Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1897)
- Date
- 1897-02-11
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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n\jiy ^jy,!»yy^-'y^‘-K -*-h , i»f .2V-- v^v^»?-gv*'* >w^.----»:-^;,.-- *.&■ 236 große Ueberraschung bereitete er Allen mit seinen aus 7 Knaben, von 10 bis 12 Jahren, bestehenden Violinspielern. Unter Begleitung dieses Orchesters wechselten nun Gesangsvorträge ernsten uno heiteren Inhalts ab. Sämmtliche mitwirkenden Damen und Herren ernteten reichen Beifall und gar zu schnell rückte die Mitternachtsstunde heran. Unter voller Befriedigung, mit der Stimmung einen recht gemächlichen Abend verlebt zu haben, trennten sich die Theilnehmer und allgemein wurde dem Verein eine große Zukunft und Nachahmung prophezeit. O e st e r r. - U n g a r. Mo n a r ch i e. Wien, 9. Febr. Die offenkundig gewordene Intimität der antisemitischen Führer mit dem Grafen Badeni und der Vorstoß, der in den letzten Tagen gegen die Lehrer und die Schule unternommen wurde, hat es offenbar der antisemitischen Parteileitung uahegelegt, die Aufmerksamkeit ihrer Wählerschaften von diesen Dingen abzulenken, von denen man nicht liebt, daß sie allzu sehr in der Oeffentlichkeit behandelt werden. Da nun wurde in der heutigen Sitzung des niederösterreichischcn Landtages anläßlich einer beantragten Subvention von 20" fl. für einen Verein zur Unterstützung jüdischer Waisen eine Jndendebatte vorn Zaun gebrochen. Die Herren Gregorig und Schneider, die mau in kritischen Zeitläuften in bcu Kasten sperrt, wurden hellte losgelassen, lind sie benütztell die ihnen gewährte Freiheit, um ein seltenes Schauspiel von Rohheit und Brutalität anfzuführen. War doch der Sinn der Webe Gregorig's ungefähr der, man möge die jüdischen Waisen verhungern lassen, damit sie in der Folge feinen Schaden stiften können. Man begnügt sich nicht mehr, die jüdischen Bürger, welche in gleichem Maße wie alle anderell ztl den Bedürfnissen des Staates und auch des Landes beitragen, als Parias zu behandeln, nian predigt heute von der Tribüne des niederösterreichischen Landtages offen den Vernichtungskrieg gegen die jüdischelt Einwohner. Und das ist die Partei, welche von der Regierung als ein Glied ihrer künftigen Majorität ausersehen ist! Der Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger jüdischen Waisen ist unseres Wissens der einzige jüdische Verein, der aus Landesmitteln bisher eine Sllbvention bezogen hat, und diesem Vereine, welcher in einem durch private Wohlthätigkeit errichteten, musterhaft geleiteten Hause mehr als fünfzig elternlose Mädchen erhält, erzieht und für den Kampf unts Dasein vorbereitet, lvird die armselige Subvention von zweihundert Gulden verweigert, weil es sich um jüdische Waisenkinder handelt. So ist es mit der Bethätigung des praktischen Ehristenthums bestellt, welches die Heuchelei auf ihre Fahne geschrieben hat. Es gibt keine verächtlichere Feigheit als die Verfolgung wehrloser Waisenkinder. Indessen mit jenen Herren ist nicht zu rechten, die Antisemiten aus Geschäft sind nnb die nie aus dem Nichts hervorgegangen wären, wenn sie nicht dieses Handwerk ergriffen hätten, das, wie wie man sieht, seinen Mann nährt. Hingewiesen muß aber werden auf das Präsidium des niederösterreichischen Landtages und die Art, wie dieses gehandhabt wird. Der Landmarschall Baron Gudenus ergriff die Flucht, als die Petition auf die Tagesordnung gelangte, und Herr Strohbach präsidirte, wie er tut Wiener Gemeinderathe zu präsidiren pflegt. Die Minorität ist vogelfrei, der Majorität ist jeder Erceß gestattet. Zur Aufklärung für Diejenigen, die auf den: Gebiete konfessionsloser Stiftungen einer solchen noch immer bedürfen, diene die folgende Mit theilung Wiener Blätter aus den Verhandlungen des niederösterreichischen Landtages: Dort erzählte der Abgeordnete Kick, Weiter der technischen Hochschule, daß da^ Professorenkolleginul der technischen Hochschule jüngst wegen Besetzung eines Königswarter'schenStipendinms einen Vorschlagmachte, der dem Stiftnngsbrief gemäß an den Bürgermeister geleitet wurde, da diesem das Verleihungsrecht dieser Stiftung zustehe. Unter den sieben Bewerbern war ein Jude, der der beste Student, gleichzeitig aber auch ein ganz armer Teufel war. Das Professorenkollegimn habe ihn daher in erste Linie gestellt. Es sei jedoch der in einer Terne ganz allein vorgeschlagene Student vom Bürgermeister vollständig über gangen worden, und dies geschah bei einem Stipen dium, das ein Jude gestiftet hat, dessen Toleranz dadurch zum Ausdrucke kam, das; er es für jede Konfession stiftete. Man könne daraus ersehen, wie das Haupt der derzeitigen Gemeindevertretung vorgehe. Nachdem der niederösterreichische Landtag gestern den jüdischen Waisen eine Subvention von zweihundert Gulden verweigert hatte, votirte er heute den Betrag von zweitausend Gulden einem christlichen Agltations-Vereiu, der erst seit drei Monaten besteht und von dessen Wirksaiukeit Niemand Kunde besitzt. In Wirklichkeit stellt sich die Subvention als eine Zuwendung für den antisemitischen Wnhlfonds dar. Vermischtes. Wien. Die Freiherren Albert und Rathaniel v. Rothschild haben dein Snnagogenban-Vcrein für Wieden und Margarethen, da sich das Ziel gestellt hat, anläßlich des Kaiser-Jubiläums ein Gotteshaus zu erbauen, den Betrag von zehntausend Gulden gewidmet. Bukarest, 9. Febr. Gine zu Batau abgehaltene Versammlung israelitischer Armee-Reservisten sandte dem König und dem Ministerpräses Telegramme, in denen die Rcservistcn um bürgerliche Gleichheit der ausgedienten Juden mit den Rumänen bitten.