470 Mitglieder. Der einzige Führer dieses alten Stammes der Antisemiten ist der Deckoffizier a. D. Hans v. Mosch, er ist Wanderredner, Organisator und Redacteur und Verleger des Bundesorgans, kurzum alles in einer Person. Am Anfang o. Mts. hat v. Stofch, wie er mittheilt, in Leipzig ttnd Magdeburg altbewährten Vorkämpfern der antisemitischen Sache Besuche abgestattet und dabei auch den antisemitischen Schriftsteller Theodor Fritsch in Leipzig für seine Sache gewonnen. Auf Ahlwardt ist mau innerhalb des „Volks-Bundes" nicht gut zu sprechen, man kann es nicht vergessen, daß der „geliebte Führer" vor Jahresfrist die junge radieal-antisemitische Partei, die sozusagen noch in den Windeln lag, so schmählich im Stich lies; und des Gelderwerbs halber nach Amerika ging, — von wo er anscheinend auch nickt mehr miederkehren' wird — ohne daß er die Parteileitung gefragt hat. Besonders ist Hans v. Mosch, der Ahlwardt anr besten kennt, nicht gut aus ihn zu sprechen, bei denr von Ahlwardt gegründeten Deutschen Volksrecht hat v. Mosch!4000 Mark verpulvert. Der „deutsche" Gastmirth Einil Bodek hat ein ganzes Vermögen für die Sache Ahlwardts geopfert, auch für den Schrreidermeissir Volkmannn, der jetzt ein Restaurant im Grünen Weg besitzt, dürfte Ahlwardt ein „theurer" Gesinnungsgenosie sein. Bei den nächsten Reichstagswahlen wird das Häuslein radicaler Autisemrten eigene Candidaten nicht aufstellen. Es sollen in nächster Zeit antisemitische Flugblätter in Massen verbreitet werden, um für den „Volks-Bund" Mitglieder zu werben. Berlin. (Ein neuer Kabbalist.) Herr Dr. Vogelstein in Stettin, der sattsanr bekannte Verfasser der Westphälischcn Postille, ist unter die Kabbalisten gegangen und läßt damit seine Vwlseitigkeit in einem neuen Lichte erscheinen. Er hat hier im Bruderverein nämlich einen Vortrag über „Die jüdische G e h e i m l e h r e .Kabbala" gehalten, und da er doch wohl keine Vortrüge über ein Gebiet hält, von dem er nichts versteht, so hat man es gewiß mit einem modernen Baal Schein zu thun, wenn auch nur insofern, als er es mit der Devise nsn?; cf 'S hält. Ich habe den Vortrag nicht selbst gebärt. Aber nach einem mir vorliegenden Zeitungs- Bericht zu urtheilen, hat er die Kabbala ganz in derselben Weise behandelt, wie unsere alte Tefilla. Das heilige Sohar-Buch habe danach einen geschickten Fälscher zum Verfasser gehabt. Nun, dann kommt es doch besser weg, als unsere alte Tefilla, die einem ungeschickten in die Hände siel. Trotzdem wird dem Sohar-Buch ein übermächtiger Einfluß zuerkannt, was man von der neuen Westphälischen Tefilla einstweilen nicht sagen kann. Diese wenigen Notizen dürften genügen, um den Gläubigen, die etwa nun in großen Schaaren den neuen Rabbiner Baal Schein aufsuchen möchten, einen kleinen Dämpfer aufzusetzen. Aus Süddeutschland. Im Sprechsaal der vorletzten Nummer des „Israelit" fragt Herr Pessen in Insterburg, ob es nöthig sei, daß ein theoretische Kenntnisse von bcu Thierkrankheitcn hat, welche die moderne Wissenschaft als übertragbar auf den Menscheil durch Fleischgenuß erklärt. Der Gedailke ist bereits von Herrn Dr. D e m b o iil St. Petersbilrg in seiner kürzlich erschienenen Schrift: ~T-:rr ns'rpr; angeregt worden. Es heißt daselbst: „Es wäre selbstverständlich sehr gilt, falls die Schächter, ivenn sie zur Erlangung ihrer Autorisation die Prüfung vor den Rabbincn ablegcn, auch einen Tbeil der Beterinärkllllde erlernen würden, soweit dieselbe nöthig ist, um in schwierigen Fällen zu entscheiden, ohne damit dem Religionsgesetz zuwider zu handeln. Es wäre den ^chochtim gewiß ein Leichtes, diese Kenlltnisse sich in kurzer Zeit anzueignen, da sie ohnedies alle thorakundig sind. Ich hoffe, ein kilrzes Handbuch der für einen Schächter erforderlichen medieinischcn Kenntnisse, welche die religionsgesetztichen Bestimmungen nicht nur nicht beeinträchtigen, sondern sie noch fördern, in Kürze zu veröffentlichen." Der „Israelit" hat seiner Zeit an diese Ausführungen folgende, wie mir scheint, sehr zutreffende Bemerkungen geknüpft: „Wir stinlmen mit dem Verfasser überein, daß allatomische und physiologische Keniltniffe zur Feststellung desscit, was koscher und trefo ist, nur förderlich sein kann. Dieselben aber als integrirenden Theil der Schächterprüfulig zu erklären, würde dem Wabn Vorschub leisten, als seien hygienische Rücksichten das Motiv, das unseren “p1“* neTTE» vt zu Grunde liegt. Die Vortheile dieser Kenntnisse würdert durch Förderung einer solch' irrigen Annahme L

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