Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1897)
- Date
- 1897-02-11
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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*Dep Israelit. Central-Organ für das orthodoxe Judenthnm. Mlatter für die israel. Schule. 11. rycbr. 1897.] [9lt. 3. Mer soll noch jüdischer Religionslehrer werden? Zeitbetrachtung von Lehrer Elias Gut — (5 ö l u. -<*-<=5$*-§**S?£=—{«- Vor Kurzem erschien eine lesenswerthe, sachlich gehaltene Broschüre von Schulinspektor Boos unter dem Titel: „Wer soll noch Lehrer werden?" Auf Grund zuverlässiger, ausreichender Materialien untersucht der Verfasser zuerst die Frage: Was wird von einem Volksschullehrer verlangt? Dann: Was bietet man dem Lehrer für seine Leistungen? Der Herr Inspektor kommt zum Schluffe, daß die Bezahlung des Volksschullehrers eine völlig unzureichende, seine Stellung infolgedessen eine niedrige, die Berufsfreudigkeit eine gedämpfte und der Schaden, der dem deutschen Volke dadurch erwächst, ein sehr beträchtlicher sei. Es würde zu weit führen, wollte ich auch nur einen Theil der in dem vortrefflichen Merkchen enthaltenen Gedanken hier wiedergeben. Kein Lehrer wird das Büchlein nutzlos, kein Schulvorstand beruhigt aus der Hand legen. — So traurig nun die Stellung der preußischen Volkschullehrer auch ist, ihr Loos ist noch immer beneidenswert!) im Vergleich zu der Stellung der jüd. Neligionslehrer. (Siehe die Denkschrift des Vereins jüd. Lehrer im Rheinland und Westfalen über die sociale Lage der jüd. Religionslehrer.) Zu dem Mangel einer irgendwie ausreichenden Besoldung treten noch die vielen Schattenseiten, welche die Aust ell un g s Verhältnisse aufweisen und das Fehlen jeder Fürsorge für Alter, Invalidität, Krankheit, Pension undHinterbliebene hinzu und sind wohl geeignet, dem jüd. Neligionslehrer, nicht nur die Lust zum Schaffen, sondern auch manchmal den Willen zum Leben zu trüben. (Bf.) Hier gelten mehr als sonst die herrlichen Worte, die Samson Raphael Hirsch bw in seinen! Pentateuch-Kommentare vom Volke Israel, ja von der ganzen Menschheit sagt: „Es nützt kein Erlösungs- und kein Rettungswunder in Mizraim und am Meere, Alles schwindet im Anblicke des drohenden Hungergespenstes für Weib und Kind und auch in dieser Beziehung mag das Wort unserer Weisen gelten c-rx bv rrrnv ptpp c"pe “r" die Ernährung der Menschen ist härter, als das Auseinanderreißen des Schilfmeeres. Die wirkliche oder vermeintliche Gefahr des Verhungerns macht alle Grundsätze schwankend, bringt alle besseren Vorsätze zum Schweigen und so lange der Mensch nicht von der Gewalt der Sorge, um die leibliche Existenz erlöst ist, ist für eine durchgreifende Verwirklichung idealer Höhenziele der Raum nicht gewonnen." Daß diese Worte ganz besonders beim jüdischen Neligionslehrer angebracht sind, wird wohl nicht in Abrede gestellt werden können, den Schaden hat außer dem jüd. Neligionslehrer — das jüdische V ol k. Es ist daher nicht nur Pflicht des Lehrerfreundes, sondern in noch höherem Maße Aufgabe des jüd. Volks freundes, hier endlich einmal den Hebel der Thätigkeit anzulegen, hier reformatorisch und organisatorisch einzuschreiten. Was sollen wir denn thun? rufen gewöhnlich die Gemeindemitglieder und — Vorstände! Wie unsere Weisen als leuchtendes Muster der Elternverehrung einen Nichtjuden uns bezeichnen, so möchte auch ich als Vorbild der berathenden und thätigen Fürsorge für angeftellte, abhängige Beamte einen Mann nennen, der nicht zu Israels Braven gehört, der aber für genannte Bestrebungen solch warmes Herz hat, solch regen Antheil nimmt, daß ihm hohe Anerkennung nicht versagt werden kann. „Ernste Worte" ist der Titel einer Ansprache, die Herr Fabrikant Ernst Leyeiidecker in Eöln,