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Der Israelit · 1897-02-15 · Heft 13 (15.2.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 13 (15.2.1897)
Date
1897-02-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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xxxym. Jahrgang. M IS Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. fe^mann in Uniu} Montag, de« 15. Februar 5657 (18S7). Leitender Artikel. Selbstachtung. Von vr. Heinrich Loewe in Magdeburg. Zwar gilt es weder für originell, noch für interessant oder wirkungsvoll, denselben Gedanken immer und immer wieder zu wiederholen. Denn, sagt man in mitteldeutschen Landen, getretener Quark wird breit, nicht stark. Doch darf man darüber nicht außer Acht laffen, daß veraltete Leiden nur durch immer wiederholte Anwendung .der gleichen Mittel allmählich gehoben werden können. Wenn aber gar dieses L.iden ein seelisches ist, wenn infolge äußerer Einwirkungen und fremder Einflüsse das Geistesleben eine bestimmte ungesunde und unwürdige Wendung nimmt, dann freilich ist es geradezu nothwendig dieselben Mahnungen, die gleichen beherzigenswerthen Worte zu wiederholen, bis sie wirksam Wandel schaffen. Und wenn heute unser jüdischer Stamm, der so manches gethan und geleistet, so vieles gesehen und gelitten hat, in jüngster Zeit der alten Ideale sich zu entäußern begann, und oie alten Jahrtausende lang hoch und heilig gehaltenen geistigen Eigenthümer mit unverdienter Mißachtung betrachtet, dann ist es wahrlich hohe Zeit, dem selbstvergeß'nen Volke einen Spiegel vorzuhalten, darin es seine Entartung erkennt, und in edlem Stolze zum alten Wandel wiederum zurückverlangt. Da kann nur stete Wiederholung derselben Mahnungen und Worte wirken. Denn es ist nicht leicht, unser Volk, das im Judenthum vielfach etwas Ueberlebtes und Unmodernes zu sehen gelernt hat. von neuem daran zu gewöhnen, daß unser Volk noch lebenskräftig, unsere Lehre existenzberechtigt ist, und daß beide nicht daran zu denken brauchen, von der Weltenbühne abzutreten. Indem wir uns nun die Frage vorlegen, wie wir unserestheils dazu beitragen können, unserm Stamme die ihm gebührende Achtung zu erringen, uns vor Allem die verlorenen Söhne unseres Volkes dem Judenthume neu zu gewinnen, erkennen wir, daß dem jüdischen Volksihume nichts verderblicher geworden ist, als der Mangel an edlem Selbstbewußtsein. Denn als man anfing aus unsern Gebetbüchern die Worte Zion und Jerusalem zu streichen, als man unter der Vorgabe modern und kulturell sein zu wollen, aus unsern Herzen die Hoffnung auf eine dereinstige glückliche Zukunst erbarmungslos herauszureißen sich bemühte, da war der leitende Gedanke, das vermeintlich gestorbene Judenthum zu begraben, und zugleich zu verhttien, daß der freudig betrauerte Scheintodte nicht zu unerwartetem Leben erwachen könne. Wenn sich ein Theil unseres Volkes schon heute wieder sich auf sich selbst besonnen hat, und rüstig am Wiederaufbau Israels mitarbeitet, — die Schuld unserer Todtengräber war es nicht. Sie haben gethan, was in ihren Kräften stand, und sich lieber taufen laffen, als dem alten Judenthume die geringste Concession zu machen. Wie kam es denn aber, daß unser Volk nach einer so herrlichen und glorreichen, so erhabenen und zugleich so ergreifenden Geschichte, die wenigstens nicht völlig der Vergessenheit anheimgefallen war, so sehr auf eigene Ehre und Selbstachtung verzichten konnte, daß es versuchte, Hand an sich selbst zu legen? .... Selbstmordgedanken, — und die Sucht der Juden in die Völker bedingungslos und anstandslos ausgehen zu wollen, ist nichts weiter als Selbstnrordversuch, — Selbstmordgedanken entstehen bei geistig begabten Individuen zumeist infolge der tiefsten Schwermuth über Unglück und Kummer. Es giebt eine Grenze des Schmerzes und Jammers, wo die ganze sittliche Kraft nöthig ist, um sich der Unmoral des Selbstmordes bewußt zu bleiben. Und wenn es auf Erden irgend ein Volk gab, das weit über die Grenze dieses Schmerzes Leiden erdulden

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