Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 9 (1.2.1897)
- Date
- 1897-02-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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167 die Forderung, daß nach einem längeren oder kürzeren Provisorium die definitive Anstellung der jüdischen Lehrer durch die Gemeinden zu erfolgen habe, um das drückende Abhängigkeitsverhältniß der Lehrer von den Gemeinden und deren Vertretungen zu beseitigen und der weiteren Ansammlung solcher Lehrer, welche aus ihren Stellungen durch meist willkürliche Kündigung entlassen worden find, vorzubeugen. Es habe sich wie die Erfahrung lehrt, auf diese Weise ein Beamtenproletariat gebildet, welches in bitterer Armuth lebt und den verschiedenen Unterstützungskassen zur Last fällt. Da solche Kündigungen oft durch die geringe Leistungsfähigkeit der kleinen Gemeinden herbeigeführt werden, so sei der Zusammenschluß kleinerer Gemeinden eines Bezirkes zu einem Gemeindeverbande dringend zu empfehlen und die Mithilfe des Deutsch- Jsr.-Gemeindebundes nachzusuchen, der gern für die Zwecke des Religionsunterrichts den kleinen Gemeinden Unterstützung gewährt. Diese Gemeindeverbande seien auch für die Gründung und llnterhaltung von Pensions¬ und Relictenkassen für die jüdischen Lehrer und deren Angehörige die geeignete Stelle. Die Erhebung einer statfitischen Rachweisung über die gegenwärtigen Anstellungs-, Besoldungs-, Pensions-?c. Verhältnisse sei demnach die nächste und wichtigste Aufgabe des Verbandes; unter Zugrundelegung des dadurch gewonnenen Materials seien die vorbereitenden Schritte zur Herbeiführung geordneter Verhältnisse in die richtigen Wege zu leiten." Ueber diese aus den vorliegenden Referaten gewonnenen Vorschläge trat der Vorstand in weitere Berathung. Ter Vorsitzende, Tr. Adler, wies zunächst auf das geographische Moment hin, das durchaus zu berücksichtigen sei. Wir hatten verschiedene Centren, in denen sich eine Ansarnmlung der aus den kleinen Genieinden sortziehenden Juden vollziehe, wie Berlin, Hamburg, Frankfurt a. M. ’C. Es würde sich daher der Uebelstand ergebcn, daß die einzelnen zu gründenden Provinzialkafien nicht gleichmäßig dodirr seien; dieser Fehler fiele fort, wenn eine Centralkasse gegründet würde, die ihreThätigkeit über das ganze Gebiet der zum Verbände zählenden Vereine auszuüben halte. Goldschmidt will hervorragende finanzielle und geistige Kräfte für eine solche Kasse inleressirt sehen, um die nöthige Grundlage zu schaffen, auf der ein sicherer Bau auszuführen wäre. Auch die übrigen Mitglieder des Vorstandes betheiligten sich eingehend an der Debatte, und als Ergebniß derselben wird der Beschluß gefaßt, zunächst auf privatem Wege bis zur nächsten Zusammenkunft des Vorstandes die Bildung eines Fonds herbeizusühren, ferner die genaue Ausführung der statistischen Erhebungen als wichtigstes Erforderniß sofort in Angriff zu nehmen, wozu die Mithilfe des Gemeindebundes, der einzelnen Gemeinden und sämmtlicher Collegen nachzusuchen sei. Die Berathung der Fragebogen für die geplante j statistische Erhebung wird einer besonderen Commission, bestehend aus den Collegen Dr. Adler, Bernhard, Dr. B l a s ch k e uno B l u m e n s e! d übertragen. Der Referent, B ern b ar d-Tarnowitz, wird sodann beauftragt, unter Benützung der Elgebnisse der statistischen Erhebung in einer Denkschrift die gegenwärtige Lage der jüdischen Lehrer resp. Religionslehrer zu beleuchten; der erste Entwurf der Denkschrift soll bei den Mitgliedern des Verbandsvorstandes circuliren. 17. Zur Ausstellung eines Verbandsthemas für das Jahr 1897 liegen drei Anträge vor: 1. Antrag des Collegen Dr. B l a s ch k e-Berlin: „Kann und soll der jüdische Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen mit dem der Religionsschuleu in unterrichtlichen Zusammenhang gebracht werden?" 2. Antrag des Collegen Steinhardt- Magdeburg : „Sollen die jüdischen Volksschulen erhalten bleiben, und ist die Errichtung neuer wünschenswertst?" bezw. „Ist die Eristcnz der jüdischen Schulen berechtig:?" Antrag des Vereins isr. Lehrer Sberschlesiens: „Was und inwiefern hat die jüdische Schule seit Beginn dieses Jahrhunderts zur Hebung der Cultur unter den Inden beigetragen?" Goldschmidt beantragt, letzteres Thema wie folgt zu fassen: „Was und inwiefern hat die jüdische Schule unserer (des betr. Vereins) Heimathproviüz seit Beginn dieses Jahrhunderts zur Hebung deutscher Cultur unter den Juden beigetragen?" Dr. Blaschke beantragt, dem Thema folgenden Wortlaut zu geben: „Wie ist die jüdische Schule der betreffenden Provinz entstanden, wie hat sie sich entwickelt, und was hat sie geleistet?" Herbst tbeilt hier eine Resolution init, welche der Verein jüdischer Lehrer der Sstprovinzeii am 24. d. M. in seiner Versammlung einstimmig gefaßt hat, und welche lautet: „Der Verein jüdischer Lebrer der Ostprovinzen erklärt es im Interesse der jüdischen schulpflichtigen Jugend für geboten, daß entweder jüdische Volksschulen neu gegründet, oder an bereits bestehenden paritätischen Schulen (Simultanschulen) der Verhältnißzahl der jüdischen Schulkinder entsprechend jüdische Lehrer angestellt werden. Der Verband wird ersucht, nach diesen Zielen mit allen gesetzlichen Mitteln zu streben." Rach längerer Berathung wird beschlossen, als Verbandsthema keinen dieser Anträge zu empfehlen, sondern die Vereinsvorstände zu ersuchen, in den Vereins-Versammlungen des Jahres 1807 die Frage der definitiven Anstellung sämmtlicher jüdischer Lebrer, ihrer Pensiouiruug und der Versorgung ihrer Hinterbliebenen unter Zugrundelegung der Ausführung dieses Protokolls (sub. Rr. 16) zur Diskussion zu