Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1897)
- Date
- 1897-02-11
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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■ v-^ "“*v- -?=r'f XXXYIII, Jahrgang. Zweite Ärilüfte M M12 -es Jfetndtt“. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 8. Febr. Der am 27. Januar verstorbene Herr Siegfried L e i ch t en t r i t t entstammte, wie Herr Rabbiner Dr. Meiste in seiner Gedächtnißrede ausführte, einem höher gestimmten Elternhaus, einer Familie, die zu ihren Ahnen fromme und gelehrte Führer Israels zählte. Nach Verlassen seines Elternhauses erwarb er sich durch seinen Ernst, seine Pflichttreue und Wahrhaftigkeit, seine herzgewinnende Bescheidenheit und Anspruchlosigkeit das Vertrauen aller Derjenigen, mit denen er in Beziehung trat, mtb das eigene Haus, das er in Gemeinschaft mit den treuen Freunden gegründet hatte, erwarb sich bald die allgemeinste Achtung und Werthschätzung im Kreise der Berufsgenossen. Aber so treu und fest er in seinem Berufe stand, so ging er doch nicht in demselben ganz auf. Er gehörte nicht zu Denen, die ihre Lebensarbeit nur als Mittel ansehen, um für sich und die Ihrigen volle Behaglichkeit und Unbeschränktheit des Lebensgenusses zu verschaffen; für Andere das Glück zu bereiten und thatkräftig zu sein, wenn es sich um das Glück Anderer handelte, war sein stetes Bemühen. Seine Fürsorge suchte höhere Ziele. Nachdem er sich, von den Geschäften zurückgezogen (er war 81 Jahre hindurch Mitinhaber der Firnla Lehmann u. Leichtentritt) stellte er sich nunmehr ganz in den Dienst guter und frommer Merke. Er gehörte seit sieben Jahren dem Repräseutantenkollegium unserer Gemeinde an und bekleidete das Amt eines Synagogenvorstehers unserer altehrwürdigen Heidereuter-Snnagoge, eines Mitgliedes der Veranlagnngskommission und der Kommision für bauliche Angelegenheiten der Gemeinde in treuer Hingebung und mit seltenem Eifer; er gehörte der Verwaltung vieler wohlthätiger Vereine und frommer Stiftungen an. Eine seiner letzten Bestrebungen hat ihm besondere Herzensbefriedigung gewährt: der Verein für Arbeitsnachweis, den er begründet hatte. — Der Verstorbene ist 68 Jahre alt geworden, er wurde in Posen im Jahre 1885 geboren. Im Nepräsentanten-Kollegiunl gehörte er der sogenannten konservativen Richtung an, doch sein mildes, ausgleichendes versöhnendes Wesen machte ihn bei allen ■ Richtungen beliebt, und war er es gerade, der bei l den in letzter Zeit so schroff auftretenden Gegensätzen £ und Meinungsverschiedenheiten vermittelnd wirkte. Die Beisetzung fand in Weißensee statt, wo verschiedene Ansprachen seitens des Herrn Hermann Landsberger für das Repräsentantenkolleginm der Gemeinde, des Herrn Eugen Rosenstiel im Namen des Vereins für Arbeitsnachweis der Berliner Logen und des Herrn Conrad Schayer für die Armen- Kommission der Gemeinde die Thätigkeit des Heimgegangenen feierten. Mit Gebet und Chorgesang fand die würdige Feier ihren Abschluß. Ehre dem Andenken des Mannes. Lobsens. Wie in fast allen kleinen Gemeinden, so hätte sich auch bei uns der traurige Zustand eingestellt, selbst am Montag- und Donnerstag-Morgengottesdienste kein Minjan vorzufinden, da die ^bisherigen Theilnehmer zu demselben sich des? Alters wegen zurückziehen mußten, die jüngeren Mitglieder der Gemeinde sich nicht dazu verstehen wollten und gegen Besoldung keine vorhanden.'waren. Dieser Roth abhelsend hat sich am 19. Dezember vorigen Jahres auf Veranlassung des Kaufmanns Wilhelm Alexander Hierselbst einen Verein unter dem Namen mir, „Brüder-Verein" gegründet, meldet religiöse und gesellige Zwecke verfolgt. Die religiösen Zwecke sind vorzugsweise diese: daß jedes Mitglied verpflichtet ist, sich jeden Montag und Donnerstag und an Jahrzeitstagen, welche die Mitglieder haben, pünktlich am Morgengottesdienste zu betheiligen. Die geselligen Veranstaltungen des Vereins finden monatlich statt. Zur Freude aller religiös denkenden Männer haben wir jetzt an jedem Montag und Donnerstag 2 bis 3 Minjonim beim Morgengottesdienste. — Am Sonntagabend hat nunmehr die erste Sitzung verbunden mit geselligem Beisammensein im Vereinslokale, Lewinski's Hotel, ftattgefunden. Zu dieser Feier fanden sich vollzählig sämmtliche Mitglieder mit ihren Familien ein. Der Vorsitzende eröffnete dieselbe mit einer Begrüßung der erschienenen Damen und Herren und drückte seine besondere Freude über die überstandene fünfwöchentliche Feuerprobe aus, er bat dringend die Damen wie die Herren, ihr großes Interesse, welches sie alle bisher für den Verein und seine Zwecke allgemein bekundet, stets zu bewahren. Er wies stolz auf die Verheißung unserer Väter hin, welche lautet: „Kol keneisxjo scliehi lescliem xchomajim zaufo lehiskajem.“ Jede Versammlung, welche in frommer Absicht zusammeniritt, wird Bestand haben, und daß bei uns dieses der Fall, wird gewiß Niemand bezweifeln. Es folgte alsdan ein mit Beifall vom Lehrer Bernstein oorgetragener literarischer Vortrag und nun begann der gemüthliche Theil der Tagesordnung. Ganz besonderen Dank und allgemeine Anerkennung erhielt der Cmtor Vaumstein, welcher aus besonderem Interesse für den Verein den musikalischen Theil leitete. Eine