Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1897)
- Date
- 1897-02-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 10 ixxrm ZahrgaXg. Ein Der Israelit Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von »r. L^hrrrsnrr in Haini. Do«tterstag, de« 4. Leiterrder Artikel. Jamfoa Mphael Hirsch M die Isiatlitlflt KeWoilsgestlisAst juftanhftttt a.M. Von Director Dr. Mendel Hirsch. XXII. Auch der Vorwurf des Undanks, der ihm in der angeführten Biographie gemacht wird, gewinnt dadurch fraglos die richtige Beleuchtung. Der Herr Biograph beschuldigt ihn nämlich seltsamer Weise eines Mangels an jener Dankbarkeit, zu der auch der Lehrer seinem Schüler gegenüber verpflichtet sei, da es doch ein „hohes Glück für ^den Meister der Wissenschaft sei, wackere und begabte Schüler zu gewinnen." Ganz gewiß ist es das. Und wenn es je einen warmherzigen, jedes ernste Streben und jede tüchtige Leistung freudig anerkennenden Meister gegeben hat, so war es Samson Raphael Hirsch. Aber wenn er sich einer Arbeit gegenüber sah, die sich ihm Schritt auf Schritt als das Produkt des Gegentheils von wissenschaftlicher Gründlichkeit und gewissenhafter Benutzung der Quellen darstellte, da sollte ihn — und handelte eS sich selbst um eine Geschichte der Mongolen oder Azteken — ein Gefühl der Befriedigung darüber erfüllen, daß deren Verfasser einige Jahre sein Schüler gewesen war? Wenn es nun aber gar eine der wichtigsten Epochen unserer eigenen Geschichte betraf und die Darstellung von Männern und Entwickelungen, die für die Juden aller Zeiten von höchster und unmittelbarster Bedeutung sind, da sollte er, weil der Verfasser einst sein Schicket war, Abstand nehmen, ungeschminkt seinem Urtheil Ausdruck zu geben, sollte sich durch diese persönliche Rücksicht ab- Februar 5657 (1897). halten lassen, das auözu^prechen, dessen Darlegung er für heilige Pflicht hielt? Hat denn das: ma^is amica veritas alle Gültigkeit verloren? — Elf Jahre später unternahm derselbe Herr, der in der erwähnten Weise für Grätz in die Schranken getreten war und die verdiente Abfertigung empfangen hatte, nochmals als Kämpe der Neologie einen Angriff auf Samson Raphael Hirsch. Das war nach dem Erscheinen des ersten Bandes seines Commentars zum Pentateuch. Dieses Werk war derjenigen Richtung, die die Göttlichkeit der Thora leugnet, ein Dorn im Auge. Erschüttert es doch durch seine genialen Erklärungen den ganzen wissenschaftlichen Apparat, mit dem sie operirt, und bildet es doch so das mächtigste Bollwerk gegen die Propaganda deS Abfalls. Das wurde in jenen Kreisen rasch erkannt. Da vollbrachte denn derselbe Herr wiederum die rettende Tyat. Wie früher den Kritiker, so suchte er jetzt den Forsch er zu verdächtigen. Er beschuldigte ihn schlankweg des — literarischen Diebstahls! Das Opus führt den Titel: „Die neue Exegetenfchule." Im Tone unendlicher Überlegenheit gibt sein Verfasser sich das Air, Samson Raphael Hirsch schulmeistern und ihn einer Reihe angeblicher Jrrthümer beschuldigen zu können, und verweist im Uebrigen seine Erklärungen kurzer Hand dorthin, „wo der Blödsinn das Wort führt." Von Anfang bis zu Ende seiner vierzig Seiten bildet das Pamphlet eine fortlaufende Kette gehässiger persönlicher Jnvectiven, frecher Verdächtigungen, gänzlich aus der Luft gegriffener Lügen und literarischer Fälschungen und Entstellungen. Allem aber setzt er die Krone auf durch die mit eiserner Stirn vorgebrachte Beschuldigung: Der Vers, habe „den unbekannten, verschollenen Autor des i. I. 1719 erschienenen Merkchens Ohole Jehuda auSgeheutet und sich dadurch des literarischen Vergehens des Plagiators schuldig gemacht." Da nun der Ree. „dieses Werk selbst besitze, so übergebe er zur Bekräftigung