Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 13 (15.2.1897)
- Date
- 1897-02-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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i 249 Wien, im A'ct’ntrtr. Obgleich es für das größere Publikum ziemlich gleichgültig sein dürste, näheres über den Stammbaum des Bürgermeisters der Hauptunb Residenzstadt Oesterreichs zu erfahren, so gewinnt die Sache doch ein unleugbares Interesse, wenn wir uns vergegenwärtigen, welche Wirkung dies auf die adeligen imb hochgeborenen Gesinnungsgenossen des Betreffenden ausüben dürfte, wenn selbe erfahren sollten, das; der Bürgermeister Wiens der Sohn der Pfarrersköchin Strohbach sei. Auch der GeburtSort des Genannten, das kleine Gebirgsstädtchen Wernstadt, welches ganz judenrein, dafür mit unzähligen Meistern des edlen Schuhhandwerkes beglückt ist, gibt uns den fast überall anzutreffenden Beweis, daß dort, wo die wenigsten Israeliten, der ärgste Antisemitismus herrscht, also Unkenntnis und Bornrtheil der jüdischen Verhältnisse sehr oft die Haupttriebfedern des Hasses sind. vermischtes. Wesel. ,x\« beut unweit Emmerich gelegenen hplländischcn EKenzstädichen 'S Hecrenöerg beging dieser Tage dnS arme, würdige, religiöse Ehepaar, B. stivaab, daS Fest seiner gol denen Hochzeit. Da der Alaun schott lange Jahre an einem ,Liis;übcl leidet, tvelcheS ihm nur geringe Thatigkcit gestattet, war die Frau gezivniigcn für den Unterhalt durch Hansircn zu sorgen. Heute ist dieselbe 7!> Jahre alt und dennoch ist sic stets ans gleisen und geht ihrem beschwerlichen Gcschäst unermüdlich itach, um ihren Alaun und sich zu ernähren. Möchten diese Seilen dazu beitragen, das; ntanelier uttserer ENanbcnSgcnosscn np“i^5 übe an dctt eilten pculen, denen daS Elück nicht wohlgewollt. Feuilleton. Wohn ltobvi Ior-Is DkiWilm ftammte. Bon R. LK. 0 „Ich wies sie zureebt, daß sie mit so trüben Gedanken sich den Jom tos verstöre und erinnerte sie an das Wort von Rabbi Elieser Hagadol: „Wer heute zu essen hat und für morgen sorgt, zählt zu den Kleinmüthigen." Sie stimmte mir bei und versprach, sie werde sich gewiß nicht mehr an Jom tos solchen Gedanken hingeben. Ich sagte dann mein Schir Haschirim und schlief dabei ein. Ich hatte den ganzen Dag als Bechor gefastet und schwer gearbeitet, wodurch ich müder als sonst war. Wie lange ich geschlafen habe, weiß ich nicht »lehr, aber als mich meine Mutter weckte, sagte ich ihr, ich hätte einen merkwürdigen Traum gehabt. Es sagte mir Jemand, ich sollte sobald als möglich nach Lundhofen auf das Feld gehen, wo wir jedes Jahr unseren Schmuro-Weizen schneiden, dort lvürde ich mein j Glück machen. Am ersten Tag Pesach, als ich nach Tisch in unserem Lehnsessel mein Mittagsschläfchen hielt, hatte ich denselben Traum und in der zweiten Sedernacht träumte ich ihn zum dritten male. Am zweiten Tag Pesach nach Schul gehe ich zum Ras — sein Andenken sei zum Segen — und erzählte ihm die ganze Geschichte und bat ihn um seinen Rath. Derselbe sagte mir: „Warum solltet Ihr nicht thnn, was Euch im Eholem geheißen wurdet Wie viele Wege macht ein Halldelsmami auf's bloße Ungefähr bin V Den Weg nach Lundhofen kennt Ihr gut und das könnt Ihr schon riskiren. Rur den einen Rath gebe ich Euch: Äußer Eurer Frau sagt jetzt und später keiner Seele auf der Welt von dem ganzen Handel." So ging ich am ersten Tag Ehol Hamoöd noch vor Anbruch des Tages mit etwas Schmuro-Mazzo in der Tasche nach Lundhofen, das drei Stunden von hier entfernt ist. Als ich an dem Felde anlangte, kam gerade der Ackerknecht des Hofbauers angefahren, um das Feld für den nächsten Schmuroweizen zu pflügen. Wir kannten uns von Ansehen, da wir schon mehrere Jahre uns beim Schneiden des Schnluroweizens gesehen hatten, aber keiner von uns beiden wußte den Rainen des Anderen. Der Knecht war nicht wenig erstauilt nlich zu so ungewöhnlicher Zeit hier zu treffen, und meinte, ich käme ein paar Monate zu früh. Ich sagte ihm, daß ich hier Jemanden erwarte und ging mit dem Knecht hinter der Pflugschaar her, immer die Blicke auf den Boden geheftet, in der Hoffnung beim Pflügen einen Schatz zu finden. Um elf Uhr fuhr der Knecht nach Hause und lud mich ein mitzukommen und im Bauernhof einen Imbiß zu nehmen. Aber es war Pesach, wo ich ja nichts in einem fremden Hause genießen konnte, zudem fürchtete ich auch den Ort auch nur auf kurze Zeit zu verlassen, an dem ich mein Glück machen sollte. Um ein Uhr kam der Knecht wieder und meinte mein Freund ließe mich lange. warten. Ich leistete ihm wieder den ganzen Rachmittag Gesellschaft, immer die Augen auf die Furchen gerichtet, aber ich fand nichts. Mein Benehmen war dem Knecht auffällig und als er sich gegen sechs Uhr Abends zur Heimkehr rüstete, sagte er mir: „Ihr sucht etwas den ganzen Tag hier, habt Ihr vielleicht vorigen Herbst etwas auf dem Felde verloren V" Mißmnthig wie ich war, antwortete ich dem biederen Knechte: Allerdings suche ich etwas, ohne daß ich etwas verloren hätte. Fast schäme ich mich Euch meine Dummheit einzugestehen, denn so ist vielleicht noch Niemand an der Rase herumgeführt worden, wie mir heute geschehen ist. Ich habe geträumt, ich solle auf dieses Feld gehen, da werde ich mein Glück machen und ich dummer Mensch habe